Was sagt und schreit die AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt?
Ich habe mir einige der Reden und Zwischenrufe der vergangenen Wochen genauer angeschaut. Das Ergebnis dürfte wenig überraschen, wissen sollte man es trotzdem. Ein Thread.
„Beim Arzt sitzt immer nur eine Bevölkerungsgruppe: Mohamed, und wie sie alle heißen!“ (22.04.2026)
Zwischenruf während einer Rede von Innenministerin Dr. Tamara Zieschang, in der es u.a. um ausländische Fachkräfte ging. Der Zwischenrufer der AfD reduziert Menschen auf muslimisch klingende Namen und konstruiert daraus ein Bedrohungsbild. Er gehört zu den offen rassistischsten Aussagen der gesamten Debatte.
„Wir müssen nur einmal gewinnen! Sie müssen immer gewinnen!“ (Felix Zietmann, AfD, 23.04.2026)
Die Logik lautet: Demokratische Parteien müssen permanent Mehrheiten erringen und verteidigen; eine autoritär gedachte Bewegung müsse dagegen nur einmal die Macht erringen, um danach die Regeln selbst bestimmen zu können.
„Ich habe die Schnauze voll davon, in meinem Land immer und immer mehr ein Fremder zu werden. Ich will Deutschland so, wie wir es kannten (...).“ (Matthias Büttner, AfD, 22.04.2026)
Deutschland wird als kulturell homogener Raum verstanden, in dem Migration automatisch Entfremdung erzeugt. Die Aussage arbeitet mit Verlustängsten und einem identitären Bedrohungsgefühl.
„Pfui Deibel!“ (Otto Lizureck, AfD, 23.04.2026)
Der Zwischenruf fiel, als CDU-Politiker Andreas Schumann Gedanken des ehemaligen Bischofs Leo Nowak zu NS-Verbrechen zitierte. Inhaltlich wird damit nicht argumentiert, sondern moralische Erinnerung verhöhnt. Dass ein Verweis auf historische Verantwortung mit einem Ekelruf beantwortet wird, zeigt die aggressive Ablehnung der Erinnerungskultur innerhalb der AfD-Fraktion.
„Die Landeszentrale für politische Fehlbildung.“ (Oliver Kirchner, AfD, 23.04.2026)
Hier wird politische Bildung pauschal als Propaganda delegitimiert. Das passt zu einem generellen Muster autoritärer Bewegungen: unabhängige Bildungs- und Erinnerungsinstitutionen werden als ideologische Feinde dargestellt. Im Wahlprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt steht: "Aus diesem Grund werden wir
1463 die Landeszentrale für politische Bildung in der aktuellen Form abschaffen (...)."
„Wenn wir ab September den ersten Dominostein in diesem Land umwerfen…“ (Matthias Büttner, AfD, 22.04.2026)
Die Aussage beschreibt politische Machtübernahme wie einen Systemumsturz. Die Sprache des „Dominosteins“ suggeriert eine Kettenreaktion, die weit über einen normalen Regierungswechsel hinausgeht.
Der Zwischenruf fiel, als CDU-Abgeordnete der AfD vorwarfen, Kinder lieber zu Hause unterrichten zu wollen. Wahlprogramm AfD: "Das Recht auf Hausunterricht ist als Elternrecht zu begreifen (...)."
„Der Rest, der hier ist, kann deshalb auch wieder nach Hause.“ (Matthias Büttner, AfD, 22.04.2026)
Hier wird pauschal über Hunderttausende Menschen gesprochen. Individuelle Biografien, Integration oder Lebensrealitäten spielen keine Rolle mehr. Entscheidend ist allein die Gruppenzugehörigkeit.
Auch dieser Zwischenruf fiel beim Verweis auf die NS-Zeit. Der Effekt ist ähnlich wie beim „Pfui Deibel“-Zwischenruf: Nicht die NS-Verbrechen werden moralisch problematisiert, sondern derjenige, der daran erinnert. Erinnerung an historische Verantwortung erscheint damit als Schwäche oder Manipulation.
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"Schmarotzertum", "Sturmtruppen", "postmoderner Schmutz", "Dreck", "degenerierte Existenz". Wieder ein verstörender Moment im Landtag von Sachsen-Anhalt. Am 20.05. spricht der AfD-Abgeordnete Christian Mertens über Studentenräte.
Schon der Einstieg setzt den Ton. Mertens nennt Studentenräte den „von der linksgrünen Blase gewählten linksradikalen Narrensaum“.
Demokratisch gewählte Hochschulgremien werden verächtlich gemacht.
Dann wird die Sprache noch härter.
Mertens spricht von den „Torwächtern all des postmodernen Schmutzes“.
Die Landtagsvizepräsidentin Anne-Marie Keding greift ein. Sie sagt, Mertens habe eine „sehr herablassende und nicht würdigende Sprachweise“ gewählt und bittet ihn, sich zu mäßigen.
Mertens macht weiter.
Er sagt über diese angeblichen Ideologien:
„Denn er besudelt die Gesamtgesellschaft mit seinem Dreck.“
Mertens reiht dann Feindbilder aneinander:
„Critical-Whiteness-Theorie“
„Postkolonialismus“
„Klima- und Multikultisekte“
„Sprachwächter des Genderismus“
„herrschende politische Kaste“