Anpassungsfähigkeit der Menschheit – oder: der Rest stirbt aus🧵☠️
Da diese Woche auch noch im ÖRR sehr viel unwissenschaftlicher Blödsinn verbreitet wurde: Nein, es ist weder irgendwie zwangsläufig so, dass wir uns anpassen, noch, dass wir überleben. Aber der Reihe nach. 1/13
Wir (homo sapiens) sind die einzigen Überlebenden der Gattung homo. Das war die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte NICHT so, es gab mehrere Menschenarten.
Der ganze Rest unserer nahen Verwandschaft ist schon ausgestorben! ☠️2/
Homo erectus, homo neanderthalensis, homo floresiensis etc. – alle nicht mehr da! Wir wissen nicht mal genau, warum wir noch da sind und die Neandertaler, die einzige in Europa entstandene Menschenart, nicht mehr. Es gibt mehrere Theorien, aber es weiß keiner genau. 3/
Es ist also durchaus möglich, dass es uns genau so geht – wir haben bisher einfach Glück gehabt und denken in unserer Hybris, dass das so weitergehen muss, weil es bisher geklappt hat…
💀☠️Ich glaube, das nennt man Survivership-Bias. (Ist doch bisher gut gegangen…) 4/
Ja, wir sind Meister der Anpassung, wir haben es bis hierher geschafft.
Selbst wenn wir nicht als Art aussterben: Es gab zu keinem Zeitpunkt so viele Menschen gleichzeitig wie jetzt: Wenn Lebensräume unbewohnbar werden, kam es schon immer zu lokalen Aussterbeereignissen… 5/
Das kann a) nicht unser Ernst sein, das einfach hinzunehmen und b) selbst wenn wir so zynisch handeln – meint ihr im Ernst, die Betroffenen werden es hinnehmen und still und leise vor sich hinsterben? Das ist nicht nur unethisch, sondern schlicht naiv! 6/
Die Menschheit war bisher halbwegs robust, bisherige (Hoch-)kulturen waren es nicht. Fragt uns mal, wir sind auf sowas spezialisiert.
Die meisten materiellen Hinterlassenschaften gehören zu Menschen, deren Gedankenwelt heute verloren ist: der Vorgeschichte. 7/
Wir wissen nicht, was die Erbauer:innen von Stonehenge gedacht haben, wir können uns dem nähern, aber viele Dinge, die zu ihrer Kultur gehört haben müssen, sind unwiederbringlich verloren. Und das ist mit jeder einzelnen archäologischen Kultur so: 8/
Was wir haben, sind die materiellen Hinterlassenschaften. Wir wissen nur sehr rudimentär, was die Leute dachten, woran sie glaubten und auch nur solche basalen Dinge, wie sie sich nannten. Die Menschheit hat es überlebt, diese Kulturen aber nicht. 9/
Bei den Kulturen mit Schrift haben wir noch eine gewisse Überlieferung. Deswegen basiert unsere Kultur so stark auf der römisch-griechischen Antike (und dem Christentum - ob Euch das passt oder nicht, ist Euer Bier, ist aber nicht wegzudisktuieren). Aber auch da: 11/
Die griechischen Stadtstaaten, das römische Reich – all das existiert nicht mehr. Es gibt keine römischen Kaiser, keine Pharaonen und keine attische Demokratie mehr. Das alles ist untergegangen. Warum sollte es mit unserer eigenen Hochkultur anders sein als mit denen davor? 12/
Deswegen: Kulturen überleben solange, wie sie ihr Verhalten adaptieren und Probleme nicht einfach ignorieren. Noch können wir dafür sorgen, dass wir nicht irgendwann auch in der Geschichte oder der Vorgeschichte verschwinden. 13/13
Und da ich nicht die einzige bin, die sich dazu gedanken gemacht hat: Danke für die Inspiration und hier die Threads von @juttazerres :
... und @jens2go
Gerne beteiligen, liebes #archaeotwitter
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