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Apr 14 10 tweets 2 min read
Dieser Artikel ist höchst beunruhigend. Denn hier wird offen für Gesetzesänderungen geworben, die es in sich haben. Anlass ist der versuchte Mord an dem 15jährigen Transmädchen. Gesprochen hat die Tagesschau mit einer Vertreterin vom LSVD.
tagesschau.de/inland/transfe…
Zunächst wurde dargestellt, dass Straftaten an Transpersonen stark zunähmen. "Unter den queerfeindlichen Straftaten sind transfeindliche Delikte am häufigsten", sagt Sarah Ponti (LSVD). Einen Beleg bleibt sie hierfür schuldig.
Der LSVD räumt ein, dass es kaum Forschung dazu gäbe und die Aussage auf "Beobachtung" basiere. Gleichwohl übernimmt Tagesschau dieses Narrativ kritiklos. Nun ist es sicher richtig, dass Forschung und belastbare Zahlen vonnöten sind, um hier ein Bild zu erhalten.
Ansprechstellen speziell für von Transfeindlichkeit Betroffene werden gefordert. Speziell geschulte Kräfte sollen in diesen Stellen sitzen. Überhaupt sollen Beamte "sensibilisiert" werden. Es wird also, trotz kaum vorhandener Zahlen, ein Riesenfass aufgemacht.
Zudem wird gefordert, für Analysezwecke die Unterkategorie "Transfeindlichkeit" einzuführen. Transfeindliche Motive seien in den Strafgesetzen nicht genannt, auch das solle nachgeholt werden.
Was genau damit gemeint sein könnte, wird im Verlauf des Artikels deutlich, wo es um die Pressemeldung der Polizei geht. Dort wurde in einer ersten Fassung nicht erwähnt, dass es sich bei dem Kind um ein Transmädchen handelte, es wurde also misgendert.
"Aus Sicht der dgti trage die Polizei "mit ihrer Veröffentlichung noch zu den Ressentiments bei, die wir als Ursache der Straftat sehen"." Soll heißen: Misgendering ist das eigentliche Problem und Ursache für die Verbrechen an Transpersonen.
Zusammengenommen mit den geplanten Maßnahmen werden hier Instrumente geschaffen, um immer sensibler "Transfeindlichkeit" zu orten und zu verfolgen. Die Art und das Ausmaß ist zumindest diskussionswürdig. Aber Diskussion ist nicht erwünscht.
Was vor allem auffällig ist: Gewalt an Homosexuellen erfährt keine vergleichbare Sichtbarkeit. Trotz nicht belegter Zahlen und nicht definierter Begrifflichkeit wird Transfeindlichkeit als das dringendste Problem betrachtet.
Und dass hier ein Bogen von Misgendering (und im Rahmen von Hassrede dann wohl auch Nicht-Validierung bzw. Ablehnung) zu einem transphoben Gewaltverbrechen gespannt wird, ohne nach weiteren Motive zu suchen, ist keine gute Entwicklung.
#LehmannRuecktritt

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Apr 12
Ein Kind verhält sich nicht gender-konform, wird gemobbt und fast tot geprügelt. Schrecklich, dass es so etwas noch gibt. Doch die Ursachenforschung muss differenziert bleiben, wenn wirklich verstanden werden soll, was hier geschehen ist.
rtl.de/cms/transgende…
Es ist nicht einfach "Transphobie". Ursache ist ein Männlichkeitsideal, das insbesondere junge Männer/ Jungs aggressiv werden lässt, wenn sich ein anderer Junge "feminin" verhält. Dabei ist völlig unerheblich, ob er transsexuell ist, homosexuell oder einfach gender-non-konoform.
Dieses Männlichkeitsideal gilt kulturübergreifend. Auch hier erstarkt diese Vorstellung wieder, Männer müssten "männliche" Vorlieben und Verhaltensweisen zeigen, fordernd und aggressiv sein. Dank Frauen- und Schwulenbewegung war dieses Denken schon mal weniger ausgeprägt.
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Mar 3
"In den Urzeiten gibt es keine ideologische Revolution von größerer Tragweite als diejenige, die die an die Stelle der Kognaten als Erbnachfolger die Agnaten setzt: von diesem Augenblick an wird die Mutter zur Amme, zur Dienenden herabgewürdigt.
Und die Souveränität des Vaters steigt übermäßig an: Er allein hat die Rechte inne und kann sie weitergeben.
Zweifellos hat das Erlebnis der technischen Kausalität, aus der der Mann die Bestätigung seiner Schöpferkraft gezogen hat, ihn auch zu der Erkenntnis geführt,
dass er für die Fortpflanzung ebenso notwendig sei wie die Mutter. Dass er als Schöpfer fungiert. Die Idee des Aristoteles, dass die Frau nur Stoff, und das Prinzip der Bewegung - das in allen Wesen, die geboren werden, das männliche ist - besser und göttlicher sei,
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Mar 2
"Die biologischen Voraussetzungen sind von größter Wichtigkeit. Sie spielen in der Geschichte der Frau eine beherrschende Rolle, sie sind ein wesentliches Element ihrer Situation: bei allen künftigen Betrachtungen werden wir uns darauf beziehen müssen.
Denn da der Körper das Instrument ist, mit dem wir die Welt wahrnehmen, stellt sich die Welt ganz anders dar, je nachdem sie mit diesem oder jenem Körper wahrgenommen wird. Deshalb haben wir uns bei diesen (biologischen) Voraussetzungen so lange aufhalten müssen:
Sie geben uns einen Schlüssel zum Verständnis der Frau.
Was wir aber ablehnen, ist die Idee, dass sie an sich ein unausweichliches Geschick darstellen. Sie genügen nicht, um die Hierarchie zu begründen. Sie erklären nicht, warum die Frau die Andere ist.
Read 4 tweets
Mar 1
Absolut beängstigend, dass Redaktionen es nicht mehr aushalten, mal einen Shitstorm zu riskieren. Dass sie in vorauseilendem Gehorsam alles löschen, was Protest auslösen könnte & damit eine Dynamik von Selbstzensur & spießiger Überkorrektheit verstärken.

welt.de/kultur/medien/…
Anstatt auszuhalten, dass sich ein Diskurs entwickelt, dass sie Lager vermischen, dass sich Denken weiterentwickelt, anstatt zu akzeptieren, dass auch mal eine Meinung tatsächlich "falsch" sein kann, weil sich jemand irrt oder übers Ziel hinaus schießt,
dass sie provozieren oder, ohne dass man es will, verletzen kann, anstatt das Menschliche also zu akzeptieren, wird alles potentiell Problematische vorsorglich gelöscht: Aus Hasenfüßigkeit, aus eigener moralischen Bedenkenträgerei, aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus.
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Jul 10, 2021
In dem Artikel wird die These vertreten, schon das Wesen der Genderkritik sei antisemitisch. Richtig ist zwar, dass Nazis in Geschlechterstereotypen denken und idealisierte, normative Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit haben.
belltower.news/ideologie-was-…
Richtig ist, dass im Nationalsozialismus jüdischen Menschen zum Vorwurf gemacht wurde, nicht in die Geschlechterkategorien zu passen, als Mann „weibisch“ und als Frau unweiblich zu sein. Die Idealisierung von „echten Männern“ und „richtigen Frauen“ gehört zur rechten Ideologie.
Richtig ist, dass antisemitische Rechte natürlich auch heute dieser Ideologie anhängen. Nun wird uns genderkritischen Frauen zur Last gelegt, mit diesen Kräften gemeinsame Sache zu machen. Und hier wird es falsch. Grundlegend falsch.
Read 11 tweets
May 14, 2021
Immer wieder heißt es, Männer würden SelfID niemals für missbrauchen und Frauen, die dies behaupten, seien hysterisch. Viele Aktivisten behaupten, radFems würden Gefahren durch Männer, die in Räume eindringen, übertreiben & Einzelfälle instrumentalisieren.
Davon mal abgesehen, dass es nicht erst zu Handlungen gegen Frau kommen muss, damit Frau eine Aneignung weiblicher Räume ablehnen darf, dass es ein erkämpftes Recht von Frauen ist, sich geschützt zu fühlen, ist der Missbrauch vielfach dokumentiert.
Noch gibt es Hürden. Doch in dem Maße, in dem es normal und selbstverständlich wird, sich als Frau zu identifizieren, weil Gender-Ideologie immer mächtiger in der Gesellschaft ankommt, wird es mehr und mehr zur normalen Option, um Macht zu erringen.
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