Lars Winkelsdorf Profile picture
Journalist und Waffensachverständiger, #CSI-Medien, Mitbegründer des #poolpack, hier privat unterwegs. jetzt auch unter https://t.co/7nkpeKfORl

Mar 9, 2023, 15 tweets

Nehmen wir mal an, der Auftrag für eine Sprengung der Ostsee-Pipelines ginge an mich

Dann muss ich erstmal gucken und überlegen: Wie mache ich sowas und was soll bei der Nummer hintenraus eigentlich erzielt werden. 1/x

erstmal muss also klar sein, ob die dauerhaft vernichtet werden soll oder nur eine vorübergehende Störung gewünscht ist

Daran orientiert sich ja, wie diese Aufgabe überhaupt zu erfüllen sein wird.

Ersteres wäre ja relativ einfach zu machen. 2/x

dann nehmen wir mal an, dass im Ergebnis eine Sprengung in 80 Meter Wassertiefe der Weg der Wahl wäre, also quasi die komplizierteste Variante

Ziel ist dann ein Stahlrohr mit mehreren Zentimetern Wandstärke und eine Betonschicht darüber.

Schonmal nicht so ohne 3/x

da komm ich an den Punkt, wo ich Sprengstoff brauche, ist sonnenklar, mit der Säge wird das nix

Pro Sprengung so um und bei 500 bis 700 Kilo TNT-Äquivalent, sind bei 4 Ladungen also irgendwas um die 2000 bis 2800 Kilo

Nun wirds interessant: 4/x

Nun muss ich überlegen:

Was nehm ich dafür für einen Sprengstoff?

Plastiksprengstoff sind so für ein Kilo auf dem Schwarzmarkt um die 12.000 bis 15.000 Euro. 5/x

Klar, gibt potenteres Zeugs, mit sowas werden Kernwaffen ausgelöst, haben so bis zu 30% mehr Wumms und entsprechend geringer ist die Menge - ist dann aber deutlich teurer und noch schwerer zu besorgen 6/x

abgesehen davon:

Wenn ich 2022 eine Tonne Octol bestelle, kommt da kein Sprengstoff, da kommt ein israelisches Killerkommando zu Besuch, weil die an den Iran und Kernwaffen denken

Ist vielleicht nicht soooo schlau 7/x

Selbstgemixt irgendwas wie ANFO ist auf See jetzt auch nicht wirklich zielführend und bei der Detonationsgeschwindigkeit brauchts da auch gleich mal die doppelte Menge, können wir also direkt streichen 8/x

Also latsch ich zum Schwarzmarkthändler meines Vertrauens und sage da als Kommandoführer:

"Bruno, ich brauch mal 2 Tonnen irgendwas mit ordentlich Krawumms"

Dann latscht Bruno zu seinem unsichtbaren Wandsafe und legt unsichtbare Pakete auf den Tisch. 9/x

und wenn ich dann Bruno frage, ob der mich verarschen will, kommt furztrocken:

"Wer hat denn angefangen damit?"

Weil es solche Angebote NICHT GIBT.

Macht niemand, weils niemand kauft, liegt 100 Jahre im Lager, ist totes Kapital und nur Risiko. 10/x

Wenn da nicht zufällig einer vorbeikommt, weil er die Regierung im Libanon wegpusten will, macht der im Leben kein Geschäft, also wird das schlicht nicht in solchen Mengen angeboten

Muss also besorgt werden, extra im Auftrag dafür 11/x

Und da kommen NUR staatliche Stellen in Betracht, solche Mengen beschaffen zu können

Da brauchts also irgendwelche Connecis, sowas kann man auch nicht mal eben mopsen irgendwo, da wäre faktisch Mutter aller Großalarme los 12/x

Also völlig egal, in welche Richtung man so einen Stunt wendet oder dreht, ohne Kenntnis von Behörden funktioniert das schonmal zweifelsfrei nicht

Aber nehmen wir mal an, dass man das Problem gelöst kriegt und die schmieren kann: 13/x

dann bleibt man faktisch immer noch bei dem Preis für solches Zeug und dem Kostenaufwand für die Beschaffung

Und DA brauchts dann einen Sponsor, der für das Zeug irgendwas zwischen 10 und 30 Mio Euro auf den Tisch gelegt hat, je nach Bezugsquelle 14/x

als "private Initiative" ist sowas also mal schlicht nicht vorstellbar

Ich würde bei dem Auftrag also klar kommunizieren:

"Diggi, bemannte Mondlandung mach ich dir einfacher!"

Fällt schlicht aus wegen Isnicht. 15/15

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