Gedanken zu #CO2Steuer und #Klimageld: Ist CO2-Bepreisung ein ausreichendes Instrument zur Emissionsreduktion, auch wenn noch CO2-neutrale Konsumalternativen fehlen? Schafft Klimageld da sozialen Ausgleich?
Nach Herumspielen mit einem einfachen Modell habe ich Zweifel. 1|11
Die Grundfrage ist hier: welcher CO2-Preis wäre denn eigentlich nötig, damit die Menschen ihren Gesamtkonsum auf X reduzieren? Das ist schwer zu sagen, da ein gewisses CO2-Grundpensum derzeit lebensnotwendig scheint und man nicht einfach auf andere Produkte ausweichen kann. 2|11
Einfachstes Modell dazu: vom verfügbaren Einkommen M gibt jeder einen konstanten Teil r*M für CO2-behafteten Konsum aus, die Menge regelt der Preis. Sinkt die Menge aber unter eine Schmerzschwelle V0, ist man bereit, bis zu M dafür auszugeben. 3|11
Je nach persönlicher Schwelle & Einkommen bilden sich dann “Plateaus der Not” aus (s. linke Seite), bis das Geld ausgeht und weniger Konsum erzwungen wird. Empirische Werte für V0 habe ich nicht, daher mal hier pauschal geraten für 3 Einkommen (Perzentile <50, 50-90, >90). 4|11
Also bitte nicht an den konkreten Preisen / Werten aufhängen, das soll eine qualitative Betrachtung der Effekte sein. Ich habe mir grob die oxfam-Emissionen verschiedener Einkommen angesehen und den Gesamtverbrauch daran orientiert. 5|11
Nun fällt auf: um den Gesamtverbrauch genügend zu senken (<3Gt in wenigen Jahren), muss man ganz schön weit den Preis erhöhen. Während die reiche Gruppe noch ihre Reserven nutzt, fällt die ärmste bereits unter 2t CO2/y. Das ist politisch & sozial nicht durchzuhalten. 6|11
Also muss ein Ausgleich her. Was passiert, wenn die CO2-Abgabe pro Kopf monatlich rückerstattet wird? Im ersten Monat ändert das erst mal nichts (rechte Plots bei T=1), aber im nächsten (T=2) Monat wird es für zusätzliches CO2 ausgegeben (hier mangels Alternative). 7|11
Je länger das Rückerstattungs-Spiel geht (T>>2), desto mehr Geld steht den ärmeren zur Erreichung ihres Plateaus zur Verfügung, und ihr Verbrauch stabilisiert sich, während der der reicheren sinkt. Es gibt soziale Annäherung, so weit so gut. 8|11
Leider erhöht sich auch der Preis, der zur Reduktion der Verbräuche nötig ist. Je mehr Geld in die Rückerstattung geht, desto mehr steht zur Kompensation zur Verfügung. Letztlich konvergiert der Verbrauch aller Parteien auf die unterste Schwelle. Weitere Senkung unmöglich. 9|11
Was haben wir also erreicht? Die Preise steigen enorm, der individuelle Verbrauch ist für alle gleich, sinkt dabei aber nie unter die niedrigste persönliche Schwelle. Das ist nicht anders als bei einer Rationierung, nur komplexer, unflexibler und leichter zu missbrauchen. 10|11
Ist das plausibel, oder habe ich etwas wichtiges übersehen? Viele würden argumentieren, dass bei genügend hohem Preis Alternativen gekauft werden. Aber was, wenn diese einfach nicht so schnell in der Menge zur Verfügung stehen? Mein Eindruck: Rationierung ist einfacher. 11|11
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