Ich habe in den letzten Tagen mit mehreren Freunden und Familienangehörigen aus Deutschland telefoniert. Sie alle sagten, "Trump hat keinen Plan". Genau diese Formulierung. "Es ist ein Krieg ohne Plan", "keiner hat einen Plan".
Ich weiss nicht, von wem der Plan stammt, aber der Plan ist deutlich erkennbar. Der Plan ist auch nicht neu. Ob er zum gewünschten Ergebnis führen wird,
nämlich dem Zusammenbruch des mörderischen, unmenschlichen und gefährlichen Regimes in Teheran, wissen wir noch nicht, weil es auch von anderen Faktoren abhängt. Dass dieses Regime heute deutlich weniger gefährlich ist als vor zwei Jahren oder zwei Monaten, ist klar.
Ich bin sicher, dass nicht nur Israel, sondern auch die USA sich seit Jahren auf diesen Krieg vorbereitet hat. Seit dem Enthauptungsschlag am ersten Tag geht es systematisch weiter. Ich habe selten einen Krieg gesehen, der so gut geplant war und so effizient durchgezogen wurde.
Die IRI, die so imposant und bedrohlich aussah, ist entzaubert worden, und auch dieser Effekt ist sehr wichtig und wird in Zukunft den Nahen Osten und die Konstellationen hier beeinflussen.
Das iranische Volk weiss nun, dass es nicht allein steht und allein kämpft, sondern dass es Verbündete hat, die bereit sind, das eigene Leben in Gefahr zu bringen, damit es sich sein Land zurücknehmen kann.
Die Schläge gegen die Raketenproduktionsstätten, gegen die Basji-Verbrecher, gegen die Führungsschicht sind alle präzise geplant. Die Zerstörung der Infrastruktur, die genau so weit gehen soll, dass sie das Regime schwächt, aber einen freien Iran hinterher nicht vollkommen mittellos dastehen lässt, alles das ist genau geplant, abgewogen und bedacht.
Der Angriff kam auch nicht unvermittelt - ich erinnere wieder an die Erstangriffe des Iran auf Israel, ihr kennt die Daten, wenn ihr mir folgt. Und dann die Verbrechen der Tage im Januar, die Exekutionswelle, die Unmenschlichkeit. Ist das kein Anlaß? Das Regime hält das Volk als Geiseln.
Kurz, ich verstehe nicht, wie man diesen Krieg ansehen kann und dann zu dem Schluß kommen kann: kein Plan! Trum redet, als hätte er keinen Plan, aber genau das gehört zum "fog of war". Er hat noch bis zum Tag vor dem Angriff so getan, als hielte er Verhandlungen für realistisch.
Das war zweifellos ein Trick, um die iranische Führung in Sicherheit zu wiegen - und der Trick gelang so gut, dass diese Männer sich tatsächlich alle an einem Ort trafen, so sicher fühlten sie sich bis zu ihrem letzten Moment.
"Trump hat keinen Plan" sagt sich leicht dahin, wenn man Trump in alle Himmelsrichtungen gleichzeitig reden hört. Vielleicht hat er ja persönlich keinen Plan, ich weiss es nicht. Aber dieser Krieg ist geplant, bis ins Detail.
Aber ich weiss, woher meine Gesprächspartner, alles super-intelligente, wache Leute, ihre Aussage hatten. Sie liegt anscheinend in der Luft in Deutschland. "Trump hat keinen Plan", und das Benzin wird teurer, oh nein! "Trump hat keinen Plan", und alle hatten sich doch mit dem Regime ganz gut arrangiert.
"Trump hat keinen Plan", und Kriege sind immer Mist, und wir sind immer dagegen, und alles läßt sich viel besser ohne Kriege lösen.
Aber seid ehrlich. Haben Diplomatie und Verhandlungen und Saktionen uns weitergebracht?
Dieser Krieg hat einen Plan. Es ist Plan B, nachdem Plan A, nämlich Verhandlungen, Sanktionen und weitere Verhandlungen, versagt hat.
Wer Plan A geliebt hat, dem wird Plan B natürlich nicht gefallen. Wer gern weiter auf Plan A setzen würde, der findet, Plan B ist gar kein Plan.
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Die Gerüchte, dass Tel Aviv in Trümmern liegt und es Hunderte israelische Todesopfer gibt, und dass das alles verschwiegen wird, sind einfach nur das: Gerüchte. Ja, wo Raketen eingeschlagen sind, ist der Schaden riesig, und das israelische Fernsehen zeigt das live und offen,
allerdings ohne den genauen Standort anzuzeigen - man muss dem Feind ja nicht bei der Feintarierung seiner Ziele helfen. Über Tote und Verwundete wird berichtet, weil Israelis Anteil nehmen. Wer sein Haus verloren hat, bekommt nicht nur staatliche Hilfen -
er wird von Freiwilligen mit Hilfsangeboten unterstützt, mit Spenden und praktischer Hilfe.
Über den Zustand der Verwundeten wird berichtet, und das ganze Land betet für sie.
Und wenn es Todesopfer gibt, geben die Medien bekannt, wann und wo sie begraben werden.
Vorgestern war ich in Tel Aviv im Museum für moderne Kunst, einem Museum, das ich sehr gern mag, interessant finde und regelmäßig besuche.
Ich nehme euch einfach mal mit und zeige euch, was ich gesehen habe. Nicht im Museum. Sondern davor.
Pro Post ein Bild, damit ihr der Reihe nach durscrollen könnt.
Vor dem 7.10.23 war der Platz vor dem Museum groß, luftig und mit Skulpturen bestückt - ein typischer Treffpunkt für Gruppen und Paare. Links die Ariella-Bibliothek, rechts das Gerichtsgebäude, Oper in der Nähe.
Seit Oktober 23 ist dies der Platz der Geiseln, wo die Tage, Stunden und Minuten gezählt werden.
Durch den Krieg hat sich das Semester um zwei Wochen verlängert. Ich gebe dieses Jahr einen Kurs über die Pariser Schule - eine Gruppe jüdischer Künstler und Künstlerinnen in Paris, viele davon aus Osteuropa, der Welt des Shtetls.
Chagall ist zweifellos der berühmteste, aber auch Modigiliani, Chaim Soutine, Ossip Zadkine, Chana Orloff und Jacques Lipchitz kennt ihr vermutlich. Rahel Szalit-Marcus, Marcoussis, Kremegne, Mane-Katz.... unglaubliche Kreativitität und Energie.
Alle diese Künstler wurden von Antisemitismus und Holocaust getroffen, alle mußten fliehen, viele haben nicht überlebt. Die Nazis haben ihre Studios verwüstet und ihre Arbeiten verbrannt.
Es ist gespenstisch, in einer Zeit zu leben, in der solche Geschichten sehr aktuell klingen
Wir werden diese merkwürdigen 12 oder 13 Tage erstmal sacken lassen müssen. Ich weiß nicht, was ich in zwei Wochen oder zwei Monaten oder zwei Jahren darüber denken werde. Aber ein erstes persönliche Resumee.
Es ging mit Paukenschlag los - einem landesweiten Alarm mitten in der Nacht, um uns zu warnen und zu informieren. Das HomeFrontCommando hielt uns den ganzen Krieg über eng auf dem Laufenden, versuchte auch, die Staffelung von Ankündigung, Vorwarnung, Alarm und Entwarnung
so benutzerfreundlich wie möglich zu machen. Die Raketen waren riesig und richteten viel schwerere Schäden an als selbst die Burkans der Hisbollah. Sie waren tödlich und trafen nur Zivilisten. Der seelische Druck, alle paar Stunden das gesamte Land unter Beschuß zu wissen,
Ich überlege, ob und wie ich das erzählen soll. Mein Mann kam vorhin nach Hause. "Ich möchte dir was erzählen".
Er kauft immer in einem kleinen Geschäft Zubehör für sein Hobby. Er kennt die Verkäufer inzwischen gut, Drusen, sehr nett und freundlich. Heute war er allein mit einem
von ihnen, und sie fingen an, über die Armee zu sprechen. Wie alle Drusen dient er bei einer kämpfenden Einheit, ist stoisch und mutig, aber er hat wohl gespürt, dass mein Mann weiß, was Krieg bedeutet. Und wie das so ist - manchmal kann man Fremden erzählen, was man anderen
nicht zumuten kann. Ich möchte nichts davon erzählen. Bin auch sicher, dass Y. mir nicht alles erzählt hat. Unvorstellbar hart ist der Dienst, den diese jungen Menschen leisten, damit der Staat Israel überleben kann.
Sehen wir uns einmal an, was @ABaerbock nach der Freilassung der Geiseln mit deutscher Staatsangehörigkeit von sich gibt - emotional und als hätte sie unablässig für sie gearbeitet - und was sie vorher gesagt hat.
Leitmotiv: "das Leid auf allen Seiten".
In der Reihenfolge der Wichtigkeit: Menschen in Gaza, Geiseln u Angehörige, alle Menschen der Region.
Israelis werden nicht erwähnt, sondern subsumiert.