Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen bleiben bis auf weiteres bei „Kiew“ als Hauptschreibweise für die ukrainische Hauptstadt. Bei Bedarf erwähnen sie aber künftig zusätzlich die ukrainische Schreibweise in Klammer, etwa so: "… sagte er in Kiew (ukrainisch: Kyjiw)“. 1/12
Damit soll sichergestellt werden, dass Leserinnen und Leser „Kyjiw“-Wortlautzitate der Bundesregierung in den Agenturtexten verstehen. Darauf haben sich @dpa, @AFPde, @reuters_de, @SID_Sportnews, @epd_news, @kna_Newsroom, @key_SDA_news, @BBGaufDeutsch und APA verständigt. 2/12
Zum Hintergrund: „Kiew“ ist seit Jahrhunderten so im Deutschen als Städtename verankert und damit Bestandteil des deutschen Wortschatzes und in dieser Schreibform auch mit Blick auf die Aussprache allgemeinverständlich. 3/12
Wie auch Prag (statt Praha), Warschau (statt Warszawa) oder Moskau (statt Moskwa) ist „Kiew“ daher ein etabliertes Exonym, also eine von der Sprache des anderen Landes abweichende Schreibweise. 4/12
Nahezu jedes Land und jede Sprache haben solche Exonyme, die vor allem der Allgemeinverständlichkeit in der eigenen Landessprache dienen. Daher können Exonyme auch nicht eine „falsche“ Schreibweise sein. 5/12
„Kiew“ ähnelt zwar sehr der russischen Schreibweise, ist aber tatsächlich nicht die korrekte Transkription der russischen Namensform „Киев". Sie wäre vielmehr „Kijew“. 6/12
Nach Angaben des ehemaligen UN-Experten für Geographische Namen, Peter Jordan, ist „Kiew“ ohnehin nicht aus dem Russischen abgeleitet, sondern ein altslawischer Name des Frühmittelalters, als Russisch und Ukrainisch noch keine eigenen Sprachen waren. 7/12uebermedien.de/?code=NUNxekR0…
Ein Wechsel vom jahrhundertealten deutschsprachigen Exonym „Kiew“ zum ukrainischen Endonym „Kyjiw“ oder „Kyiv“ als Hauptschreibweise wäre derzeit vor allem ein politisches Symbol. Argumentiert wird oft mit der Notwendigkeit, jetzt „ein Zeichen“ zu setzen. 8/12
Das allein kann aber für unabhängige Nachrichtenagenturen kein Beweggrund sein. Es widerspräche sogar ihrem Wesenskern, gezielt politische Zeichen zu setzen. 9/12
Zudem ginge eine solche Änderung zumindest anfangs auf Kosten der Allgemeinverständlichkeit für die deutschsprachige Leserschaft. Und Allgemeinverständlichkeit ist ebenfalls ein wichtiger Wert, an dem sich Nachrichtensprache zu orientieren hat. 10/12
Auch im Fall „Elfenbeinküste“ hatten sich die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen aus ähnlichen Gründen dafür entschieden, nicht der amtlichen deutschen Schreibweise „Côte d’Ivoire“ zu folgen. 11/12
Aber: Die Nachrichtenagenturen werden ihre Entscheidung auch künftig immer wieder auf den Prüfstand stellen und dabei auch aufmerksam verfolgen, ob sich das ukrainische Endonym im allgemeinen Sprach- und Schreibgebrauch sowie im Bildungswesen durchsetzen wird. 12/12
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Die Zahl der @dpa-Eilmeldungen ist 2021 deutlich zurückgegangen. Bis Ende Dezember sendete die Deutsche Presse-Agentur in ihrem Basisdienst rund 1070 Nachrichten der - nach der Blitzmeldung - zweithöchsten Priorität. Das sind fast 30 Prozent weniger 2020. 1/8
Auf den ersten Blick mag das überraschen, denn: Mit der Bundestagswahl, mehreren Landtagswahlen, der Fußball-Europameisterschaft und den Olympischen Sommerspielen gab es im vergangenen Jahr einige besonders eilmeldungsträchtige Großereignisse. 2/8
Aber: Der Rückgang bringt vor allem eine Art mediale Gewöhnung an den Corona-Ausnahmezustand zum Ausdruck. Denn die Zahl der dpa-Eilmeldungen rund um die Pandemie sank gegenüber dem Jahr davor von 650 auf knapp 260. 3/8
In der Berichterstattung über Gewaltverbrechen in Familien und partnerschaftlichen Beziehungen wird @dpa künftig Begriffe wie „Familientragödie“ oder „Beziehungsdrama“ nicht mehr als eigene Formulierungen verwenden.
Drama und Tragödie stehen abseits ihrer literarischen Bedeutung zwar auch für erschütternde Ereignisse; sie verschleiern und verharmlosen aber die gezielte und oft tödliche Gewalt, die sich vor allem gegen Frauen und teilweise auch gegen Kinder richtet.
Drama und Tragödie rücken Mord und Totschlag in die Nähe eines schicksalhaften Geschehens, in dem Opfer- und Täterrolle zu verschwimmen scheinen: Ist der Täter nicht auch irgendwie Opfer (etwa einer zerrütteten Beziehung) – und hat das Opfer daher nicht auch Anteil an der Tat?
Die @dpa hat gestern eine Meldung und einen Tweet zu dem @rponline-Interview mit Unionsfraktionsvize Linnemann so betitelt: „CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können“. Wir haben die Überschrift heute berichtigt und werden den Tweet in Kürze löschen. 1/5
Linnemann hat nicht von einem Grundschulverbot gesprochen. Wir haben mit dieser selbst gewählten Formulierung die Äußerungen über ein journalistisch zulässiges Maß hinaus zugespitzt und zudem den falschen Eindruck erweckt, es handle sich um ein Zitat. Das bedauern wir. 2/5
Tatsächlich hat Linnemann gesagt: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden.“ 3/5