Kleine Einordnung: Auch wenn sich jetzt insb. bei Facebook die Horrorszenarien überschlagen, was uns nach der Abschaltung von 3 Atomkraftwerken droht (Stromausfall, Strom-Importe aus Frankreich, neue CD von Wendler):
Vorerst gar nichts.
Thread (1/12)
Gerade bei den AfD-nahen Seiten befinden sich einige in fast schon freudiger Erwartung, dass es nun zum Knall kommt und wir alle im Dunkeln und Kalten sitzen.
Aber was ist passiert? Zum 31.12.2021 sind 3 Reaktoren abgeschaltet worden: Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C
(2/12)
Diese 3 Reaktoren leisteten zusammen ca. 4 Gigawatt. Klingt jetzt erst mal viel und ist es absolut ja auch, aber die Last im deutschen Stromnetz liegt deutlich höher, sie pendelt in der Regel zwischen 50 und 70 Gigawatt
Damit befinden wir uns immer noch in einer starken Überversorgung, denn installiert sind (neben der Kernkraft) 12,5 Gigawatt aus Wasserkraft und Biomasse, 44 Gigawatt Kohlekraft, 30 Gigawatt Gaskraft und 4 Gigawatt Reserve in Ölkraftwerken (zusammen > 90 Gigawatt):
(4/12)
Entsprechend unscheinbar ist der Knick nach dem Abschalten der 3 Reaktoren, hier seht ihr ihn recht gut (Kernkraft ist rot):
Ja, ist ein Knick, aber eben keiner, den die ganzen anderen Kraftwerke nicht locker abfangen könnten:
(5/12)
Wir haben also selbst dann genug Kraftwerke, wenn im Winter alle Windkraftanlagen des Landes stillstünden (was in der Praxis nicht passiert). Aktuell ist eher das Gegenteil der Fall, in der ersten Woche des neuen Jahres stammte fast die Hälfte des Stroms aus Windkraft
(6/12)
Nicht auszudenken, wie hoch der Wert läge, wenn wir in den letzten Jahren die Windkraft weiter ausgebaut hätten anstatt dieses Desaster hier bezeugen zu müssen (man beachte den Altmaier-Knick ab 2018):
(7/12)
Dennoch finden sich lauter Behauptungen, dass wir jetzt bald ganz viel Atomstrom aus Frankreich importieren müssen, damit hier nicht alle Lichter ausgehen.
Nur haben wir im letzten Jahr mehr Strom an Frankreich verkauft (15 TWh) als von dort eingekauft (8,5 TWh).
(8/12)
Am meisten netto importiert haben wir übrigens aus Dänemark, dessen Strommix 2021 fast zur Hälfte aus Windkraft bestand. Sieht also eher so aus, als müssten wir bald ganz viel Windstrom aus Dänemark importieren, damit hier nicht alle Lichter ausgehen😉
(9/12)
Die folgenreichste Konsequenz aus der Abschaltung ist natürlich, dass nun an Tagen mit weniger Windstrom als letzter Woche mehr fossile Kraftwerke einspringen müssen, um die 4 Gigawatt aus der Kernkraft auszugleichen.
(10/12)
Das kann man auch gerne kritisieren und der Meinung sein, dass die Reihenfolge des Ausstiegs nicht schlau war. Aber die Sorge vor Blackouts wird dadurch nicht plausibler. Deutschland ist seit Jahren Stromexporteur und wird es wohl auch erst mal bleiben.
(11/12)
Das ist übrigens der Strommix von Dänemark im Jahr 2021, nur mal so als Inspiration 🙌
(12)
Nachtrag: Fast alle Grafiken sind den Fraunhofer Energy Charts von @energy_charts_d entnommen, in denen man jetzt auch für ganz Europa sensationell viele Daten zur Stromerzeugung, Importen und einzelnen Kraftwerken einsehen kann.
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Nachtrag: Mir wurde vorgeworfen, Pro-Atomkraft-Leute mit AfD-Hirnis gleichzusetzen.
Das ist eine komische Unterstellung, da ich im Thread selbst erwähne, dass die Ausstiegsreihenfolge nicht zwingend clever war und die AfD mit dem Thema nun mal Angst schürt, wie sie das immer tut
Auszüge:
"Mitten in der größten Energieknappheit seit Jahrzehnten werden aus ideologischen Gründen fast 9 GW Leistung vom Netz genommen" (Stimmt nicht)
"Mit der Abschaltung dreier deutscher Kernkraftwerke Ende des Jahres steigt massiv die Gefahr eines Blackouts,"
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Mich erreichen vermehrt Rückfragen, was an der Darstellung der @NZZ denn irreführend sei. Ich kann darauf aber nicht antworten, weil der stellvertr. Chefredaktor @_freidel mich blockiert hat.
Daher auf diesem Wege: Irreführend ist daran erstens das Diagramm. Es baut eine
reine Korrelation unzulässig zur Kausalität aus, indem es impliziert, die gesamte Stromerzeugung in Deutschland sei wegen des Wind- und Solarausbaus gesunken. Dafür liefert die NZZ keinen Beleg.
Viele Leser der NZZ verstehen dieses Diagramm aufgrund der Beschriftung so, dass...
der Stromertrag aus Wind und Sonne in dieser Zeit gesunken ist (er ist gestiegen). Eine seriöse Beschriftung wäre "installierte Leistung Wind- und Solar" + "gesamte Strommenge aus allen Kraftwerken".
Es ist vermutlich ein gezielt erzeugtes Missverständnis.
Die Daten in der VON IHM VERLINKTEN Studie belegen seine Aussage "Sobald Tunnel gebaut werden müssen, lässt sich das Projekt endgültig nicht mehr mit dem Klimaschutz begründen." halt nicht.
Nehmen wir gerne die Strecke der Studie mit dem hohem Tunnelanteil. Frankfurt-Köln geht quer durch den Westerwald, das resultiert in knackigen 47 km Tunnel auf 219 Streckenkilometern.
Abgesehen vom traurigen Niveau isses hier vor Allem ineffektiv geworden. Drüben bei bluhskai kann ich einfach einen Link zu meinem Artikel posten UND Leute bekommen ihn ausgespielt. UND ich muss danach nicht 2 Stunden lang moderieren.
1/5
Wer mich kennt, weiß: Ich komme sehr gut mit anderen Meinungen klar. Im Prinzip war das hier sogar lange der USP: Leute mit anderer Meinung verfechten sie mir gegenüber so, dass es eine echte Debatte gibt und ich meine danach ggf. ändere. Es WAR ein global townsquare.
2/5
Das sehe ich hier nicht mehr. Meinungen werden jetzt einfach künstlich verstärkt/abgeschwächt und es zählt nicht mehr die Stichhaltigkeit eines Arguments, sondern welches lauter in den townsqure gebrüllt wird.
Für die Kosten der Energiewende werden in dieser "Studie" Baukosten UND die Erlöse der Anlagen zusammenaddiert.
Als würde ich auf den Kaufpreis einer Wohnung die folgenden 20 Jahre Miete obendrauf addieren und sagen, diese Gesamtsumme wären die Kosten für die Wohnung?!
[2]
Dass diese Gaga-Rechnung nicht korrigiert, sondern weiterverbreitet wurde, fühlt sich nach genau der Ideologie an, die die @welt gerne bei anderen sieht.
Die Studie nimmt übrigens einfach chinesische Bauzeiten an, die auch das dortige, autoritäre Regime erst emöglicht.
[3]
Zustand der Bahn nach 3 Jahren FDP-Führung des Verkehrsministeriums. Nicht nur die Reservierungen werden nicht digital angezeigt, jetzt wird sogar die ganze Waggonnummer auf Papier geschrieben.
Durchsagen funktionieren nicht.
Klos sind defekt.
Es ist einfach peinlich.
Ja, der Vorwurf ist nicht 100% fair, weil @Wissing schon einen maroden Konzern geerbt hat.
Aber solange hier nichts gelöst wird und wir Bahn-Investitionen immer weiter verschleppen, um einem hübschen Kontostand zu frönen, wird das wohl schlimmer werden.
Ich sehe jetzt nicht, wie er das Problem löst, indem Geld von Schiene auf Straße umgelegt wird.
Darf ich vorstellen? Der weltgrößte Minenbagger für den Einsatz in einer kanadischen Kupfermine. Diesel? Hallo, wir haben 2024, das Ding aus deutscher Produktion läuft natürlich elektrisch. 😍🇩🇪⚡️
Die Motoren leisten 2 * 2.000 PS und heben damit pro Ladevorgang 42 m³ ...
1⃣
... Kupfererz in die ebenfalls elektrisch betriebenen Großmuldenkipper. Es wird somit ohne fossile Brennstoffe aus der Erde geholt, im Idealfall ohne fossile Brennstoffe raffiniert und kann dann genutzt werden, um noch mehr solcher Bagger oder E-Busse, Windkraftanlagen, ...
2⃣
Stromnetze, Wärmepumpen oder was auch immer herzustellen. Um damit dann noch mehr fossile Brennstoffe loszuwerden (!). Ist das Konzept jetzt langsam greifbar?
Hergestellt wird das Ding in Deutschland von Komatsu, dem Nachfolger der in Hannover bekannten Hanomag AG.