Das #Wachstumschancengesetz ist nicht nur im Volumen zu gering um eine relevante Wirkung zu entfalten (0,2% des BIP). Es scheitert auch an einer falschen Problemanalyse. #Kindergrundsicherung bringt mehr Wachstum.🧵 1/29
Ich widerspreche hier unter Anderem auch @Lars_Feld, der einen Tag vor der ursprünglich geplanten Kabinettsbefassung in der @FAZ_Wirtschaft erklärte, warum die Änderungen von #SPD und #Gruenen falsch seien und der Entwurf des @BMF_Bund besser war. 2/29 faz.net/aktuell/wirtsc…
Das BMF hatte im ursprünglichen Entwurf den Großteil der Maßnahmen so angelegt, dass sie zwar die Liquidität der Unternehmen bzw. einiger Unternehmen erhöhen, aber im Kern nichts an der Profitabilität neuer Investitionen ändern. 3/29
Das trifft vor allem auf die Veränderungen bei der Verlustverrechnung zu, die mit 3.150 Millionen annähernd die Hälfte des gesamten Volumens des Gesetzes ausmachen sollten. Auf die Investitionsprämie sollten hingegen nur 390 Millionen entfallen. 4/29
Unternehmen investieren, wenn sie damit rechnen, dass sich eine Investition auszahlt. Reine Liquidität, die aber die Investition nicht profitabler macht hat diesen Effekt nicht. Dann muss es Unvollkommenheiten auf dem Kapitalmarkt geben, die aber natürlich existieren. 5/29
Unternehmen, die keinen Kredit bekommen sind sogar vom Cash Flow abhängig, aber das sind nur wenige. Bei anderen haben wir einen indirekten Effekt insofern als das mehr Eigenkapital dazu beiträgt ihre Kreditwürdigkeit zu erhöhen und die Kreditkosten zu senken. 6/29
Liquiditätsmaßnahmen können also insofern helfen als sie Finanzierungsprobleme der Unternehmen adressieren. Die empirische Frage ist also: Ist es der beschränkte Zugang zu Finanzmitteln, der die Unternehmen in ihren Investitionen derzeit deutlich einschränkt? 7/29
Hierzu gibt es Daten. Beispielsweise befragt die EZB Unternehmen in der Eurozone wie ihr Zugang zu Finanzierung aussieht. Fragt man die Unternehmen der Eurozone nach ihren Hauptproblemen ergibt sich folgendes Bild: 8/29
Die EZB schreibt dazu: „Enterprises of all sizes reported that the lack of skilled labour and rising input costs were the major concerns for their business activity, while access to finance remained among the least-reported major concerns“ 9/29 ecb.europa.eu/stats/accessto…
Firmen, die auf Bankkredite angewiesen sind haben ebenfalls, und vor allem in Deutschland, keine größeren Probleme diese auch zu erhalten. Insgesamt enthält die Befragung noch viele andere interessante Details, aber es drängt sich insgesamt ein Eindruck auf: 10/29
Die Finanzierungsbedingungen verschlechtern sich fast nur über die Finanzierungskosten (steigende Zinsen). Das lahmende Kreditwachstum ist daher nicht darauf zurückzuführen, dass Banken keine Kredite anbieten, sondern, dass Firmen weniger Kredite nachfragen. 11/29
Das ist der intendierte Effekt der Geldpolitik. Der höhere Zins sorgt dafür, dass der Gegenwartswert von Investitionen sinkt und daher weniger investiert wird. Es passt also voll zu der Priorität von #Lindner: Bekämpfung der Inflation statt Wachstum. 12/29 br.de/nachrichten/de…
Auch die Bilanzstatistik der deutschen Bundesbank spricht die gleiche Sprache, ist aber leider aktuell nur bis zum Jahr 2021 verfügbar. Es ist auffallend, dass die deutschen Unternehmen selbst in den Jahren der Pandemie ihre Liquiditätslage verbessern konnten. 13/29
Der Liquiditätsgrad stieg ebenso wie die Eigenmittel. Der Verschuldungsgrad ist gesunken. Die Innenfinanzierung überstieg die Bruttoinvestitionen und die Unternehmen bildeten sogar mehr und mehr Geldvermögen. 14/29 bundesbank.de/resource/blob/…
Die makroökonomischen Daten 2022 zeigen keine signifikante Verschlechterung. In den Sektorkonten der VGR weiterhin gute und stabile Gewinne und der Unternehmenssektor insgesamt hat einen positiven Finanzierungssaldo. 15/29
Normalerweise lernt man ja im VWL-Studium, dass Haushalte sparen und Unternehmen sich verschulden. In Deutschland sparen aber die Unternehmen im Aggregat (Deutschland hat insgesamt einen positiven Finanzierungssaldo = Exportüberschuss). 16/29
@gaborsteingart schrieb im Spiegel zur #Kindergrundsicherung : „Der deutsche Sozialstaat hat viele Probleme. Der Mangel an Geld gehört nicht dazu.“ Abgewandelt passt es besser: „Die deutsche Wirtschaft hat viele Probleme. Der Mangel an Geld gehört nicht dazu.“ 17/29
Auch die Stückgewinne sind in Deutschland in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Lohnstückkosten. Ich möchte hier und jetzt nicht in die Debatte um #greedflation einsteigen, aber zumindest temporär scheint die Profitabilität zu steigen. 18/29 ecb.europa.eu/pub/economic-b…
Feld kritisiert, dass die degressive Abschreibung nur einen Liquiditätseffekt darstelle. Das ist richtig, ist bei einer verbesserten #Verlustverrechnung aber genauso. Mit dem Unterschied, dass die Abschreibung eine #Investition voraussetzt, die Verlustverrechnung nicht. 19/29
Es ist also beides eine konjunkturpolitische Maßnahme, zumindest, wenn man das konjunkturell mit vorübergehend übersetzt. Die Abschreibung hat – weil nur für Investitionen und zeitlich befristet – eine deutlich bessere Chance auf einen gewissen Wachstumseffekt. 20/29
Es ist aber nicht Konjunkturpolitik, weil nicht kreditfinanziert (#Schuldenbremse). Die Steuersenkungen erfolgen zulasten anderer Staatsausgaben. Der Multiplikator von Steuersenkungen ist aber geringeer als bei Ausgaben. Empirisch z.B. hier: 21/29cepr.org/system/files/p…
Also Nettoeffekt = geringeres Wachstum. Ist die #FDP also dumm? Nein aus zwei Gründen nicht. 1. deutet Lars Feld ja an, was er eigentlich will: eine angebotsorientierte Steuerreform also echte #Steuersenkungen für Unternehmen. 22/29
Die Idee: das erhöht die Nachsteuerrendite von Investitionen und damit auch das Wachstum. Also #Angebotspolitik. Die Wachstumseffekte solcher Steuersenkungen sind empirisch bestenfalls gering oder gar nicht vorhanden. Siehe @heimberger: 23/29boeckler.de/pdf/v_2021_10_…
Wenn man aber dran glaubt, passt es auch zur Priorität auf Bekämpfung von Inflation. Der Nachfrageeffekt wäre negativ und der Angebotseffekt positiv. Kurz bis mittelfristig also Rückgang von Wachstum und Inflation, aber langfristig höheres Wachstum ohne Inflation. 24/29
Selbst die #FDP hatte aber gar keine solche #Steuersenkung vorgeschlagen. Also doch zweiter Grund: Inflationsbekämpfung statt #Wachstum, was übrigens eine legitime Position ist, wenn ehrlich geäußert. 25/29
Die Änderungen bei der #Forschungszulage und die #Investitionsprämie sind tatsächlich eher geeignet einen geringen aber positiven Effekt zu entfalten. Meine Bewertung zur Investitionsprämie findet sich hier: 26/29
Die strukturellen Probleme bestimmter Sektoren (Automobilindustrie, energieintensive Industrie) werden aber gar nicht adressiert. Das passt zur ordoliberalen Position, dass man nicht auf selektive Maßnahmen wie #Subventionen zurückgreifen sollte, weil marktverzerrend. 27/29
Der Plan von #Biden ist das exakte Gegenteil: Investitionszulagen/Steuergutschriften für ganz bestimmte Investitionen und kreditfinanziert, und gleichzeitig eine Erhöhung des Unternehmenssteuersatzes. Die Zahlen sprechen bislang für ihn. 28/29
Wir sollten aber abwarten. Angebotspolitische Reformen brauchen bekanntlich Zeit, um zu wirken. Die Imaginären sogar besonders lange 😉Meine Meinung zur # Kindergrundsicherung findet ihr hier: 29/29
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@gaborsteingart Korrektur es war nicht Gabor Steingart sondern @NikolausBlome in diesem Artikel: Die Verwechslung tut mir sehr leid.spiegel.de/politik/deutsc…
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