Philippe Wampfler Profile picture
Lehrer, Dozent für Fachdidaktik Deutsch und Referent. Zürich. Er/He. Originalcontent auf dem Blog, Mastodon oder Bluesky. #GernPerDu

Jun 7, 2022, 13 tweets

Das Interview mit Andrea Franc und der Umgang damit ist ein Lehrstück für das Versagen des Schweizer Qualitätsjournalismus. 🧵

(1/11)
Andrea Franc ist Historikerin, die mehrmals Aufträge für »economiesuisse« durchgeführt hat. Der Wirtschaftsverband hat ihr die Publikation einer Monografie mit Übersetzung ermöglicht.
dg.philhist.unibas.ch/de/personen/an…

(2/11)
»economiesuisse« fordert seit über 10 Jahren, die Schweizer Hochschulen sollten sich stärker am Arbeitsmarkt ausrichten und dazu z.B. Studiengebühren erhöhen (indem sie z.B. lohnabhängig oder rückzahlbar gestaltet werden).

(3/11)
Franc hat diese Forderung, verpackt als Kritik an Geisteswissenschaft, schon mehrmals vorgebracht:
Im März 2021 im @SchweizerMonat, im September 2021
in der @NZZaS.
Grundlage war immer eine unsaubere Lektüre einer Bundesstatistik.

(4/11)
Im Mai 2022 erscheinen dieselben Thesen in einem prominent plätzierten Interview in der NZZ, geführt durch @NeuhausC und Katharina Fontana. Online wurde Franc zunächst fälschlicherweise als Professorin bezeichnet.

(5/11)
Zusammenfassung: Eine Dozentin trägt die Forderungen eines Wirtschaftsverbands, für den sie gearbeitet hat, in die Medien. Sie hat dazu keine Expertise, sondern berichtet selektiv aus einer statistischen Erhebung.

(6/11)
Das NZZ-Interview schlägt Wellen. In der NZZ erscheint eine Replik des Dekans der Uni Luzern.
nzz.ch/schweiz/brutal…

(7/11)
Studierende empören sich, das Thema kommt im Boulevard an.
(1) 20min.ch/story/uni-doze…
(2) watson.ch/schweiz/wirtsc…

(8/11)
Auch der Tages-Anzeiger springt auf und publiziert einen »Faktenscheck«.
tagesanzeiger.ch/finanzieren-wi…

(9/11)
Kurz: Die Forderung erhält maximale Reichweite. Die Thesen »faule Studierende in Geisteswissenschaften« und »fehlende Rentabilität bestimmter Studiengänge« können mehrmals wiederholt werden.
Der Zusammenhang mit »economiesuisse« findet nur einmal ganz am Rand Erwähnung.

(10/11)
Was wäre meine Forderung?
Das Interview hätte nie erscheinen dürfen, schon gar nicht in der NZZ. Franc hat auf diesem Forschungsgebiet schlicht keine Expertise. Wenn eine Redaktion versagt, müssen die anderen darauf hinweisen.

(11/11)
Hier wurde aber so getan, als wäre das eine ernsthafte Diskussion und nicht PR für politische Forderungen eines Wirtschaftsverbands.

(Zusatz) Vieles steht schon hier, leider zu spät entdeckt:

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