Robert Fietzke Profile picture
Sozialarbeiter · Leitung Soziokulturelles Zentrum ZORA e.V. Halberstadt · Lehre an der Hochschule Magdeburg · Stadtrat in Magdeburg für DIE LINKE · Antifaschist

Jan 7, 2021, 10 tweets

Wesensmerkmal aller faschistischen Bewegungen ist die permanente Mobilisierung. Von Stimmungen, Emotionen, Hass und letztlich Gewalt. Bricht die Mobilisierung ein, wird den Anhängern langweilig und der Reiz der Bewegung geht verloren. Deswegen kennt sie kein Ende. (Thread)

Jede faschistische Bewegung lebt davon, jedes noch verbliebene Tabu anzugreifen, jedes Symbol der Demokratie zu schleifen, jeden Feind zu bekämpfen. Das hält die Anhängerschaft bei Laune und übt einen Sog-Effekt auf andere aus, die noch Bedenken haben, sich anzuschließen. (1)

Die Zwangsläufigkeit der permanenten Mobilisierung der Anhängerschaft bringt gleichzeitig eine permanente Radikalisierung mit sich, die ebenfalls kein Ende kennt & vor keinem einzigen zivilisatorischen Tabu halt macht. Faschismus bedeutet, dass der Weg gleichzeitig Ziel ist. (3)

Aus Abschiebe-Forderungen gegen Einzelne werden Ausweisungs-Forderungen gegen Kollektive, aus "Lügenpresse"-Rufen gewalttägige Angriffe gegen Journalist*innen, aus Worten werden zwangsläufig Taten. Faschismus braucht nicht nur die Propaganda der Tat, sondern ihren Vollzug. (4)

Der faschistische Forderungskatalog kennt kein Ende, denn es geht nicht um die Erfüllung von politischen Forderungen. Es geht um die vollständige Umwälzung der alten Ordnung, den gemeinsamen Weg des Gewalt, die Generalabrechnung mit der Demokratie. Es geht um Entfesselung. (5)

Deswegen ist eine Politik, die Forderungen von Faschisten erfüllt, um diese zu "besänftigen" oder zu "zähmen", nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern auch Zubringerin. Es ist wichtig, zu verstehen, dass die Dynamik des Faschismus darin besteht, immer in eine neue Phase (6)

einzutreten. Wer das verstanden hat, ist nicht verwundert, über die Bilder aus #WashingtonDC, denn sie haben sich bereits vor vier Jahren in den Grundzügen der #Trump'schen Agitation und des Zustandekommens seiner Wahl gezeigt. Wer Faschismus wirklich etwas entgegensetzen (7)

möchte, muss die Aktionsräume von Faschisten radikal einschränken, also sie auf allen Ebenen des öffentlich-gesellschaftlichen Lebens bekämpfen, aber auch in den politischen Diskursen. Die Formel vom "Keinen Millimeter nach Rechts" ist sehr richtig, weil sie erkannt hat, dass (8)

jeder Millimeter, den eine faschistische Bewegung an Boden gut macht, einer zu viel sein könnte, denn Faschismus braucht die ständige Erwartung des Endkampfes. Dieses Szenario scheint in den USA begonnen zu haben, ganz real und ganz konkret, und es ist nur eine Frage der Zeit (9)

bis die extrem rechten Kräfte, die sich hier in den letzten Jahrzehnten weitestgehend ungestört organisieren und bewaffnen konnten, es auch hierzulande forcieren werden. Die Test-Ballons aus 2020 sind noch in guter Erinnerung - Und die Reaktion des Staates darauf ebenso. (10)

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