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Sep 20 16 tweets 4 min read
Große Aufregung in Anti-Atom-Kreisen wegen eines angeblichen Lecks im Kernkraftwerk Isar 2; siehe dazu z. B. faz.net/aktuell/politi…. Für einen Betrieb über das Jahresende hinaus müsse ein Ventil ausgetauscht werden. Was hat es damit auf sich? Wir erläutern’s im #Ventilthread. ➡️
Zweierlei muss man wissen: Erstens ist bei diesen speziellen Ventilen (es gibt davon 4) eine gewisse Undichtigkeit nicht nur nicht schlimm, sondern verfahrenstechnisch gewollt und für den Betrieb notwendig. ➡️
Diese Undichtigkeit dient dazu, Wasserstoff-Ansammlungen im oberen Teil des Druckhalters, dem sogenannten Druckhalterdom, kontrolliert in den Druckhalter-Abblasebehälter abzuleiten und weiter dem betrieblichen Abgassystem zuzuführen. ➡️
Zweitens: Es ist ein normaler technischer Vorgang, dass diese gewollten Leckagen mit der Zeit größer werden. Daher müssen die betroffenen Ventile in gewissen Abständen revidiert werden, um maximal zulässige Leckagemengen nicht zu überschreiten. ➡️
Das macht man normalerweise während der Revision.
Bei Isar 2 ist der Betrieb bis Ende des Jahres kein Problem. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Beendigung des Leistungsbetriebs Ende 2022 gelten nach wie vor. ➡️
Soll die Anlage aber auch in 2023 in Betrieb bleiben, wofür das Atomgesetz (AtG) geändert werden müsste, muss das Ventil vor dem Zyklusende und vor dem Streckbetrieb revidiert werden. ➡️
Dazu ist ein Abfahren der Anlage in den kalten Zustand und etwa eine Woche Stillstand erforderlich. ➡️
Ein Wiederanfahren eines Kerns, der zuvor im Streckbetrieb heruntergefahren wurde, erweist sich als technisch nicht machbar bzw. ist nicht mit der Sicherheitskultur vereinbar, wie @PreussenEl bereits mitgeteilt hatte. ➡️
Anders als in den Medien berichtet wird, fährt Isar 2 sehr wohl Volllast bis zum Jahresende. Währenddessen sinkt die Borkonzentration im Primärkreislauf planmäßig immer weiter ab bis zu 0 ppm am Ende des Jahres. Danach könnte man nahtlos in den Streckbetrieb gehen. ➡️
Um nach der Überprüfung des Ventils wieder anfahren zu können, sollte jedoch der dafür erforderliche Kurzstillstand zu einem Zeitpunkt erfolgen, zu dem noch eine genügend hohe Borkonzentration im Primärkreislauf vorliegt. ➡️
Je früher im Zyklus, desto besser! Also lieber im Oktober als im November oder gar im Dezember. Im Januar geht es mit dem derzeitigem Kern nicht mehr.
Die Bundesregierung muss sich also schnell darüber klarwerden, was sie eigentlich will, und entscheiden, wie es weitergehen soll!
Inzwischen bestätigt auch der Betreiber @PreussenEl laut @SZ unsere Darstellung: sueddeutsche.de/bayern/energie…. Die @SZ schreibt: »In der Mitteilung heißt es, es liege kein Schaden vor. Das Kernkraftwerk befinde sich im "normalen Leistungsbetrieb". ➡️
Zur Absicherung eines möglichen weiteren Betriebs über das Jahresende hinaus müsse das Kraftwerk für etwa eine Woche vom Netz genommen werden. Unter anderem würden dabei "innere Leckagen an Vorsteuerventilen der Druckhalter-Sicherheitsventile" behoben. ➡️
Eine solche Leckage sei "normalbetrieblich vorhanden und gewollt". Der Dampfstrom werde kontrolliert abgeführt und überwacht. Würden bestimmte Grenzwerte erreicht, müsse das Kraftwerk für die Reparatur abgefahren werden. ➡️
Dies sei derzeit aber nicht der Fall - die Behebung der Leckage sei lediglich im Zusammenhang mit einem möglichen Weiterbetrieb vorzusehen.«
@PreussenEl laut @SZ weiter: Die laufenden politischen Diskussionen müssten zügig zu einem klaren Ergebnis führen.

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Jul 1
Die International Energy Agency (@IEA) hat gestern ihren Bericht »Nuclear Power and Secure Energy Transitions« veröffentlicht: iea.org/reports/nuclea….
Nach diesem Bericht kann die Kernenergie die Versorgungssicherheit erhöhen, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen vermindern, die CO₂-Emissionen senken und Ländern beim Übergang zu einem EE-dominierten Energiesystem helfen.
Ein Comeback der Kernenergie sei aber trotz dieser Vorteile nicht garantiert. Regierungen müssten eine verlässliche Politik machen, die Investitionen in Kernkraftwerke mobilisiert und deren langfristigen Betrieb gewährleistet.
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Jun 25
@HaraldMeinecke @BjrnPeters3 @MoormannRainer @VeroWendland @Kerntechnik_D @Wachter__M @Arishna12 @jungpionier_ Im Grunde schon, allerdings sind die Kosten frischer Brennelemente bereits in den Stromgestehungkosten enthalten. Die gehen also nicht extra. Wir rechnen wie folgt: ➡️
@HaraldMeinecke @BjrnPeters3 @MoormannRainer @VeroWendland @Kerntechnik_D @Wachter__M @Arishna12 @jungpionier_ Insider gehen von ca. 1 Mrd. € Investitionen aus, um die letzten 6 Kernkraftwerke für den Langzeitbetrieb fitzumachen. Das macht knapp 170 Mio. € für ein einzelnes Kernkraftwerk (KKW). Wir rechnen stets konservativ und setzen pessimistische 200 Mio. € an. ➡️
@HaraldMeinecke @BjrnPeters3 @MoormannRainer @VeroWendland @Kerntechnik_D @Wachter__M @Arishna12 @jungpionier_ Bei einer Nennleistung von 1.400 MW erzeugt ein KKW pro Tag 33.600 Megawattstunden (MWh). Wegen Revisionsstillstand usw. haben wir aber nicht 100 %, sondern »nur« 90 % Verfügbarkeit. Dadurch reduziert sich die täglich produzierte Strommenge im Schnitt auf 30.240 MWh. ➡️
Read 13 tweets
May 1
Ja, klar, wir sollten die Kernenergie zum Erreichen der EU-Klimaschutzziele nutzen, sagt die große Mehrheit der Deutschen März/April 2022:
Zustimmung zur Kernenergie aufgeschlüsselt nach Parteipräferenzen – bitte besonders SPD- und Grünen-Wähler beachten:
Zustimmung zur Kernenergie aufgeschlüsselt nach Alter:
Read 6 tweets
Apr 26
Neuerdings behaupten Atomkraftgegner gern, wir seien beim Uran von Russland abhängig. Aber das stimmt nicht. Drei Aspekte sind zu unterscheiden:
– Das Uran
– Die Anreicherung
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Das Uran: Uran (Yellowcake) wird weltweit in vielen Ländern gefördert. Daher besteht keinerlei Abhängigkeit von Russland oder auch zu irgendeinem anderen Land.
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Read 7 tweets
Apr 13
@superbello123 @steffenhe @DingoSaar @plan0815 @fedja_adler @thorstenbenner @Wachter__M @Kerntechnik_D @tuevverband »… werden wir immer öfter Zeiten bekommen, wo erneuerbare Energien völlig ausreichend sind«, schreibt @steffenhe. Nun, das ist eine großartige Leistung, die wir loben sollten, nicht wahr? ➡️
@superbello123 @steffenhe @DingoSaar @plan0815 @fedja_adler @thorstenbenner @Wachter__M @Kerntechnik_D @tuevverband Nun gut, für einen konventionellen Kraftwerkspark ist das eigentlich schon immer eine Selbstverständlichkeit gewesen und keiner besonderen Erwähnung wert. ➡️
@superbello123 @steffenhe @DingoSaar @plan0815 @fedja_adler @thorstenbenner @Wachter__M @Kerntechnik_D @tuevverband Es ist nun allerdings so, dass ein EE-Stromsystem, das zeitweise 100 % (und mehr, aber lassen wir dieses Problem einmal beiseite) ins Netz einspeist, in der Tat Backup-Kraftwerke für 100-0-100-Zyklen braucht. Und welche eignen sich dafür am besten? Nun, natürlich Gasturbinen! ➡️
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Mar 19
@BMWK @bnetza Ja, das ist ein sehr hörenswertes Interview mit Robert #Habeck, nicht nur wegen des lustigen Versprechers mit dem »Domino-Infekt«! #Habeck macht überaus deutlich, wie kritisch die Versorgungslage ist. ➡️
@BMWK @bnetza Umso unverständlicher, dass ihr dennoch auf die Kernkraftwerke verzichten wollt! Ihr wisst inzwischen, dass die Annahmen in eurem Prüfbericht falsch sind. Das haben @Kerntechnik_D, @tuevverband und wir euch vorgehalten und vorgerechnet. ➡️
@BMWK @bnetza @Kerntechnik_D @tuevverband Nur allein mit den alten, aktuell in den Kernreaktoren befindlichen Brennelementen lässt sich das Äquivalent von fast 4 Milliarden Kubikmetern Erdgas einsparen und die Gaskraftwerke entlasten. Wir haben euch das in nuklearia.de/2022/03/15/ker… vorgerechnet. ➡️
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