Nein, es ist nicht besser für die Umwelt, je "reicher" wir werden.
@a_sator hat @amcafee zu seinem neuen Buch "More from Less" interviewt. Ich habe ein paar Probleme mit McAfees Analyse und seinen Schlüssen daraus.
derstandard.at/story/20001149…
Im Prinzip sagt McAfee ja nichts ganz Neues, es gibt genug Bücher und Artikel dazu.
Kernaussage: Der Kapitalismus ist super und sein Wachstumsimperativ kein Problem, weil wir Wachstum von Umweltzerstörung entkoppeln können. Er versucht das v.a. mit US-Daten zu belegen.
Es gibt bessere Experten als mich, um die Mängel in McAfees Thesen zur Entkopplung zu beschreiben. Einer davon ist @jasonhickel, der das hier getan hat:
McAfees Antwort:
Erneut Hickel:
Unterm Strich: McAfee schaut sich nicht den Material Footprint der USA an, sondern den Material-Konsum. Man kann für beides argumentieren, muss McAfee aber gar nicht für die Auswahl seiner Datengrundlage kritisieren, um seine Schlüsse nicht zu teilen.
Ich finde es noch viel problematischer, dass er die Entwicklung in den USA analysiert - und davon globale Handlungsanweisungen ableitet. Lassen wir relative Entwicklungen einmal beiseite: Die USA haben den siebthöchsten ökologischen Fußabdruck der Welt, den neunthöchsten bei CO2.
Ist es möglich, durch Regulierung und technologische Weiterentwicklung einen absurd hohen Ressourcenverbrauch gegenüber Zeiten praktisch ohne jegliche umweltpolitische Standards zu reduzieren: Ja. Kann das so weitergehen und ist der Trend verallgemeinerbar? Nein.
Dazu zwei Beispiele, die auch McAfee in seinem Buch bringt: Getränkedosen und Fracking.
Laut McAfee verwenden Getränkehersteller immer weniger Material bei der Herstellung von Getränkedosen, schlicht weil es günstiger ist und weil die Technologie sich weiterentwickelt.
Darum haben wir heute viel dünnere Getränkedosen, die nur mehr einen Bruchteil des Materials verbrauchen wir vor Jahrzehnten.
So weit so gut. Doch irgendwann stößt eine solche Entwicklung an eine Grenze - Dosen können nicht unendlich dünn sein.
Deswegen ist es wohl fraglich, ob alle aus Dosen trinken sollten - auch wenn das für das Wirtschaftswachstum positiv wäre.
Vielleicht sollten wir uns eher fragen, wie die Bedürfnisse "Trinken" und "Genuss" auch ohne Dosen erfüllt werden können.
Fracking: McAfee freut sich über die Reduktion der Emissionen in den USA und die geringere CO2-Intensität der Wirtschaft. Fracking steht er scheinbar unkritisch gegenüber, trotz extremen lokalen Belastungen bis hin zu Erdbeben und Gas im Trinkwasser der Menschen.
Aber man braucht gar nicht daran zu denken, um zu sehen, wie kurzsichtig das Beispiel ist. Wie Kohle ist auch gefracktes Gas endlich, es verursacht etwas weniger Emissionen, aber immer noch sehr viele. Das ist kein nachhaltiger Pfad, im Gegenteil, er verlängert Abhängigkeiten.
Solche Beispiele finden sich im Buch viele. Z. B. wird von Walbeständen geredet, die sich erholen (Was toll ist!), aber Insekten werden gar nicht erwähnt (Was problematisch ist, so wie deren extremer Schwund.)
Ein weiteres Problem ist die Dringlichkeit. Es ist gut, dass die Wirtschaft weniger energie- und CO2-intensiv wird. Mit Erneuerbaren und Effizienz allein werden die Klimaziele aber nicht schnell genug zu erreichen sein, es braucht ein Anders und in vielen Bereichen ein Weniger.
Unterm Strich: Man kann McAfees Datengrundlage kritisieren. Einige Beispiele scheinen willkürlich oder kurzsichtig. Er leitet von der Analyse v.a. der USA globale Handlungsanweisungen ab, was sehr fragwürdig ist. Die lautet: Wir brauchen mehr vom selben.
Das sehe ich anders.
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