Ich muss mich entschuldigen: Vor ein paar Tagen habe ich mich über eine Umfrage der ZEIT zu Homöopathie aufgeregt und fühle mich jetzt schlecht denn ich war viel zu gnädig. Die ZEIT schadet damit anderen Medien - und sich selbst.👇
Kurzes Beispiel von heute: WER DENKEN SIE WIRD DIE US-WAHL GEWINNEN?
Klar, dass wirkt erstmal oberflächlich und Banane. Aber wir kennen ja die Fragen noch nicht. Ich habe mir also die Mühe gemacht und alle (wirklich alle!) Fragen der Umfrage auf einem Bild zusammengefasst.
Es ist eine Frage. Nur eine.
Okay, werdet ihr sagen, aber warum regt Bent sich denn so auf?
Die ZEIT suggeriert hier, sie würde sich für ihre Leser:innen interessieren. Klar: Sie fragen sie ja!
Worum es ihnen eigentlich geht, sieht man, wenn man an der Umfrage teilnimmt: Kundendaten :-)
Weil der wichtige Teil schnell übersehen wird, habe ich nochmal rangezoomt:
Ist halt unsexy direkt nach Kundendaten zu fragen. Also schnell ne Pseudo-Umfrage vorschalten, deren Ergebnisse sich kein Journalist jemals angucken wird.
Es ist also: Marketing. Wäre ja nicht schlimm, wenn die ZEIT dadurch nicht ernstgemeinte Umfragen mit Dreck bewerfen würde.
Umfragen wie diese hier vom @Tagesspiegel, um zu erfahren, was die Leser:innen von ihrem Journalismus erwarten. tagesspiegel.de/berlin/75-jahr…
Oder Umfragen, die als Recherche-Tool eingesetzt werden: Zum Beispiel bei uns @krautreporter, um herauszufinden, welche Fragen sich die Menschen zu einem Thema stellen: krautreporter-magazin.typeform.com/to/aLdJmCq1
Aber auch bei der ZEIT selbst. Als die Kinder wegen Corona auf einmal zuhause bleiben mussten, haben sie in einer Umfrage gefragt: Wie geht es euch damit? Was läuft gut, was nicht? Das sind super Fragen, denn die Antworten liefern einen echten Erkenntnisgewinn. Das Problem:
Zwischen ernstgemeinten Umfragen und Marketing-Pseudo-Umfragen kann niemand unterscheiden! Sie sehen gleich aus. Die Leser:innen fühlen sich ernstgenommen, bekommen dann aber eine halbgare, völlig egale Frage hingeworfen.
Die ZEIT wird so zu einem Askhole: Sie fragen - aber wollen gar nichts erfahren. Wenn das Überhand gewinnt, machen immer weniger Menschen bei Umfragen mit. Ein mächtiges, journalistisches Tool wird so zu einem Symbol für billige Datenbeschaffung.
Wann sollte die ZEIT mit diesen Marketing-Umfragen aufhören?
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