Was ich dieser Tage immer wieder lese und höre sind zwei Dinge: 1. übelste Beschimpfungen. Ich sei „Hausmuslim“ oder gar kein wirklicher Muslim, ein „gekaufter Hund“, ein „Judenfreund“. 2. Die Frage, warum ich mich denn nicht für die Palästinenser einsetze.
Dazu: 1. Wäre mir
eure Meinung über mich wichtig, würde ich sagen, was ihr hören wollt. Wer glaubt, meine Meinung sei nicht das Ergebnis meiner eigenen Gedanken und könne käuflich erworben werden, kann ja mal versuchen, mich zu kaufen. Und: ich wünschte, ich hätte viel mehr jüdische Freunde. Denn
das ist nichts Schlechtes. Lasst euch von niemandem etwas anderes einreden. Lernt Menschen kennen, die nicht so glauben wie ihr selbst. Die euch Dinge sagen können und zeigen können, die ihr bislang nicht kennt. Dann lernt ihr vielleicht, dass ihr nicht hassen müsst, was euch
fremd erscheint. 2. Wenn ihr so eine schlechte Meinung von mir habt, weshalb wünscht ihr euch, ich würde euch unterstützen? Wenn ihr mich verachtet, weshalb legt ihr Wert darauf, dass ich einer Meinung mit euch bin? Ok, ausnahmsweise sage ich jetzt etwas, um das Anliegen der
Palästinenser zu unterstützen:
Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, dass kein einziges palästinensisches Kind leiden muss, dass die Palästinenser frei und in Wohlstand und Gerechtigkeit und Frieden in ihrem eigenen Staat leben können. Deshalb wünsche ich mir, dass sie die Kraft
finden, sich von der Hamas zu befreien, und dass sie erkennen mögen, dass sie ihr Ziel nicht mit Terror und Gewalt erreichen werden und dass die Unterstützung von Verbrechen keine Stärke, sondern eine Schwäche ist.
Jetzt zufrieden? Nein? Dann liegt das Problem nicht bei mir.
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Warum sind eigentlich ausgerechnet so viele türkische Kommentatoren so wütend auf mich? Warum erwarten sie, dass ich ihren Israelhass teile? Sie sprechen Israel das Recht zu existieren ab, wären aber dem Nervenzusammenbruch nahe, würde man der Türkei in gleicher Weise
unterstellen, das Land von Besatzern und Unterdrückern zu sein. Wir sind die Nachfahren von zentralasiatischen Turkvölkern, die sich im 11. Jahrhundert in Zentral- und Westanatolien niedergelassen haben. Mit Waffengewalt und auf Kosten der damals ansässigen Bevölkerung. Istanbul
hat gerade einmal eine 600jährige türkische Geschichte. Noch vor kurzem haben viele die Wiederholung von Eroberungsgesten in der Hagia Sophia gefeiert. Der türkische Nationalismus hat kein Problem damit, sich gegenüber allen ethnischen und religiösen Minderheiten als moralisch
I stand with Israel. Ich sage das nicht, weil mir die Menschen in Gaza egal sind oder ich kein Mitgefühl habe. Ich sage das nicht, weil ich Geld dafür bekomme oder einen schlechten Charakter habe. Ich sage das, weil ich das Gefühl habe, dass wir nicht im entferntesten begreifen,
was hier gerade passiert. Ich weiß, wie sich Hilflosigkeit und Angst anfühlen. Als Muslim türkischer Herkunft weiß ich, wie sich Rassismus anfühlt. Mölln und Solingen haben sich mir in meiner Jugend tief in die Seele eingebrannt. Aber ich kann mir kaum vorstellen, wie sich
Jüdinnen und Juden in Deutschland gerade fühlen müssen. Es ist nicht nur der Schock des 7.10., sondern das, was danach passiert. Demonstrationen, auf denen diese Massaker gefeiert werden. Kundgebungen,die das Abschlachten von Juden als Widerstand gegen Kolonialisten legitimieren.
Um den aktuellen Zustand in Nahost zu verstehen, muss man den gegenwärtigen Widerspruch begreifen:Die Hamas und mit ihr ein nicht unerheblicher Teil der Palästinenser und der Pro-Palästina Szene wollen keine Nachbarschaft zwischen Israel und einem eigenen palästinensischen Staat.
Sie wollen, dass Israel zum Staat der Palästinenser wird. Und in ihm Juden nur als Minderheit leben - wenn überhaupt. Das gesamte Staatsgebiet Israels ist in diesem Verständnis „das Haus, das ihnen gestohlen wurde.“ Das ist das Ziel des Krieges der Hamas gegen Israel. Eine
Verhandlungslösung ist mit einem solchen Gegner nicht möglich, weil jede Lösung, die den Fortbestand Israels beinhaltet, als unzumutbares Zugeständnis betrachtet wird. Wie soll man jemanden vom Wert des Friedens überzeugen, wenn er den Frieden und damit die weitere Existenz
Wichtige Details gehen in der journalistischen Verdichtung von Ereignissen sehr leicht unter. Deshalb ein genauerer Blick auf die Sprache, mit der sich Spitzenpolitiker und religiöse Autoritäten in der Türkei zur aktuellen Nahostkrise äußern und damit auch hunderte Moscheen hier
in Deutschland beeinflussen: In ihrer Rhetorik sind die Hamas Terroristen eben keine Terroristen, sondern „mücahit“, also Glaubenskämpfer. Israel hingegen wird immer häufiger als „örgüt“ bezeichnet. Wörtlich bedeutet das „Organisation“. Im türkischen Sprachgebrauch ist dieser
Begriff indes negativ konnotiert und wird im Sinne einer bandenmäßigen, kriminellen Vereinigung verstanden. Also im Sinne einer Terrororganisation. Will man eine neutrale oder positive Organisation beschreiben, wird im Türkischen die Formulierung „kurum“ oder „kuruluş“
Der Hamasterror und seine Verharmlosung, ja Rechtfertigung durch das türkische Staatsoberhaupt zeigen sehr deutlich was für eine grausame, schreckliche Entscheidung es ist, Religion für politische und ideologische Zwecke zu missbrauchen. Ich formuliere es ausdrücklich so. Denn
beides sind keine religiösen Zwangsläufigkeiten. Man muss sich für die Begehung terroristischer Verbrechen und ihre Unterstützung bewusst entscheiden. Und es ist deshalb auch keine religiöse Solidarität, sondern ebenfalls eine bewusste ideologische Entscheidung der hiesigen
muslimischen Vertreter für diese Position, diese Nähe, diese Indifferenz, dieses Lavieren, die sie durch ihre ausweichenden, relativierenden Äußerungen der letzten Tage an den Tag legen. Das sollte auch nicht mit dem Begriff „politischer Islam“ verharmlost werden. Denn Muslime
Niemand von uns hier in Deutschland weiß zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wer die Opfer zu verantworten hat. Aber der gestrige Abend ist für unser hiesiges Zusammenleben sehr aufschlussreich: Allein die Möglichkeit, dass es die israelische Armee gewesen sein könnte, veranlasst viele
von uns Muslimen zu einer Flut von Empörungsausbrüchen, Anklagen und verbalen Ausfällen gegen Israel und die hier lebenden Juden. Allen voran überschlagen sich die muslimischen Verbände mit Stellungnahmen, die eine Eindeutigkeit und Entschiedenheit aufweisen, zu der sie im
Hinblick auf die Hamas Terroristen bis heute nicht fähig und willens sind. Ist das Mitgefühl für die Opfer der Grund für diese immense Betroffenheit? Wohl kaum. Denn heute - wie gestern auch schon -, da die Möglichkeit im Raum steht, es könnte die Hamas gewesen sein, hören und