ein shitstorm ist eine „online-empörungswelle“.
und GAR KEINE variante eines pogroms. #Nuhr
hier mal der versuch einer einordnung dieser aussage und ein vorschlag, warum man meiner meinung nach dagegen auftreten sollte und was ggf. tun kann.
ein #shitstorm zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass es eine loslöung vom ursprungsthema gibt und sich eine eigendynamik entwickelt.
wenn es in meinen workshops um den bereich „community-management“ geht, führe ich immer drei grundsätzliche auslöser für shitstorms an:
a) man ist quasi selbst schuld durch e. falsches versprechen, eine „mogelpackung“
b) man verhält sich ungeschickt
c) „pech“, weil man indirekt zum handkuss kommt
aber genau genommen auch
d) man initiiert so etwas selbst oder befeuert es, um medienaufmerksamkeit zu bekommen.
(d) kommt bei mir in workshops nicht vor, da unternehmen das nur in sehr seltenen fällen intiieren, weil es für eine marke i.a. sehr risikobehaftet ist. da muss man schon wissen, was man tut; nicht jeder ist benetton.
(d) funktioniert aber immer wieder gut bei künstlerInnen.
diese befeuerung kennen wir an genug beispielen; in sehr vielen fällen wird gerne am politisch konservativen/rechten rand damit agiert und man spielt gerne mit fragen der „political correctness“.
um noch mehr aufregung zu erhalten, wird auch gerne die dosis immer weiter erhöht.
damit das aber nicht nur negativ auf die eigene marke einzahlt, benötigt man einen gegenentwurf zum gesagten. und das funktioniert in diesem fall so:
1) man bringt zuerst einen unsäglichen vergleich, der – zu recht – bisher nicht gesagt wurde, zieht ihn durch einen vergleich auf ein „aber das kann ich natürlich schon verstehen“-niveau und relativiert damit den ersten vergleich.
zudem schafft man so etwas wie „verständnis“.
2) jetzt, wo der erste vergleich schon relativiert ist und ja auch „ausführlich erklärt und begründet“ wurde, muss man ja recht haben. ist ja auch „nachvollziehbar“.
3) alle anderen, die das nicht so sehen, sind gegen einen und man selbst ist in der opferposition.
(alternativ gibt es ja dann noch varianten der opferrollen; das ausweichen in die „ich bin kabarettistIn/satirikerIn/künstlerIn“-ecke und natürlich die beschwerden über etwaige „cancel culture“ und „zensur“.
kennen wir ja alles z.b. von a. gabalier, l. eckhart, f. schröder)
das wirklich beachtliche, dass ich dieter nuhr hier attestieren muss: einen shitstorm damit auslösen, dass man einen shitstorm mit einem pogrom gleichsetzt, ist schon eine kommunikative „leistung“ und könnte genau dieser spiegel sein, den man vorgibt vorzuhalten.
allerdings unterstelle ich ihm, dass das nicht seine intention war. es geht ihm #nicht darum, der gesellschaft irgendeinen „satirischen spiegel“ vorzuhalten.
das hätte er an vielen stellen schon auflösen können, aber er liefert nur ein plattes hinhauen auf minderheiten.
es geht nur auf kosten marginalisierter und diskriminierter menschen. er löst es nicht auf, um der gesellschaft zu zeigen „ihr seid ja so“.
das ist billig u. hat mit satire und kunst imho nur wenig gemein. denn bei satire geht es nicht darum, dass man alles sagen darf u. muss.
dieter nuhr geht es nicht um gesellschaftliche kritik.
nein, es geht um die #aufmerksamkeitsökonomie und darum, medienpräsenz zu erhalten. denn er #weiß ganz genau, welchen vergleich er hier anstellt.
er ist kabarettist u. lebt davon, passende worte zu finden.
warum bekommt er nun die zusätzliche aufmerksamkeit von mir in diesem thread?
weil es auch #grenzen gibt, die man benennen muss.
es muss nicht alles gesagt werden und
es muss auch nicht alles gesagt werden dürfen.
nein, ein shitstorm ist GAR KEINE variante eine pogroms.
der vergleich ist weder lustig, noch gut. und es kann auch kein „überspitzter satirischer vergleich“ sein.
man kann von einem pogrom betroffen sein, weil man einer gruppe von menschen angehört, nicht, weil man etwas durch eigenes handeln auslöst.
und von der – auch ihm bekannten – speziellen assoziation mit der judenverfolgung wollen wir noch gar nicht mal reden.
in einem shitstorm (auch wenn das persönlich und finanziell belastend sein kann bis hin zu bedrohungen), kann man sich rechtlich wehren und man bekommt ggf. auch medienöffentlichkeit, um die eigene meinung darzulegen.
nein, ein shitstorm ist GAR KEINE variante eine pogroms.
DARÜBER MUSS MAN NICHT DISKUTIEREN.
und zur frage: ok, was tun?
beschwerde beim #fernsehrat einreichen und fragen, wie es dem sender so geht, dass man das (vom einspruch des moderators abgesehen) redaktionell absegnet, sendet und unkommentiert stehen lässt.
infos dazu hier:
Share this Scrolly Tale with your friends.
A Scrolly Tale is a new way to read Twitter threads with a more visually immersive experience.
Discover more beautiful Scrolly Tales like this.
