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Praktikantin @Anscheinsbeweis
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Das sechste Weihnachtsfest nur mit meinen Kindern und Eltern.

Das dritte Weihnachtsfest mit ihnen ohne Baum.

Die zehnte Whatsapp von meiner Mutter, sie wünscht, morgen bei mir einen geschmückten Baum zu sehen.

Und Sie reden von Stress.
Da wo letztes Jahr der Baum stand, steht jetzt das Klavier der Tochter. Eigentlich Epiano. Und eigentlich meins.

Ich hab keinen Platz für einen Baum. Nicht mal einen kleinen Baum im Topf.
Ich hab noch nicht mal einen Baumständer.
"Bei meinem letzten Besuch fand ich, es sieht noch gar nicht weihnachtlich bei dir aus."

Anm.: während meiner letzten mehrtägigen Dienstreise hat sie hat meine Wohnung mit allem weihnachtlich dekoriert, was auf dem Dachboden zu finden war.
"Hast du keine Freunde, die dir heute mal einen Baum fahren können?"

Als hätte ich einen Telefonjoker.
Meine Argumente sind gut. Nahezu perfekt. Meinen Trumpf mit "kaputtes Knie" i.V.m. "Ibu 600 zum Frühstück" habe ich noch gar nicht ausgespielt und was soll ich sagen ...

Ich geh jetzt einen Baum kaufen.
Ich hab ganz vergessen, was ich sonst noch holen soll. Es war nicht viel. Aber ich war mir bis gestern sicher, Weihnachtsbaum war nicht dabei.
Am Ende sitzen wir morgen vor einem grünen Krüppel an Baum ohne Essen...

*lacht*

*lacht nicht mehr*
Ein paar Stunden und mehrere tausend Schritte später hab ich den Einkauf nach Hause getragen.
Und vielleicht esse ich heute schon alles auf.
Ich habe keinen Baum gekauft.
Ich glaube, morgen wird es hier sehr besinnlich.
Mutter fragt im WA-Elternchat, ob ich noch einen Baum bekommen habe.

Nun frag ich euch: wo bekomme ich für morgen eine Mutter her?
Mutter fragt, ob ich schon beim Bäcker war und in diesen Momenten wünsche ich mir Geschwister.
Schöne Bescherung.
(Ich würde ja gern intuitiv antworten, aber sie kennen mich als brave Tochter.)
Ich verspüre leichten Hunger. Die Kinder sind wieder zuhause und leeren ihre Adventskalender.

Wie lange kann man eigentlich Champagnerflaschen im Tiefkühler lassen bis sie platzen?
Noch 30 Minuten.

Ich geh mal auf den Dachboden nach dem Baumständer schauen.
Ich habe keinen Baumständer.

(Dass ich einen hatte, liegt daran, dass ich mir mal einen ausgeliehen habe.)
Meine Eltern sind da. Mit Baum. Und Baumständer.

Der Baumständer passt aber nicht. Der Stamm ist zu dick. Naja.

Ich reich schon mal Schnaps.
Die sächsische Blautanne steht schief in einem großen Tontopf mit Erde.

Mein Vater möchte den Baum jetzt rund schneiden, und meine Mutter steht schwer atmend mit der Gartenschere daneben.
Die Tochter schmückt den Baum jetzt mit meiner Mutter und vielleicht setze ich mich mit einer Decke und Glühwein auf die Terrasse.
Die Deko wird auf drei von 27 Ästen gehangen. Der Baum kippt leicht.

K2 motzt, weil ... weiß er selbst nicht und wir auch nicht.

Meine Mutter hat schon schlechte Laune, weil es schon 15.37 Uhr ist.

Vater und ich sind schon beim zweiten Glühwein.
Vater fragt, ob wir die Tür abschließen wollen, damit keiner ins Wohnzimmer geht.

Ich denke an den komisch geschmückten Baum.

Er denkt an die Geschenke.

K2 denkt an meine Mutter.

Dritter Glühwein.
Mutter isst Lebkuchen, der Stuhl knackt.

Die Kinder nörgeln, weil sie ihre Geschenke öffnen wollen.

Ich habe Durst. Ich muss was trinken, bevor ich mich neben den Baum setze.

Vater will jetzt auch Weihnachtslieder singen.
Ich will ihn euch nicht vorenthalten.
Die Kinder können vor Aufregung kaum singen oder Gedichte aufsagen. Mutter weint, weil die Lebkuchen alle sind.
Vater macht jetzt eine CD an.
Zur Beruhigung der Kinder gibt es Globuli (😂😂😂😂)
Macht mal kurz leise. Es geht los.
Mutter fragt, ob ich die Geschenke eingepackt habe, und zwei von drei Kindern rollen mit den Augen.

Ich trinke noch einen Schluck, bevor ich antworte.

Die Jungs haben schon ihre ersten Geschenke ausgepackt, ein happy end ist in Sicht.
Vater wird unruhig, weil der Glühwein alle ist.

Tochter weint, weil sie sich verspielt hat.

Mutter guckt nur den Baum an.

Ich habe Hunger.
Ich habe ein Gedicht aufgesagt. Eins meiner Kinder schenkt mir das. Und während ich mich freue, überlege ich, hinter welche Bücher ich das stellen kann.

Um mir Zeit zu verschaffen, trinke ich noch einen Glühwein.
K2 schmollt, weil er was singen oder auf der Gitarre spielen oder ein Gedicht aufsagen soll, um ein Geschenk zu erhalten.

Er sitzt hinter dem Sessel und zieht an der Gardine.
Ich verschlucke mich am Glühwein, weil die Gardinenstange leicht aus der Wand bricht. 🙈
Der Glühwein ist alle.
Ich hab was gesungen und ich durfte das letzte Geschenk aufmachen. Mutter schüttelt den Kopf.

Vater hat Hunger.

Tochter weint, weil der Weihnachtsmann nur 3 Geschenke von einem beidseitig beschriebenen Wunschzettel brachte.
Erstmal eine Räucherkerze anzünden.
Mutter weint, weil sie keinen Champagner trinken kann (weil Autofahrer!).
Vater will erst den Champagner, dann lieber doch den Rosé-Sekt trinken.
Die Kinder weinen, weil sie noch keine Geschenke auf- und zusammen bauen können.
ICH HABE HUNGER!
Vater wird unruhig, weil der Fonduekäse nicht flüssig wird.

Ich trinke schon alleine ein Glas Sekt.
Vater stellt einen Plastikteller auf die Herdplatte, auf der bis eben der Kinderpunsch erwärmt wurde.

Wir sitzen in der Küche im leichten Nebel.

Es riecht nach Kunststoff.

Lüften reicht nicht. Ich brauche mehr Räucherkerzen.
So.
So auch.
Es müssen Fotos gemacht werden. Für Arbeitskollegen, die in der Schweiz wohnen. (🙄!)

Beim Warten fällt das Brot und das Fleisch in den Käse und geht verloren.

Wir stochern wir in einem Massaker im Fondue.
Es ist sehr besinnlich.
Mir ist schlecht.
Mutter wäscht auf.
Vater gibt kluge Ratschläge wie man richtig das Geschirr spült und neuen Mutter atmet schwer.

Der Sekt passt nicht in die Kühlschranktür und deshalb muss ich den jetzt austrinken. Zufälle gibts.
Mood.
Ich nehm' die erste Tüte.

(Lego! Was denn sonst!)
Ich habe Durst.

K2 rennt los Richtung Küche. Er bleibt am Baum hängen. Der Baum kippt.

Mutter schreit auf.
Vater verschluckt sich am Sekt.

Der Baum bleibt stehen. Mein Weihnachtswunder.
Ich schwitze.
Vater kratzt den Fonduetopf mit einer Metallgabel aus.
Mutter weint.

Die Stimmung kippt. Wie der Baum.

Sie wollen gleich gehen.
Sie wollen nicht mehr zum Schokofondue bleiben.
So schnell wie sie gekommen sind, sind sie jetzt auch gegangen.

Nun sitz ich hier. Satt und betrunken.

Alles in allem ein schöner 24.12.

Gute Nacht.
Anscheinend war die Autokorrektur auch betrunken. Bitte "neuen" mit "meine" tauschen.
Mutter fragt, ob der Baum noch steht.

Und ob ich ihn noch umdekoriert habe, nachdem sie gegangen sind.

Sie kennt mich sehr gut.
Ich bin noch gar nicht wach für eine strafmildernde Antwort.

(Jedenfalls hat sie noch nie unseren Baum geschmückt.)
Nüchtern betrachtet war mein persönliches Weihnachtswunder, dass wir dieses Jahr zum ersten Mal nicht am 24.12. im Krankenhaus waren.

Aber an Silvester hab ich ja die Kinder wieder. *kreuzt Finger
Das Schokofondue läuft. Akustisch eine Strafe.
Die Kinder bauen an IHREM Lego weiter.

Sehr besinnlich. So hört man auch nicht die Türklingel.
Die Kinder werden abgeholt.

Die Kinder weinen, weil das Lego noch nicht fertig ist und sie eigentlich nicht gehen wollen. (Aber nicht vorrangig wegen mir 😉)

Ich atme in eine Tüte.
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