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May 1 12 tweets 3 min read
Meine simple aber dringliche Botschaft zum 1. Mai 2022, dem Tag der Arbeit: Die österreichische Arbeiterschaft verliert schleichend ihr Wahlrecht.🧵 1/12
Den meisten Menschen ist nicht bewusst, wie krass die demographische Verschiebung am Arbeitsmarkt ist. Immer mehr Erwerbstätige haben mangels Staatsbürgerschaft kein Wahlrecht. Und vielen in der Sozialdemokratie ist nicht klar, wie sehr dies die Arbeiterschaft betrifft. 2/12
Rechnet man alle 1,4 Millionen Arbeiter:innen zusammen (also inklusive Einpendler:innen), hat eine halbe Million kein Wahlrecht (36%). Betrachtet man nur die Wohnbevölkerung, können 28% der Arbeiter:innen politisch nicht mitbestimmen. 3/12
Besonders krass ist Wien, das hier exemplarisch für die Großstädte steht. In der Bundeshauptstadt haben sage und schreibe 6 von 10 wohnhaften Arbeiter:innen kein Wahlrecht. Das sind genau 100.000 Menschen. 4/12
Greift man nur die Gruppe der Hilfsarbeiter:innen heraus, also die schwächste Gruppe am Arbeitsmarkt, dann sind es österreichweit schon 50%, die kein Wahlrecht haben. Wie sollen die Interessen von Hilfsarbeiter:innen Gehör finden, wenn jede/r zweite nicht wählen darf? 5/12
Es schadet ja auch den alteingesessenen österreichischen Arbeiter:innen, wenn ihre ausländischen Kolleginnen nicht wählen gehen dürfen, weil der gesamte Berufsstand dann weniger politischen Einfluss hat. 6/12
Aber auch hier ist der eigentliche Knaller Wien. Unter den Hilfsarbeiter:innen sind es 82% die kein Wahlrecht haben. Würde man salopp sagen, die Wiener Arbeiterschaft hat keine politische Mitbestimmung, wäre das kaum übertrieben. 7/12
Auch in ländlichen Regionen geht der Trend mit großen Schritten in diese Richtung. Mir wurden die Daten einer Bau- und Transportfirma in meiner NÖ-Herkunftsgemeinde Hainfeld zur Auswertung überlassen. 8/12
Von den 209 Arbeiter:innen hat knapp die Hälfte Migrationshintergrund. Einige sind Staatsbürger:innen, einige Einpendler:innen. Aber 27% aller Hackler:innen sind Ausländer:innen mit Wohnsitz in Österreich, also Mitbürger:innen ohne Wahlrecht. 9/12
Derzeit geht jedes Jahr ein geburtenstarker Jahrgang aus der Zeit der Babyboomer in Pension, von denen die große Mehrheit die österreichische Staatsbürgschaft hatte. Ins Arbeitsleben folgt jährlich ein junger Jahrgang mit noch weniger Staatsbürger:innen. 10/12
Unter den Erwerbstätigen schrumpft die Gruppe mit Wahlrecht und die Gruppe ohne Wahlrecht steigt. Die einen dürfen wählen, die anderen nicht. Das widerspricht jedem Gleichheitsgrundsatz! Gebt den Leuten die politische Mitbestimmung, die ihnen zusteht! 11/12
Diese Überlegungen habe ich in meiner neuen Folge von „Kowall redet Tacheles“ genauer ausgeführt.👇 Mit diesen Gedanken zur österreichischen Arbeiterschaft wünsche einen schönen Tag der Arbeit, hoch der 1. Mai! 12/12

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