Leserbrief an @SZ:
"Sehr geehrter @WernerBartens, sehr geehrte Reaktion!
Ihr Kommentar zur Forschungsförderung zu Post-Covid mit ME/CFS als seiner schwersten Form hat uns bestürzt. sueddeutsche.de/meinung/medizi…
Sie kennen diese Krankheit nicht. Sie wissen nicht, worüber Sie schreiben.
Wüssten Sie es, ein solcher Kommentar wäre niemals möglich gewesen. Sie hätten sich informieren können, das ist Ihnen als Journalist vorzuwerfen.
Man kann zu vielen Dingen eine Meinung haben, besonders, wenn man es vermeidet, sich mit der Realität zu konfrontieren.
Wir haben bei ME/CFS diesen Luxus nicht. Als Eltern einer sehr schwer betroffenen 20-jährigen Tochter sind wir seit fast drei Jahren (zusätzlich zu unseren Berufen) als 24h-Pfleger:in Tag und Nacht im Einsatz.
Seit über 1000 Tagen ernähren wir unsere Tochter 5 mal täglich mit einer Schnabeltasse, waschen sie und sorgen für persönliche Hygiene, konsultieren mit den wenigen Spezialist:innen weltweit, immer in der Hoffnung auf Forschung und Therapie, zumindest zur Linderung der Symptome.
Und in der Hoffnung auf – endlich – mehr Mittel zur Therapieforschung für diese (im Vergleich zu jeder anderen Erkrankung, die Sie nennen) extrem unterfinanzierte, schwere Krankheit.
Sie schreiben von den „Erschöpften“, von „Schreihälsen“ und „Selbstheilung“.
Natürlich, es ist schwer, sich das vorzustellen, wenn man es nicht erlebt.
Wahrhaft unvorstellbar ist aber die Situation unserer Tochter:
Seit über 1000 Tagen ans Bett gefesselt, in totaler Dunkelheit und Stille völlig von der Welt isoliert, zu schwach, um einen Becher zu halten, und an den meisten Tagen zu keiner Kommunikation fähig,
abgesehen von einer Reihe eingeübter Fingerzeichen.
„Man kann sein Leben verlieren, ohne zu sterben“ – das ist ME/CFS, als Folge von Covid 19 oder anderer Infektionserkrankungen. Man muss es gesehen haben, um sich das vorstellen zu können.
Deshalb laden wir Sie ein, zu uns zu kommen, um 1-2 Tage unseren Alltag kennenzulernen. So, wie andere Journalist:innen dies auch schon getan haben."
@Karl_Lauterbach
Mila ist in einer Phase tiefster Verzweiflung.
Wie auch nicht?
Sie hatte so viele Pläne - FSJ in 🇫🇷, Reisen, Studium, PhD in Berkeley -, aber ist gezwungen, Tag um Tag in totaler Dunkelheit und Isolation in immergleicher Position im Bett auszuharren, für alles zu schwach.
Reine Folter, seit mehr als 1000 Tagen.
Das Schlimmste: Wir haben keine Therapie, keine Medikamente mehr, auf die wir noch hoffen könnten.
Dass BC007 unerreichbar ist, ist für sie ein schwerer Schlag.
Ihr geht die Kraft aus. Sie kann nicht mehr, für mich völlig verständlich.
Sie bittet uns, Wissenschaftler zu kontaktieren. Einen Hilferuf auf Twitter zu starten.
(Das ist er, weil sie danach fragen wird, obwohl wir alle Therapieoptionen u.ä. kennen.)
Diese Artikel über unsere schwerst ME/CFS kranke Tochter erschien im Mai 2022.
Inzwischen liegt Mila seit 1000+ Tagen im Dunkeln, sonst hat sich wenig geändert.
Wir danken Uta Behrends, @neurostingl und v.a. @Weber_Nina für den einfühlsamen Artikel. 🧵 spiegel.de/gesundheit/chr…
"Seit mehr als 500 Tagen liegt Milena Hermisson in einem dunklen Raum.
Sie trägt eine Augenbinde, die auch den letzten Rest Licht abhält.
Ohrstöpsel dämpfen alle Geräusche.
Sie sitzt nicht, sie liest nicht, sie chattet nicht, sie blickt nicht aus dem Fenster.
Sie liegt auf dem Rücken in der immer gleichen Position.
Sie ist so geschwächt, dass sie ihre Arme nicht mehr heben kann.
Ihre Mahlzeiten bestehen aus püriertem Gemüse, Obst und Fisch, serviert in Schnabeltassen.
Update zu Mila
Wir hatten nach Ostern - aus verschiedenen Gründen - eine extrem schwierige und belastete Zeit, in der Mila aber auch eine Spur mehr Kraft entwickelte. 1/
Das Beste: In diese Zeit war ETWAS Kommunikation möglich - nach zwei Jahren fast völliger Kommunikationslosigkeit.
Dadurch bekamen wir einen winzigen Blick in ihre Welt und erfuhren manches, was wir nie fragen konnten.
2/
Alltägliches: Mila mag ihre morgentliche Trinknahrung am liebsten mit Schokogeschmack.
Nicht Cappuccino, obwohl sie früher eine große Kaffee-Aficionada war. 3/
ME/CFS in seiner schwersten Form bedeutet ein Leiden, das das Vorstellungsvermögen überschreitet und auch den meisten Mediziner:innen nie begegnet ist - wie auch, die Betroffenen sind zu krank für einen Krankenhausaufenthalt. 1/
Bei ALLEN Schweregraden von ME/CFS kommt zur Krankheit selbst *sekundäres Leiden* dazu: 1. die katastrophale Versorgungssituation 2. fehlende Therapien, weil ME/CFS über Jahrzehnte vernachlässigt wurde 3. fehlende Forschung und damit fehlende Hoffnungsperspektive
2/
4. Gleichgültigkeit von Gesellschaft und Politik 5. Verharmlosung und Banalisierung - gerade in der Medizin 6. Priorisierung von Standesinteressen (Psychosomatik, Versicherungen etc.) vor adäquater Versorgung
3/
Gesucht: #MECFS-Allys
'Nur nicht verbittern!' war immer ein Mantra meiner Mutter, die ebenfalls an #MECFS erkrankt war.
Es gibt bei #MECFS eigentlich viel Anlass zu verbittern.
Oft setzen Betroffene alle ihre Kräfte ein, um etwas zu bewegen, und es geschieht - nichts.
1/
🇩🇪
Die #SIGNforMECFS-Petition (~100.000 Unterschriften) liegt seit 2021 dem BT vor, manche Unterzeichner leben nicht mehr, und es geschieht - nichts. 2/
@Karl_Lauterbach kündigt 100 Mio. € für #LongCovid-Versorgungsforschung an - im Haushaltsentwurf tauchen sie nicht auf.
When Mila realized she was becoming too weak to speak, she asked us to record a video.
With effort, she taught us a few simple hand signs for drink, pain etc.
Both wise and shocking how she prepared for further deterioration. 1/
She has since used a set of 18 signs to communicate basic needs.
They involve tiny movements of her fingers (such as tapping or swiping).
As the differences are subtle, we have printed out a list that we refer to if in doubt.
Mila seems to know them all by heart. 2/
In addition, Mila uses some vocal sounds:
to draw our attention to her communicating via hand signs
for yes/no
plus a special sound that indicates: Stop all action immediately.
3/