Ich möchte mal für Hendrik Streeck in die Bresche springen. In Artikeln wird er gerade als "umstrittener Virologe" mit einer "umstrittenen Studie" bezeichnet. Streeck ist ein renommierter Wissenschaftler, und seine Heinsbergstudie ist enorm wichtige Forschung. (1/x)
Ich habe Kritik an seiner Kommunikation. Genau wie Mai im letzten Video ausgeführt hat. Tl;dw: In der Gangelt-Pressekonferenz präsentierten die Forscher ihre Ergebnisse zu Letalität und Dunkelziffer. Dann verwiesen sie auf Plan der DGKH,... (2/x)
... nach dem könne jetzt zu "Phase 2", also Lockerungen übergegangen werden. Das musste so wirken, als sei das eine Konsequenz aus der ermittelten Letalität, also 'Daten zeigen: nicht so schlimm, wir können lockern'. Ähnliches in anderen Auftritten. (3/x)
Obwohl andere ExpertInnen mit gleichen Annahmen z.B. zur Sterblichkeit andere Strategien zum Umgang mit Covid-19 bevorzugen. Diese Strategien gehen halt nicht zwingend aus den verfügbaren Daten hervor, sondern bauen nur auf ihnen auf. (4/x)
Der dringende Rat für eine kommunizierende WissenschaftlerIn in so einem Fall ist, Fakten und Meinung klar erkennbar auseinander zu halten, wie @SGruninger es ausdrückt reatch.ch/de/content/kei… (5/x)
Oder wie @maithi_nk im Video etwas allgemeiner sagt: "what" (die nüchternen Ergebnisse) und "so what" (die Bedeutung der Ergebnisse für uns) klar zu trennen und differenziert zu kommunizieren. (6/x)
Bei dieser Kritik geht es aber wohlgemerkt nur um die Kommunikation. Andere Kritik an Streeck et al. ist zur Zeit vielerorts völlig unverhältnismäßig. In Artikeln und noch mehr in Kommentarspalten wird seine wissenschaftliche Seriösität oder Integrität angezweifelt. (7/x)
Diese "Kritiker" machen das, was ich auch bei Streeck bemängele - aber eine Größenordnung schlimmer. Sie sind nicht nur zu unklar in der Abgrenzung zwischen Fakten und Meinung. Sie ordnen die Fakten der Meinung unter. 'Hat andere Meinung? SEINE FAKTEN MÜSSEN FALSCH SEIN!' (8/x)
Freunde! Wir befinden uns in einer Situation, in der wir dringend mehr Wissen benötigen. Wir alle müssen dafür offen bleiben, dass neues Wissen ändern kann, was die beste Coronastrategie ist. Forscher wie Streeck beschaffen uns dieses Wissen. (9/x)
Er ist genau einer der Nerds, denen wir nach Jon Lajoie jetzt motherfucking thanken sollten. (10/x)
...jetzt habe ich wieder nen Ohrwurm...
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Das heißt natürlich nicht, dass wir tun müssen, was er sagt. Genauso wenig wie bei irgendeiner anderen ExpertIn.
Ihr Job ist, uns die Fakten und damit die Optionen zu zeigen. Unser Job als Demokratie ist, eine zu wählen. (12/x)
Es heißt auch nicht, dass es irgendwie Tabu wäre, ihn zu kritisieren. Aber lasst bitte mal die Kirche im Dorf, ey. (13/x)
Es gibt gerade so viel Bullshit zu Corona. Den müssen wir entschieden zurückweisen. Niemand soll unsinnige Entscheidungen fällen müssen, weil er auf bullshit reingefallen ist.
Aber wir müssen auch verstehen:
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Wenn der ganze bullshit aussortiert ist, ist die Lage immer noch nicht eindeutig. Wir haben Ungewissheiten, Abwägungen und unterschiedliche Prioritäten. Damit müssen wir klarkommen. Argumente finden und austauschen. Nachdenken. (15/x)
Dafür ist es wichtig, die Faktenlage so komplett wie möglich vorliegen zu haben.
Wer Forschungsergebnisse ignoriert oder anzweifelt, weil er auf der Meinungsebene nicht mit den Forschenden übereinstimmt, kann nicht mehr die vollständige Faktenlage berücksichtigen. (16/x)
(17/17) Liebe kommunizierende WissenschaftlerInnnen. Macht bitte klar, was Faktenlage und Unsicherheiten sind. Wenn ihr Meinung bietet, macht klar, wie ihr von Fakten zu Meinung kommt und was davon nicht zwingend ist.
Liebe Andere. Macht es genauso.
Lars out.
#wisskomm
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