Florian Aigner Profile picture
Physiker, Autor, Wissenschaftserklärer, Kolumnist. Jetzt auf bluesky aktiv - freue mich, dort von euch zu hören: @florianaigner.bsky.social, insta:aignerscience

Sep 29, 2020, 10 tweets

Ich stelle immer wieder fest, dass sich Leute mit Begriffen wie "Corona-Leugner" angegriffen fühlen, die damit überhaupt nicht gemeint waren. Das ist ein Problem. (Thread)

Wie bei jedem aktuellen Thema gibt es über die Corona-Pandemie verschiedene akzeptable Meinungen. Unter welchen Umständen ist ein Lockdown das kleinere Übel? Wo sollte man Masken tragen? Wann wird es eine Impfung geben? Darauf gibt es keine eindeutige bekannte Antwort.

Wer bei solchen Fragen eine Meinung vertritt, die nicht dem politischen Mainstream entspricht, darf natürlich nicht als "Esoteriker" oder "Corona-Leugner" angegriffen werden. Ich habe aber den Eindruck, dass viele Menschen genau solche Begriffe zu Unrecht auf sich beziehen.

Dann lese ich so etwas wie: "Nennt mich nicht Virenleugner! NIEMAND leugnet die Existenz des Virus, ABER man muss doch nicht allen Entscheidungen der Politik zustimmen!" Falsch: Erschreckend viele Leute leugnen die Existenz des Virus tatsächlich. Und genau um die geht es.

Die Wut im Bauch vieler wissenschaftlich denkender Menschen über sogenannte "Covidioten" kann man nur verstehen, wenn man sich ansieht, wie verrückt manche Theorien über Corona tatsächlich sind: Da gibt es Leute, die generell nicht an die Existenz von Viren glauben,

andere, die Impfungen für eine Methode halten, uns alle umzubringen, oder die Corona für eine Folge von 5G-Mobilfunknetzen halten. Das sind keine diskutablen Meinungen, das ist alles falsch, unmöglich, absurd und widerlegt. Und dagegen muss man vorgehen - auch mit harten Worten.

Das heißt aber nicht, dass sich davon dann Leute angesprochen fühlen sollen, die rational argumentieren, dabei aber vielleicht zu anderen Schlüssen kommen als die Mehrheit. Das ist ok! Leute - niemand greift euch an! Ihr dürft ungewöhnliche Ansichten haben, das ist gut so!

Wenn solche Leute dann zum Gegenschlag gegen das "wissenschaftliche Establishment" ausholen, das angeblich alle nicht-mainstream-Meinungen als Unsinn abtut, dann stellen sie sich selbst völlig unnötigerweise auf die Seite der Faktenleugner. Dafür gibt es keinen Grund.

Es geht nicht darum, ob man die politische Reaktion auf Corona zu 100% unterstützt, sondern ob man rational oder irrational mit dem Thema umgeht. Rational denkende Menschen sollten sich verbünden und eine klare Grenze zu den Virenleugnern und Impfgegnern ziehen.

Auch dann, wenn sie in manchen Punkten uneinig sind. Uneinigkeit über die politischen Konsequenzen, die man ziehen muss, ist in einer Demokratie völlig normal. Erwiesene Fakten leugnen hingegen nicht - und dagegen müssen wir uns gemeinsam wenden.

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