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Sep 8, 2020, 9 tweets

Das drolligste am Kommentar von @tilsteff in der @zeitonline zum Gerichtsurteil, dass Pop-Up-Bikelines unzulässig sind, ist die implizierte Annahme, dass städtischer Straßenverkehr erst nach eingehenden Analysen so eingerichtet worden ist, wie wir ihn heute kennen.

(Thread)

Er benutzt Begriffe wie "verkehrslenkende Notwendigkeit" und "sorgfältige Analyse", und fordert eine Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger, nur gab es halt weder das eine, noch das andere, als das ganze Land großzügig mit Autostraßen durchzogen wurde.

Die Erweiterung des Straßennetzes folgte keiner sorgfältigen Analyse, denn in der Verkehrswissenschaft ist man sich längst einig, dass mehr Autostraßen und -spuren langfristig fast immer zu mehr Stau führen. Klingt paradox, ist aber gut erforscht. nber.org/papers/w15376

Hat nur niemanden interessiert: Autobahnen wurden für Milliarden Euro immer breiter gemacht, Bundesstraßen erweitert, belebte Stadtviertel von Durchgangsstraßen durchpflügt. Grundlage dafür war Pi mal Daumen und etwas Verkehrsesoterik, und es wurde auch niemand gefragt.

Wurden irgendwelche Bürger:innen befragt, ob sie in 10 Jahren an einer großen Durchgangsstraße leben wollen Ich wurde auch nicht gefragt, ob hier eine neue Autobahnbrücke gebaut werden soll, die jeden Tag tausende Autos in die Stadt schleust.
Ach ja, und:
tagesspiegel.de/politik/verkeh…

Die Verkehrswissenschaften sind viel weiter, haben längst gute Konzepte für sichere Kreuzungen, 0 Verkehrstote und viel mehr transportierte Menschen pro 100 Meter Straße entwickelt. Kann man sich in den Niederlanden angucken, ist da längst state of the art

Würden in Deutschland Straßenbauprojekte wirklich erst mal belegen müssen, wie viel Nutzen sie bringen - und dazu gehört deutlich mehr als "da können dann ganz viele Autos fahren! Brumm Brumm!" - die Hälfte würde nie realisiert und die andere Hälfte komplett umdesigned.

Diese Forderung richtet Tilman Steffen aber ausschließlich an Radinfrastruktur. Er merkt dabei gar nicht, dass auch seine geliebten Autos nicht mehr ans Ziel kommen, wenn davon schlicht zu viele unterwegs sind.

Fun Fact: Mehr ÖPNV und Fahrräder lösen dieses Problem ;)

Ganz vergessen, hier geht es zum vollständigen Kommentar: zeit.de/mobilitaet/202…

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