Man hört auf Twitter oft, das Problem sei "die Mitte". Sie sei nicht radikal genug, setze den Rechten nichts entgegen. Mich würde interessieren, wie diese Diagnose jenseits persönlicher Eindrücke belegt wird. Vielleicht ist das Wirken der ominösen Mitte ja einfach nicht so laut?
Ob Engagement der Kirchen für Flüchtlinge, mannigfaltige stille ehrenamtliche Tätigkeiten von Bürgern aller Couleur, Einstehen gegen die AfD auch seitens Konservativer wie Lübcke, Teilnahme breiter Schichten an Demos wie Unteilbar – überall sind Menschen der "Mitte" involviert.
Nicht zuletzt sind es unradikalisierte, bodenständige Lokalpolitiker, die im Direktkontakt mit denen, die hier auf Twitter vollmundig verdammt werden, bestehen müssen – und wahre Tapferkeit aufbringen, wo andere nur Hashtags absondern und Symposien mit ihresgleichen organisieren.
Was die so verstandenen "Mitte-Menschen" von den Loudmouths aus den Social Media und medienversierten Pressure Groups unterscheidet, ist, dass sie oft unter dem Radar der Aufmerksamkeitsökonomie segeln. Und vielleicht haben sie einfach so ihre Schwierigkeiten damit, sich
radikalisierter Sprache zu bedienen, sich in den Vordergrund zu spielen. Nicht jede(r) ist dafür gemacht, sich dröhnend in der Öffentlichkeit zu exponieren. Solche Menschen treten nicht als Dirigenten, sondern als Musiker eines Orchesters in Erscheinung. Würdigen wir auch sie.
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