Wer steckt hinter ISPK -- der Gruppe, die für Terrorpläne in Köln, Wien und Madrid verantwortlich sein soll? Ein erster kurzer Thread 1/ 🧵👇
Nach Zerschlagung des IS in Syrien/Irak hat sich das Epizentrum der (insgesamt stark geschwächten) Gruppe weg vom arabischen Stammland in die außerarabischen „Provinzen" verschoben. 1/
Viele davon sind in Afrika. Doch die momentan aktivste nennt sich ISPK (auch ISKP oder ISIS-K) und sitzt in Zentralasien. Das K steht für Khorasan und damit für eine historische Region in Zentralasien, die neben Afghanistan u.a. Usbekistan, Kirgisien und Tadschikistan umfasst. 2/
ISPK hat seinen Ursprung in Afghanistan und kämpft dort gegen die (seiner Meinung nach zu lasche) Taliban-Regierung. Wie @azelin zeigt, ist der Erfolg jedoch begrenzt: ISPK kontrolliert nur wenige Dörfer, und die Zahl der Anschläge wird immer geringer. 3/ washingtoninstitute.org/policy-analysi…
Wie häufig der Fall, reagierte die Gruppe auf Erfolglosigkeit im Innern mit einer Strategie der Externalisierung. In letzten Jahren hat ISPK zunehmend Ziele in der „Nachbarschaft" angegriffen und dort auch Kämpfer rekrutiert -- so z.B. in Pakistan, Usbekistan und Tadschikistan.4/
Die Ambitionen der ISPK gehen jedoch weiter: Innerhalb kurzer Zeit investierte man in Propaganda und baute Netzwerke außerhalb der Region auf -- quasi als „Ersatz" für die arabischen Netzwerke des IS, die von Sicherheitsbehörden Mitte der 2010er Jahre zerschlagen wurden. 5/
Ergebnis: Festnahmen von IS-Unterstützern -- auch in Europa -- hatten in den letzten Jahren immer häufiger einen Zusammenhang mit ISPK. In Deutschland ging es fast immer um tadschikische bzw. zentralasiatische Netzwerke. 6/ 👇
ISPK ist vermutlich der einzige IS-Ableger, der aktuell fähig wäre, im Westen einen großen, koordinierten Anschlag durchzuführen. Seine Motivation ist dabei nicht nur Ideologie, sondern auch -- und vor allem -- Vorherrschaft im dschihadist. Lager. 7/
Das ist der Kontext, in dem Nachrichten über mögliche Terroranschläge in Köln, Wien und Madrid zu verstehen sind. Auch hier scheint der IS verantwortlich zu sein. Und auch diesmal stehen wohl wieder Tadschiken im Mittelpunkt der Festnahmen. 8/
Ganz unabhängig von der aktuellen Gefahrenlage sind zwei Lektionen offensichtlich: (1) Der IS ist nicht tot, aber er ist *anders* als vor zehn Jahren. (2) Afghanistan und Zentralasien sind immer noch (oder schon wieder?) ein Thema für Sicherheit in Deutschland. 9/
Wer mehr zu ISPK, seiner Entstehung und Entwicklung wissen will, empfehle ich dieses ausgezeichnete Buch meines Kollegen @AntonioGiustoz2 👇 10/
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