Der neueste Spin in Österreich ist übrigens, dass die Bevölkerung versagt hat. Die Regierung hat es so gut gemeint, aber (Teile der) die Bevölkerung war(en) zu blöd. Die ganz Schlauen schauen (noch immer!) sehnsüchtig nach Schweden u fragen sich warum das nicht hier funktioniert.
Das ist insofern bemerkenswert, als dass Schweden nicht funktioniert hat (und Länder wie Irland, Norwegen, NZ nie vorkommen), aber darum soll es gar nicht gehen.
Was passiert hier gerade? Dieser Spin sagt uns zu aller erst einmal, dass immerhin ein Scheitern eingesehen wurde.
Und jetzt wird nach Schuldigen gesucht. Schuldigen und nicht Verantwortlichen. Und diese Schuld wird nach unten abgegeben. Die Regierung hätte eh gewarnt und appelliert aber das wurde nicht gehört, tja was soll man machen? Wenn die Unten nicht hören wollen SSKM
Das ist blanker Hohn, aus 5 Gründen
1. Keine klare Kommunikation. Es wurde nie ein Ziel oder eine Strategie ausgegeben. Nie etwas wofür wir das machen. Weihnachtshandel, Skisaison- alles schwirrt gleichberechtigt neben „Menschenleben retten“ und „Überlastung verhindern“ herum.
2. Schlechte Beratung. Es zeichnet sich ab, d die Regierung von e Tross schlechter medizinischer Berater_innen umgeben ist. Das muss man erstmal nicht erkennen, aber irgendwann muss man d eigenen Leute gegenprüfen - internationale Studien vergleichen usw. Schlechtes Managment so
3. Krise verlangt Führung. Führung hört sich jetzt vlt für Viele autoritär an, muss aber nicht (Siehe Ardern). Das Wesen d Krise ist die Unübersichtlichkeit u die Ungewissheit. Irgendwo muss alles zusammenlaufen u Entscheidungen gefällt (u kommuniziert werden) deswegen wählen wir
Jeder und jede für sich in der Krise funktioniert nicht, wenn es nur gelingt die Krise durch Kooperation zu lösen. Wenn die Einen vom Verhalten anderer abhängig sind. Dies muss organisiert werden. Das ist der Kern von Politik - gesellschaftliches Verhalten zu organisieren.
4. Heiß-Kalt-Strategie bringt Unglaubwürdigkeit. Diese gesellschaftliche Organisierung KANN auch auf ein hohes Maß an Selbstdisziplin („Eigenverantwortung“) setzen, das geht aber nur mit klarem Rahmen und konsistenter Kommunikation.
Erst Angst, dann Auferstehung, besser als alle anderen, Gesundheitskrise überwunden, Licht am Ende des Tunnels, keine 2. Welle, Schulen bleiben fix offen, doch nicht, ups da ist die 2. Welle geht nicht. Das zermürbt und selbst die Wohlmeinendsten machen nicht mehr mit.
5. Verantwortung beginnt immer oben. Nicht wir sind für Politiker_innen da, Politiker_innen sind für uns da. Es ist nicht die Aufgabe der Bevölkerung Politiker_innen zu stützen, weil sie so nett sind oder ihr Lebenstraum erfüllt ist. Sie arbeiten für uns, nie umgekehrt.
Dementsprechend beginnt die Verantwortung dort, wo Entscheidungen (bewusst und aus Überzeugung) in Vertretung der Mehrheit getroffen werden. Für individuelle Befindlichkeiten ist hier kein Platz. Dafür ist die Lage zu ernst. Das ist Politik und kein Freundeskreis.
Dieser Paternalismus hat nur zum Ziel die eigene Verantwortung abzugeben und in Schuld der Vielen umzuwandeln. Wenn wir Alle ein bissl Schuld sind, dann können wir der Regierung auch nicht bös sein. Das ignoriert auf himmelschreiende Art und Weise Machtverhältnisse.
Gerne verbunden mit einem arroganten „Manche möchten halt immer beschützt werden“. Ja, Leute, das ist der Grund warum wir wählen. Ich möchte beschützt werden. Deswegen zahlen wir Feuerwehr, Spitäler, KonsumentenSCHUTZ etc pp alle gemeinsam und haben Gesetze. Zum Schutz.
Und in e Pandemie, in der ich individuell nicht alles überblicken kann muss es eben eine Instanz geben (eine Regierung), die das kann u mit allem was sie hat kämpft, schützt, Interessen abwägt und klar macht was wann wie warum. Tut sie es nicht, muss die Verantwortung übernehmen.
Das ist hier kein gleichberechtigtes „Wir haben Blödsinn gemacht, aber ihr auch“ und auch kein „Wir wollten eh, aber ihr wart hat zu blöd. Was willst du tun.“ Das alles lenkt davon ab, dass es hier um Politik geht und politische Entscheidungen getroffen wurden.
(Rant Ende.)
Wenn ihr jetzt drüber reden wollt, bitte

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6 Nov
Ok, lasst uns zusammen das Trump-Statement anschauen, das ich gleich teile, damit wir es gemeinsam durchgehen können. Was macht Trump hier rhetorisch? Was tut er hier? Und warum? Er wendet hier einige Kniffe an. Ich versuche es kurz zu machen. #NatsAnalyse
Es geht um dieses Statement von heute nacht aus dem weißen Haus. Einige Sender haben weggeschalten und abgebrochen, weil es natürlich ein blanker Versuch ist in die Auszählungen einzugreifen.

Es fängt schon an bei der Begrüßung. Er begrüßt nicht die Medien, sondern wendet sich direkt an die Amerikaner_innen. Als wäre es eine Ansprache die Nation. Er setzt hier auch den Rahmen - er gibt ein Update. Er diskutiert das nicht, sondern liefert die Fakten.
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4 Nov
Es ist btw zu kurz gedacht den Trump‘schen Meltdown u die juristische Auseinandersetzung als eben nur das zu sehen - eine juristische Auseinandersetzung, d er wie es aussieht kaum gewinnen kann. Was er jetzt macht ist nicht mehr Teil d formal-politischen Ebene sondern Kulturkrieg
Deswegen hält der Vergleich mit Bush/Gore nicht, weil da zumindest zwei Kandidaten waren, die rein am formalpolitischen Prozess interessiert waren und keine Agenda darüber hinaus hatten. Aber Trump war schon immer eher ein rechter Kulturkrieger, der halt auch Präsident ist.
Das heißt was er jetzt macht ist möglichst viel rhetorisches Arsenal zu verpulvern und zu verteilen und so nachhaltig Zweifel am (formal)demokratischen System zu säen. Selbst, wenn er weg ist und/oder juristisch verliert, das bleibt und ist schwer zu reparieren.
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4 Nov
Was würde ich Biden jetzt raten (LOL)? sich in sehr kurzem zeitlichen Abstand zu Trumps Statement hinstellen und folgendes sagen: Wir sind eine Demokratie. Bei uns gibt es keinen Putsch. Ich werde mich einem Putsch mit allem was ich habe entgegen stellen. Kein Millimeter!
Ich bin nicht alleine. Alle demokratisch gesinnten Menschen in diesem Land werden einen Putsch nicht zulassen. Nicht die Gouverneur_innen, nicht die Senator_innen, nicht die Repräsentant_innen, nicht die Bürgermeister_innen - try us, wir sind stärker.
Wäre das ein Anheizen? Ja. Muss man über sich drüber fahren lassen? Nein. Appeasement und Abwarten funktioniert halt nicht. Irgendwann muss man einfach zurück kämpfen. Und für so etwas prinzipielles wie Demokratie darf man dann schonmal auch sprachlich eskalieren.
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4 Nov
Die Aufregung und das Entsetzen ist übrigens muteinkalkuliert und gehört zum Plan. Aber es ist halt ein Catch-22. Wenn man sich nicht aufregt legitimiert man diesen Coup, regt man sich auf spielt man mit. Das ist genau die Methode, die Trump anwendet.
Die Aufregung wird zum "ertappt!"-Moment umgedeutet. Und nichts schöner, als wenn CNN, die NYT und alle die liberalen Pundits gegen ihn sind. Weil genau so sieht er sich - Alle gegen ihn. Alle ihm nachhechelnd. Alle ganz entsetzen über was er sagt. Diesen Graben liebt er.
Weil er, Trump, endlich mal unverblümt die Wahrheit sagt und diese ganze medial-politische Elite hält die Wahrheit nicht aus. Und deswegen ist er ein Kämpfer für die normalen einfachen Leute. Usw usf. Umso mehr sich "die " aufregen, umso mehr Glaubwürdigkeit dort.
Read 4 tweets
4 Nov
Was Trump jetzt macht ist die Sandwich-Methode: Er zählt Staaten auf, die er klar gewonnen hat. Zum Beispiel Florida, Texas, Ohio u dann fügt er einen Staat rein, der noch unklar ist: Georgia. Dann wieder klar gewonnener Staat: North Carolina. jetzt Arizona mit ? Und Pennsylvania
Das wirkt jetzt so, als würden alle diese Staaten auf der selben Stufe stehen und "jemand" stiehlt ihn ihm raus. Er fügt diese Staaten sprachlich alle nebeneinander als seine. Er sagt nicht einfach: Wir haben x und y klar gewonnen und bei a und b ist es knapp, sondern alle gleich
Immer wenn er über einen unklaren Staat redet (MI zb), dann kommt er nachher wieder auf Texas und redet darüber wie klar er das gewonnen hat und über die Abstände. So bindet er das alles sprachlich zusammen. Immer mit dem Frame "völlig unerwartet gewonnen".
Read 9 tweets
2 Nov
Ich schaue gerade d Corona-Quartetts d Red Bulls Senders nach u das ich hochgradig verstörend. Das wird Angst v Fehlbehandlungen gemacht b Covid-Patient_innen, als wäre das das Risiko. Da dürfen Verharmlosungen rausgehauen werden, etwa d Hospitalisierungen nicht relevant steigen
Wir haben uns sehr lange auf die Corona-Leugner_innen-Szene auf der Straße konzentriert. Zu recht, weil sehr verhaltenskreativ und laut. Es wird Zeit, dass man die bürgerliche, intellektuelle und akademische Leugner_innen-Szene mal genau anschaut. Was passiert hier?
Warum sitzen dort Woche für Woche Ärzte_Ärztinnen mit sehr weit rechtssehenden Aktivist_innen-Publizist_innen zusammen und dürfen die abstrusesten Sachen raushauen und so Menschen gefährden? Was ist das für ein Geschäftsmodell und reden wir mal breiter darüber?
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