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Arbeitet zu Vielfalt und Antidiskriminierung, Fußball und Fankulturen, extreme Rechte und Kampfsport. Lieblingsanrede in Mails: Lieber Klaus, ...

Oct 12, 2019, 23 tweets

Das Verbot des „Kampf der Nibelungen“ – geplant für den 12.10. in Ostritz – durch die sächsischen Behörden und die finale Absage sind ein einschneidender Moment für die Entwicklung des Kampfsportes in der extremen Rechten. Doch wäre jegliche Entwarnung fehl am Platz. Ein #Thread

Gewalt ist ein grundlegendes Element extrem rechter Ideologie, Kampftraining unter Neonazis also keine neue Entwicklung. Vom ersten Event an – Ring der Nibelungen in der Eifel 2013 – versammelten sich dort militante Neonazis, in deren Tradition der KdN steht.

Zuerst fanden die Events geheim statt, doch 2017 professionalisierte sich der KdN zusehends: Die Zahl der Zuschauer wuchs auf über 500 an, die Marke wurde offiziell registriert, das Sponsorennetzwerk wuchs.

bpb.de/politik/extrem…

Dieser Boom war eng verbunden mit der Figur Denis „Nikitin“ Kapustin, der mit seiner russischen Marke „White Rex“ schon Jahre zuvor professionelle extrem rechte Fight Nights in Russland aufgebaut hatte. Die Werbung orientierte sich zunehmend an der US-amerikanischen UFC.

Seit 2018 findet der KdN im sächsischen Ostritz statt: Einerseits liegt der Ort für Hools aus Osteuropa nahe, auf die gut organisierte Naziszene in Sachsen kann zurückgegriffen werden. Der Besitzer des Geländes ist ein ehemaliger NPD-Funktionär.

Doch wollte der KdN kein sächsisches Regionalevent sein, sondern das bundesweite Mainevent des Kampfsportes der Naziszene. Doch konnte man keine andere Halle finden, die den Anforderungen von rund 1.000 Zuschauern entsprach.

Im Windschatten und Netzwerk des KdN entstanden mehrere Gruppen, Aktivitäten und Labels: Die Veranstaltung „Tiwaz – „Kampf der freien Männer“ wird seit 2018 aus der Chemnitzer Naziszene heraus organisiert.

Wardon 21 forcierte den Ansatz von „NS Straight Edge“, bot vegane Küche an und schwadroniert von der Schaffung des „neuen Menschenschlags“. Auf den Szene-Kongressen „Heureka“ gab es dazu Vorträge. Man versteht sich als Elite eines rassistischen Kampfes.

Das Netzwerk des KdN baute sein Merchandise konstant aus, immer spezifischer wurden Angebote in den Bereichen Fitness, Training, Kampfsport und auch Outdoor-Survival entwickelt. Man versuchte unterschiedliche Kundensegmente abzudecken.

Auch der Slogan des KdN „Wille, Disziplin und Fleiß“ spricht den Sound von neoliberaler Gesundheitspolitik. Die Szene will ihr Stück vom Fitnessboom abhaben, den rechten Rand des Marktes besetzen.

taz.de/Neonazi-Kampfs…

Dortmunder, Cottbusser und Chemnitzer Neonazis waren immer zentral für den KdN. Zudem agieren mit „Knockout 51“ (Eisenach) , „Fightclub 062“ (Sachsen-Anhalt) und „Baltikkorps“ (MeckPomm) Kameradschaften unter Kampfsportnamen im engen Umfeld des KdN.

Die Szene nutzt den Kampfsport, um ihre politische Gewalt zu professionalisieren, für den politischen Umsturz zu trainieren. „Wehrsport 2.0“ nennt es der Blog @runtervdmatte . Zudem dient der KdN zur Vernetzung und Finanzierung der Szene.

@runtervdmatte Darüber hinaus sollten junge, rechte Hooligans enger an die Naziszene gebunden werden. Die Hooliganseite „Gruppa OF“ war 2018 Sponsor, der KdN-Merch zog in der Szene ein. Beispiel: Hooligans aus Bielefeld, KdN Shirt 2. Reihe.

@runtervdmatte Insbesondere durch die Verbindung mit Rechtsrock sollte die Angebotsplatte extrem rechter Erlebniswelt erweitert werden. In ihrem Zentrum stehen stets politischer Hass und gewalttätige Männlichkeit.

@runtervdmatte Letztlich machte das KdN-Netzwerk kaum einen Hehl aus der politischen Ausrichtung: Sponsoren verkaufen ihren Merch auf der Homepage „2yt4u“ - „Too White for you“. Der KdN bezeichnete die FDGO als „faulendes politisches System“, sprach vom Training für den „Straßenkampf“.

@runtervdmatte Doch lief es für die organisierte Naziszene und ihre Veranstaltungen zuletzt nicht gut: Die Mobilisierung zum „Tag der deutschen Zukunft“ in Chemnitz floppte, das Festival „Tage der nationalen Bewegung“ in Themar litt sichtbar unter Gegenprotesten und staatlicher Repression.

@runtervdmatte Zudem erhielt Denis Kapustin im Februar ein Einreiseverbot für den europäischen Schengenraum. Die extrem rechte Kampfsportszene verlor damit eine zentrale Schlüsselfigur ihrer Vernetzung.
tagesschau.de/investigativ/n…

@runtervdmatte Letztlich hat die offen zur Schau gestellte, extrem rechten Militanz des KdN zum Verbot der Veranstaltung geführt. Die Szene des Nazikampfsports verliert für dieses Jahr ihr Schlüsselevent. Dies ist ein wichtiger Schritt, doch leider kein Anlass zur Entwarnung.

@runtervdmatte Denn erstens kann das Problem extrem rechter Gewalt und rechten Terrors nicht auf das Feld des Kampfsports reduziert werden – wie die lange Liste extrem rechter Gewalttaten zeigt.

@runtervdmatte Zweitens ist der KdN als Organisation (noch) nicht verboten, mit dem Tiwaz stünde ein Nachfolge-Event in den Startlöchern. Auch könnte die Szene wieder dazu übergehen, kleinere regionale Fight Nights geheim zu organisieren.

@runtervdmatte Drittens sind die Personen und Netzwerke weiterhin aktiv und insbesondere in die osteuropäischen, extrem rechten, Hooliganszenen bestens vernetzt.

@runtervdmatte Viertens beschränkt sich das Problem von Neonazis im Kampfsport nicht auf Events aus der extrem rechten Szene. Noch immer stehen Neonazis viel zu oft auf den Fight Cards gängiger Fight Nights: Von der German MMA Championship bis hin zur Vogtländer Fight Night nächsten Samstag.

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