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Jun 28, 2020, 10 tweets

Die Aufzeichnung von Kursen wird von einigen Lehrkräften gefürchtet. Das Bedenken: Unileitungen könnten aufgezeichnete Kurse zur Kürzung von Mitteln einsetzen. Nicht ganz unberechtigt, aber rückwärts gedacht. Ein kleiner Thread #Digitalisierung

Das Horrorszenario in Kürze: die "Einführung in die spanische Sprachwissenschaft" wird 1x aufgezeichnet - danach ist das Lehrdeputat überflüssig, Stunden werden gekürzt. Möglich, dass Hochschulleitungen so denken, aber es wäre gleichzeitig auch sehr, sehr dumm. Here´s why:

Zunächst mal müssten sich Universitäten eingestehen, dass Frontalkurse schon immer redundant gewesen sind - es gibt bestimmt einige, auf die das zutrifft, aber sicher auch viele, bei denen das eben nicht der Fall ist.

Auch Frontalkurse bieten Mehrwerte und sie haben enorm Potenzial - das zeigt der Erfolg von Youtube Kanälen und Online-Kursen. Dieses Potenzial wird durch reines Aufzeichnen nicht ausgeschöpft und daher genügt das reine Aufzeichnen nicht. Das wären verschenkte Ressourcen.

Stattdessen müssen Online-Kurse produziert werden. Inhaltlich haben das Dozent*innen schon immer gemacht - sie sind Profis auf diesem Gebiet. Die Produktion als Online-Kurs erfordert aber sowohl technisch als auch didaktisch Anpassungen am Aufbau des Kurses.

Wenn Universitäten hier nicht auf eigene Ressourcen (#Hochschuldidaktik mit Know-how auf dem Gebiet, Videoteams) zurückgreifen können, muss hier eingekauft/investiert werden. Hier wird nicht "einfach" digitalisiert, sondern Lehre transformiert.

Sinnvollerweise geht mit der Aufzeichnung von Kursen auch eine Veränderung des Betreuungsangebots einher. Teile des Kurses müssen nicht mehr inhaltlich wiederholt werden, dadurch entstehen zeitliche Freiräume, die in die Begleitung des Kurses fließen kann.

Kurzum: sollte eine Universitätsverwaltung wirklich denken, dass sie durch Aufzeichnung von Kursen Mittel einsparen kann, täuscht sie sich. Insbesondere zu Beginn fallen Kosten für die Transformation an, die nicht unerheblich sind.

Wie auch an anderer Stelle: wer billig will, bekommt billig. Die #Digitalisierung eignet sich nicht zur Kürzung von Mitteln - sie ist aber eine sinnvolle wie notwendige Investition in die Zukunft der universitären Lehre.

Der Moment wird kommen, wo eine Hochschulleitung auf die Idee kommt, dass sie hier Geld sparen kann. Dann ist es wichtig, diese Argumente parat zu haben und sie mit der Verwaltung zu diskutieren. Denn: auch die Leitung ist idealerweise interessiert an der Zukunft der Einrichtung.

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