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Jan 2, 2022, 11 tweets

Ab heute kann das antivirale #Molnupiravir-haltige Präparat #Lagevrio der Firma MSD zur gezielten Behandlung Covid-19-Erkrankter ärztlich verordnet werden. Damit steht das erste oral einzunehmende Mediment gegen Covid im ambulanten Bereich zur Verfügung. Was kann es? 🧵 1/11

Zuerst: DasArzneimittel ist hinsichtlich seiner pharmazeutischen Qualität, Wirksamkeit und
Sicherheit noch nicht vollständig geprüft und noch nicht durch die Europäische
Arzneimittelbehörde (EMA) oder das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
(BfArM) zugelassen.2/11

Die Einnahme von Lagevrio muss innerhalb von 5 Tagen nach dem Einsetzen von COVID-19 Symptomen beginnen. Man nimmt vier 200 mg Kapseln (insgesamt 800 mg), jeweils morgens und abends an 5 aufeinanderfolgenden Tagen ein. 3/11

Lt. Studie reduzierte #Molnupiravir das Risiko einer Hospitalisierung oder des Todes von 9,7 Prozent in der Placebo-Gruppe auf 6,8 Prozent in der Molnupiravir-Gruppe, was einer relativen Risikoreduktion von 30 % entspricht. 4/11
nejm.org/doi/full/10.10…

Neun Todesfälle wurden in der Placebo- und einer in der Molnupiravir-Gruppe gemeldet. Das sind keine überragenden Ergebnisse, aber die Wirksamkeit ist signifikant. Indiziert ist die Behandlung bei nicht beatmungspflichtigen Covid-19-Patienten, die ein erhöhtes Risiko haben. 5/11

Molnupiravir wirkt fetotoxisch. Daher darf Lagevrio nicht in der Schwangerschaft und bei gebärfähigen Frauen, die keine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden, angewendet werden. Männer sollten während der Behandlung mit Lagevrio und für 3 Monate danach kein Kind zeugen. 6/11

Ein weiteres Risiko, das nicht nur die behandelten Patienten betrifft, ist die Mutagenität von Molnu­piravir. Sie ergibt sich aus dem Wirkungsmechanismus. Das orale Prodrug Molnupiravir wird nach der Umwandlung in N-hydroxycytidine (NHC) zu NHC-TP phosphoryliert. 7/11

NHC-TP wird von der RNA-Polymera­se des Virus als „falscher“ Baustein akzeptiert. Aufgrund einer chemischen Besonderheit kann NHC-TP sowohl als Uracil-TP als auch als Cytosin-TP in die Virus-RNA eingebaut werden. Dort entstehen Kopierfehler, Fähigkeit von Sars-CoV-2 ... 8/11

zur Replikation behindern. Eine mögliche Folge von Kopierfehlern könnte die Entstehung von neuen Virusvarianten sein, mit denen die Patienten dann möglicherweise andere Menschen infizieren. Dies sind bisher nur theoretische Beden­ken. 9/11

Untersuchungen an Zellen deuten auf ein Risiko hin, dass Molnupiravir Mutationen in der menschlichen DNA hervorruft, insbesondere in sich schnell reproduzierenden Zellen wie Blutzellen oder Spermien. Tests an Tieren zeigten aber, dass dieses Risiko gering ist. 10/11

Als Alternative wird demnächst das antiviral wirksame Paxlovid auf den Markt kommen, das die Zahl der Krankenhausaufenthalte und Todesfälle um 89 Prozent reduzieren soll. Der Wirkmechanismus von Paxlovid unterscheidet sich von dem von Molnupiravir. 11/11
pfizer.com/news/press-rel…

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