Ich fasse im folgenden 🧵mal 7 Gründe zusammen, warum gerade der linksliberale Mainstream zu den eifrigsten Befürwortern der Coronamaßnahmen zählt. Zum Schluss folgt eine politikstrategische Überlegung, wie man die Front der Coronamaßnahmen-Befürworter ankratzen könnte.
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1. Autoritäres Vakuum: Linke lehnen klassische Autoritäten ab. Jedoch haben sie den Sprung zum Anarchismus nicht vollzogen und sehnen sich nach Autorität. Das Vakuum, das das Schwinden der Autoritäten zur Folge hat, wird mit "der Wissenschaft" und Expertentum gefüllt.
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2. Gesinnungsethik statt Verantwortungsethik: Linke glauben, dass die richtige moralische Haltung sie davon entbindet, über die konkreten, realen, nicht immer vorhersehbaren Folgen ihrer Vorschläge nachzudenken oder deren Effektivität zu bewerten.
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Oft bleibt dann, wie bisweilen in der Sozialpolitik, nur Symbolpolitik übrig. Kosten und Nutzen von Lockdowns, Impfungen oder Maskenpflicht werden nicht abgewogen, weil diese durch die korrekte Haltung legitimiert werden.
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3. Areligiosität: Linke glauben nicht mehr an Religion, aber die Hoffnung auf Erlösung ist trotzdem noch tief in ihnen verwurzelt. Bei klassischen Linken sollte der Messias noch in Gestalt der Revolution kommen. Heutige Linke hoffen auf Erlösung durch den Staat.
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4. Ablehnung von Traditionellem: Linke neigen dazu, alles abzulehnen, was sich über längere Zeit ohne rationale Planung entwickelt hat. Analog zu kulturellen Traditionen ist das Immunsystem etwas, das ohne Planung evolutionär entstanden ist.
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Auch unsere jahrtausendealte Erfahrung mit Atemwegsviren spielt keine Rolle mehr. Stattdessen Bewunderung für die neuartige Impfung, die in Rekordzeit vom menschlichen Verstand entwickelt wurde, um unseren Umgang mit Atemwegsinfektionen zu revolutionieren.
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5. Falsche Assoziationen: Der Begriff Coronaleugner ist wie der AIDS- und Klimaleugner vom Holocaustleugner abgeleitet. Letzterer ist das personifizierte Böse, weshalb es ein Leichtes ist, mit dem Suffix "Leugner" und jedem beliebigem austauschbarem Präfix
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eine falsche Assoziation zum Holocaustleugner herzustellen. Ein perfekter Trick, um jede unliebsame Kritik als absolut böse zu framen. Und mit dem Bösen diskutiert man nicht, man cancelt es und ist moralisch so überlegen, dass der Gegner im besten Fall nur "Schwurbler" ist.
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6. Solidarität als Buzzwort: Das Wort Solidarität erinnert an die Tradition der Arbeiterbewegung und triggert direkt entsprechende linke Emotionen, ohne den mühsamen Umweg über den Verstand. Das Wort Solidarität ist der Gegensatz zum "Egoismus" des politischen Gegners.
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7. Die kontingente Bildung von Antagonismen: Hier wird es soziologisch: Die von mir erwähnten Elemente 1-6 mögen aktuell als feste Teile eines linken Narativs erscheinen, wurden aber in Bezug auf Corona erst im Laufe des Diskurses fixiert.
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Anfangs waren es ja die Rechten, die vor Corona warnten und die Linken, die diese Warnungen als Auswuchs fremdenfeindlicher Panikmache abtaten. Theoretisch ließe sich vorstellen, dass eine andere linke Erzählung entstanden wäre:
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Big Pharma und der autoritäre Staat wollen Gewinne scheffeln und uns kontrollieren, gleichzeitig Angst vor dem Fremden schüren, weshalb Widerstand gegen das Corona-Regime als links erschiene. Diskurse sind also nicht notwendig so, wie sie aktuell erscheinen -
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die Momente jedes Diskurses sind kontingent, wie die Soziologen das nennen: Sie könnten auch anders zusammengefügt werden. Eine Möglichkeit dazu wäre, die Fixierung der Bedeutungen aufzulösen, indem man sie irritiert,
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z. B. durch linke Symbolik oder Anschluss an den Mainstream bei Coronademos: Warum nicht Rage against the Machine spielen statt Robin Schulz? "Fuck you I want do what you tell me" statt "Meine Puffmutter heißt Layla"! Warum nicht Ukraine- statt Russlandflaggen schwenken?
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Warum nicht Regenbogen- statt Deutschlandfahnen? All das setzt natürlich eine Strategie, ein Bewusstsein für politische Symbolik und, ja, auch ein gewisses Durchgreifen auf Demos voraus. Ansonsten wird man jedoch ewig in der Schwurblerecke hocken.
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