Dr. Christian Winter Profile picture
Arzt mit seiner privaten Meinung.

Jun 30, 2021, 14 tweets

Ich möchte einen Drauflegen: Die Bundesregierung ist in allen Belangen schlecht informiert.
1/
Psyche, Infektion, Long-Covid: So wenig weiß die Regierung über Kinder in der Pandemie spiegel.de/wissenschaft/m… via @derspiegel

Sie weiß nicht, wie viele Menschen tatsächlich wegen Covid oder mit Covid auf der Intensivstation/im Krankenhaus liegen. Das kann man für irrelevant halten, ist es aber nicht: Wer mit Blinddarmentzündung im Kkh liegt und auch noch einen pos. Test hat, ist kein Covid-Patient. 2/

Sie weiß nach wie vor nicht. wo sich Menschen infizieren. Angeblich klappt ja Kontaktverfolgung problemlos ab Inzidenz<50. Wir sind jetzt seit einiger Zeit <10, die Aufklärungsquote ist kein bisschen besser geworden. 3/

Zig Forscher laden sich die Taschen voll mit Kita- und Schulstudien. Kennen Sie eine relevante Studie zu Arbeitsplätzen? Nein? Ich auch nicht. 4/

Die Bundesregierung hat nach wie vor keine Ahnung, welche Maßnahme eigentlich genau was bringt. Nach 1,5 Jahren. Die beratenden Forscher auch scheinbar nicht. Gestern versteht ein Mitglied der GfV den Unterschied zwischen Meldung und Krankheit nicht. Nach 1,5 Jahren ist 5/

unbekannt, dass es Menschen gibt, die keinerlei Symptome entwicklen. Beratern & Politikern. Abgesehen davon, dass das viele Kinder betrifft, gibt es das auch unter Erwachsenen. Forschung dazu? Fehlanzeige. 6/

So ungern Sie das hören, aber: Der Zusammenhang zwischen Meldeinzidenz und Hospitalisierung ist wackeliger, als Sie denken: Ja klar: Je mehr pos. Getestete, desto höher die WS, im Kkh zu landen. Aber: Wir hatten zu jedem Zeitpunkt eine Dunkelziffer. 7/

Leider war die Dunkelziffer ständig unterschiedlich groß, weil die Teststrategie ständig geändert wurde. Damit sind Hochrechnungen und Vorhersagen nicht linear. Hinzu kommt die Frage, ob nnicht Alter der Infizierten ein sehr relevanter Faktor in der Prognose sein muss. 8/

Von der Public Health-Frage, wie groß Nutzen und Schaden einer Maßnahme ist, mal ganz abgesehen. Das ist nicht trivial, es wird aber nichtmal erörtert. Ich sag es mal sehr deutlich: Wer das Wohlbefinden von Kindern auch nur leicht ankratzt, sollte einen guten Grund haben. 9/

Die Ahnungslosigkeit der Politiker und Behörden manifestiert sich in den Forschungsausschreibungen: Modellierer und Kita/Schulstudien werden gefördert. Letztere aber dann schlussendlich einfach doch ignoriert. 10/

Es wurde eine longcovid-Studie zu Kindern gefördert. Mit dem Ergebnis, dass es wesentlich psychosomatisch ist. Das deckt sich mit aller rel. int. Forschung zu dem Thema. Konsequenz daraus? Keine. Kretschmann & Spahn drohen einfach weiter mit Wechselunterricht. 11/

Was alles nicht gefördert wird: Studien zu effizienten und menschenfreundlichen Maßnahmen (Stichwort Tübingen-Studie, musste abgebrochen werden). Neben Schnelltests aber auch Studien zu den neg. Konsequenzen von lockdowns. Für Arbeitnehmer, Eltern, Alte, Kinder. 12/

Es gibt einen Grund, warum generelle oder gruppenspezifische Lockdowns in Forschung und Lehre zu Public Health nur im äußersten Notfall kurzzeitig einzusetzende Maßnahme in Pandemien sind. Systematisch wird Forschung zu den neg. Konsequenzen verhindert. 13/

Wer die eine Seite systematisch nicht sehen will (Schaden von Maßnahmen) und auf der anderen Seite im Nebel stochert (Messung von Inzidenz, Hospitalisierung, Tod) und dabei noch sichere Erkenntnisse (Mini-Gefahr in Kita zB) ignoriert, der wird keine vernünftigen Urteile fällen.

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