ℹ️ Die nicht verstandene Desinformation der Medien
Ich bin so scheiß fucking sauer…
Es staut sich seit dem Februar 22. Und manchmal muss es raus. Besser andere bekommen ein Magengeschwür, als ich.
Wie jetzt.
Ich sage vorher deutlich, dass ich keiner von diesen desorientierten Mainstreammedien-Dödel bin! Ich kritisiere die Nachrichtenmedien. Und die sehr gezielt, vor allem aufgrund der Mechanismen der Agenturmedien.
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Am 23. Juni regneten zur Mittagszeit Cluster auf russische Badegäste am Strand nördlich von Sewastopol.
Der Journalist @moritz_gathmann (stern) postete daraufhin, »Liebe Freunde der Ukraine. Wenn ihr hier zu dem schweigt, was gestern in Sewastopol passiert ist, dann macht das euch angreifbar. Und nein, "selbst schuld" ist bei getöteten Zivilisten kein brauchbares Argument.«
Woraufhin er ein kleines Shitstörmchen erntete. Was ich ebenso scheiße ist, wenn es nicht konstruktiv oder zumindest freundlich abläuft.
Dass Gathmann schon für „Russland heute“ geschrieben hat, was vom russischen Staat bezahlt wurde… geschenkt.
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Zu dem Zeitpunkt war aber bereits die Information draußen, dass die russische Flugabwehr eine ukrainische ATACMS abgewehrt hatte, und die sich daraufhin auf den Badestrand erbracht.
Was Propagandisten und Putinversteher bis heute leugnen - und jeden zu Debatten einladen, der nicht bei drei auf dem Baum ist - hat das russische Verteidigungsministerium keine zwei Stunden nach dem Vorfall veröffentlicht.
Am Tag darauf bestätigten die USA das genau so. Zusätzlich hatten es bis zu dem Zeitpunkt schon mehrere OSINT und Militärblogger auf Social Media exakt genau so interpretiert. Ich übrigens auch.
Die Ukraine hatte nicht auf den Badestrand gezielt! Ende.
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Gestern veröffentlichte Gathmann dann einen Thread, in dem er seine Äußerung verteidigte.
Er erklärte, dass nun einmal Zivilisten von Ukrainern getötet würden. Und dass diese Fälle in den Augen der Ukraine-Unterstützer selten vorkämen.
Sei auch unbenommen.
Was mich daran aber auf die Palme bringt, ist etwas völlig anderes.
„Darüber, wer diesen Krieg begonnen hat und wer für ihn verantwortlich ist, müssen wir uns hier nicht unterhalten. Aber ...“ [sic]
Wie? Wat aber? Da kommt ein Aber? 😳
„[…] Dazu gehören neben den unzähligen von Russland getöteten Zivilisten auch Fälle, in denen die Ukraine den Tod von Zivilisten verursacht.“
Mir brennt der Helm. Scheißt der Hund aufs Feuerzeug. Ei bräik tugesa.
Umso mehr, als dass ich weiß, dass Herr Gathmann das tatsächlich so meint, glaubt und denkt.
Ich sag einfach mal, wie ich das so sehe:
Während in der Ukraine an dem Tag fast 1000 Soldaten gestorben sind und u.a. Odessa bombardiert wurde - wobei mehr Zivilisten gestorben sind als an dem Strand – hält Herr Gathmann es für ausgewogen, auf die toten Russen hinzuweisen und zur Ausgeglichenheit zu mahnen. Sonst würde man sich „angreifbar“ machen.
Das ist keine Ausgeglichenheit!
Drei Punkte, die mir scheiß dermaßen auf den Sack gehen:
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1. Die falsche Ausgewogenheit der Medien
▶️ Als die AfD in den Bundestag kam, repräsentierte sie wenige Prozent der Bevölkerung. Aber in jeder Talkrunde saß einer dieser rechtspopulistischen Hodenkobolde. Weil das Stimmung und Schlagzeilen bringt.
▶️ 99,9% der Wissenschaftler bestätigen den menschgemachten Klimawandel. Oder mehr.
Aber um etwas Kontroverse zu haben, werden auch Leugner und Aluhutdozenten gehört und multipliziert. Wodurch in der Bevölkerung der Eindruck entstehen muss, dass es eine wissenschaftliche Diskussion gäbe.
▶️ Studentische Windelköppe besetzen Teile von Unis, und kein Medium erklärt mal, dass das in Berlin nicht einmal 1% aller Berliner Studenten sind. Sondern Leute, die von vorn herein zum Schwarzen Block, zu den Autonomen oder sonstigen Parallelgesellschaften gehören. Keine Jurastutenten, Ingenieur oder WiWi, sondern Postcolonial oder Gender Studys.
Stattdessen bilden die Medien Debatten ab, ob die Professoren eine Räumung irgendwie gut fänden. Als wenn die irgendetwas zu entscheiden hätten. (Wieso fragt man die überhaupt?)
Und nachher tun alle erschrocken, wenn rauskommt, dass die meisten davon nicht einmal Studenten waren. Welch Überraschung.
Das nennt man false balancing.
Medien sind nicht „ausgeglichen“. Und Medien bilden auch nicht die Realität ab. Medien sind Wirtschaftsunternehmen, die das abbilden, was die meisten Klicks bringt. Und damit fördern sie die Emotionalisierung und die Propaganda. Der größte Faktor zur Spaltung dieser Gesellschaft sind genau diese Medien, sind Menschen wie Gathmann.
Stellen wir uns das doch einfach mal in der Redaktionsbesprechung vor: Auf der einen Seite 1000 im Schlamm verreckte Soldaten, auf der anderen Seite Urlauber und ihre Kinder, denen Bomblets aufs Badetuch gefallen sind… Was bringt wohl mehr Klicks? Wozu wird die Redaktion sich wohl entscheiden?
Nicht Schnipsen beim Aufzeigen!
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2. Zivilisten sind mehr wert
Die armen Zivilisten hier, die armen Zivilisten da.
Die erste große Schlacht des amerikanischen Bürgerkrieges fand bei Manasses (Bull Run) in der Nähe von Washington statt.
Die wohlhabenden Bürger schmissen sich in den feinsten Reifrock, ließen sich von ihren Sklaven einen Picknickkorb vorbereiten, die Pferde anspannen und fuhren zum Schachtfeld, um bei Hühnchen und Wassermelone anderen beim Sterben zuzugucken.
Als sie merkten, dass die Kanonenkugeln auftitschend nicht vor ihrem Picknick haltmachten und ihnen sowohl das Hähnchen aus der Hand als auch die Hand vom Arm rissen, flohen sie in einem Chaos zurück nach Washington.
Willkommen im Krieg.
Diese Söldnermentalität haben wir uns bewahrt. Andere führen unsere Kriege und wer zum Bund geht ist ja irgendwie selber schuld. In Stresszeiten wie diesen sind wir dann wohlgelitten. Und wenn das pseudopazifistische Bild mal durch ein paar herabfallende Trümmer auf Badegäste gestört wird, kommen sofort Menschen wie Gathmann, und mahnen dazu ausgewogen zu sein.
Ich habe selber Massengräber vermessen und stand auf Gedenkfeiern für Kameraden still. Weil manche eben lernen, dass es Momente gibt, in denen jedes Wort zu viel ist. Wenn eine 28-jährige Witwe vor einem Sarg zusammenklappt, zum Beispiel.
Und als ich nach Hause kam, wussten die meisten weder, was ich mache, noch dass wir im Einsatz sind. Danke, sehr einprägsam für einen Mittzwanziger.
Empathie ist ein endliches Gut. Wer wirklich Empathie für jedes getötete Kind in Gaza und jeden russischen Touristen empfindet, wird über kurz oder lang psychologisch nicht daran vorbeikommen, sich die Pulsadern zu öffnet. Alles andere ist Heuchelei und Instrumentalisierung.
Und er muss sich die Frage gefallen lassen, warum nicht auch für die Soldaten.
Selbstverständlich müssen Zivilisten so gut es geht geschützt werden.
Aber an den ganzen Genozid-Schreiern sieht man doch, dass nicht verstanden wurde, dass dies eine Abwägung ist, die militärischen Gegebenheiten unterliegt.
Diese Menschen sind keinen Deut besser, als die Elendstouristen von Manasses, die bei einer Limonade über Frieden diskutieren, während unter ihnen Menschen verrecken, damit sie Limonade trinken können.
Um Gathmann zu antworten: Selbstverständlich ist „Selbst schuld“ ein brauchbares Argument.
Wer in einem besetzten und massiv umkämpften Gebiet zwischen einem Flugplatz, Flugabwehranlagen und einem Marinekommando nebst Militärhafen Badeurlaub macht, der kann nicht mit der gleichen Empathie rechnen, wie jemand, der beim Einkaufen im Supermarkt von einer bewusst gesetzten Rakete eines Angreifers zerrissen wird. Und wer über Monate neben einem Arzt und einem „Journalisten“ wohnt, die Geiseln halten, übrigens auch nicht.
Das ist nicht nur psychologisch normal, sondern sogar gesund. Und richtig so.
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3. Fehlende Kompetenzen und Mut
Es wird über Politik und Zivilisten berichtet. Aber nicht über die tatsächlichen Vorgänge und die Ursachen.
Vor einer Woche hat das IPC ein Paper herausgebracht, das dargelegt hat, dass es nicht nur genug Lebensmittel im Gazastreifen gibt. Sondern sogar mehr geliefert werden, als vor dem Krieg.
Kein Beitrag in den Medien, kaum eine beiläufige Erwähnung in den Live-Tickern.
Haut die UN aber die nächste Warnung vor einer Hungerkatastrophe heraus, läuft die Meldung rauf und runter. Seit Dezember steht die Hungerkatastrophe vor der Tür.
Es fehlt der Mut aller Medien, zu hinterfragen, warum das so ist.
Ich kenne keinen einzigen Bericht der deutschen Medien dazu, dass im Gazastreifen sowohl Hamas als auch Clans die Lebensmittel klauen, um sie teuer zu verkaufen. Stattdessen nimmt das UNRWA seine Übersicht von der Homepage, auf der zählbar ist, dass fast alle Trucks geplündert wurden. Während ein Clan sich mit der Hamas in Feuergefechten in Gaza gegenseitig abknallt. Palästinenser unter sich.
Die Medien verfügen über keine Sachkompetenz. Kaum einer hat selber mal gedient.
Mit einer Selbstverständlichkeit erwarten wir von Wirtschaftsjournalisten, dass sie Ahnung von Wirtschaft haben… Wissenschaftsjournalisten, Medizinjournalisten, Politikjournalisten. Nur das Thema Krieg wird offenbar von Menschen bearbeitet, die vorm Volontariat Tanzpädagokik studiert haben.
Wir leben in einer fucking Twighlight Zone der medialen Stillen Post.
Als ich zu diesem Projekt U.M. gedrängt wurde, musste ich erschrockenen Menschen erklären, dass das, was sie in den Nachrichten lesen, zu locker 95% abgeschrieben ist. Und anstatt aktuelle Meldungen zu erklären, verschwende ich inzwischen meine Zeit damit, irgendwelchen medialen Hirnschiss zu widerlegen. Tag für Tag. Eine niemals endende Hirnschissmaschine.
...und dann noch empört tun, wenn die Medien immer mehr Vertrauen verlieren.
Die Tagesschau titelt „Flugzeugträger abgezogen“, weil die Enterprise verlegt wurde.
Was stattdessen passiert ist: Die Eisenhower wurde ins Mittelmeer verlegt, was auf eine bevorstehende Bodenoffensive im Libanon hindeutet. Während die Ablösung der Roosevelt schon wieder Angriffe gegen die Huthi fliegt. Mal ganz abgesehen davon, dass beides Verbände sind, die jeweils größer sind als die gesamte scheiß Streitkraft von Belgien. Und den Libanon einebnen könnten.
Nicht „weniger Krieg“, sondern „mehr Krieg“ und „mehr Tote“ ist die Nachricht. Und ich bin sicher, die Redakteurin in Berlin, die diese Schlagzeile geschrieben hat, ist sich keinerlei Schuld bewusst. Weil sie absolut keine Ahnung von Krieg und Militär hat.
Das ist nicht schlechte Information, das ist Desinformation.
Und gäbe es nicht Social Media, OSINT und MilBlogger wie @Inclutus @AlexvB___ @BrennpunktUA oder mich (und viele andere!), wüssten die Menschen kaum etwas darüber, was tatsächlich passiert. Ohne uns überzubewerten.
Danke für den Job, „Mainstreammedien“. In eurer Lücke lässt sich gut arbeiten.
Nein, ich mache mich nicht angreifbar Herr Gathmann. Es ist mir zutiefst fucking scheißegal, was mit den Badegästen bei Sewastopol passiert ist. Und würden dort noch weit mehr sterben, hätte ich keine Sekunde Schlaflosigkeit. Ich freue mich nicht und finde Feixen ekelhaft rudimentär. Aber ich empfinde nichts.
Guckst du in den Badestrand, guckt der Badestrand irgendwann in dich. Tel Aviv, wie der Franzose sagt.
Gathmann hat nicht viel falsch gemacht. Er ist nur ein Paradebeispiel dafür, wie unfähig unsere Gesellschaft nach 75 Jahren Frieden ist, mit der Unbedingtheit von Krieg umzugehen.
Egal ob Alte, Frauen, Kinder, Schwule, Behinderte: Wenn der Krieg kommt, kommt er zu allen. Krieg diskutiert nicht. Krieg kennt keine Individuen, nur Gruppen und Ziele. Und wenn etwas schief läuft, ist das kein „Upsi“. Über Leben und Sterben entscheiden Menschen, die hunderte Kilometer weg sind. Und Sterben ist noch zufälliger als sonst.
Sich an der Vorstellung von zivilem Recht und Individualismus festzuhalten ist verzweifelte Wohlstandsverwahrlosung.
Und bevor jetzt wieder einer meint, mit mir über Nebelkerzen, Nebenkriegsschauplätze oder Nickeligkeiten zu debattieren: Das ist hier eine Meinungsäußerung, ihr kognitiv Teilmöblierten.
Ich betrinke mich jetzt. Und dann arbeite ich weiter am nächsten Newsletter. Die Leute haben nämlich ein Recht darauf, informiert zu werden.
Ohne dass man erstmal überflüssig Zeit damit verschwendet jedesmal zu erklären, wie scheiße Krieg ist und wie Leid einem alles tut.
Ein bisschen weniger Gefühligkeiten, Blümchenstreuen und Kumbaya bitte.
Würdet Ihr Euren Job machen, Herr Gathmann, gäbe es uns nicht.
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Mitleid ist alles, womit die Palästinenser argumentieren können.
Hinterfragt man das, entzieht durch Fakten das Momentum des Mitleids, wird man angegriffen und beleidigt.
Vorhersehbar und kein Grund für Aufregung.
Faszinierend ist nur, dass die Menschen urteilen über das, was ich tue, ohne überhaupt zu wissen, was ich tue.
Der Kern meiner Tätigkeit ist Medienmeldungen zu hinterfragen und für Laien verständlich zu erklären. Das Mittel meiner Wahl ist die Auswertung, da ich in meinem vorherigen Leben Luftbildauswerter war.
Wenn jemand etwas von „Kriegsverbrechen“ Israels erzählt, ist inzwischen meine Standardantwort, er möge bitte drei konkrete Kriegsverbrechen nennen. Mir ist eines bekannt und ein mögliches.
Das Problem daran ist, dass die meisten Menschen weder so genaue Informationen haben, noch überhaupt wissen, was ein Kriegsverbrechen ist.
Gestern hatten wir wieder so einen Fall.
Eine Kommentatorin meinte, ich wolle Kriegsverbrechen schönreden. Worauf ich die Frage stellte.
Als Antwort kam das übliche sie sei nicht mein Google, etwas von „zu Tode gefolterte Ärzte“ und ein Artikel der Haaretz.
So weit, so üblich.
Zumindest über das letztgenannte Verbrechen hast du doch damals einen wie immer schwach recherchierten Text geschrieben, dessen Schlussfolgerungen heute unhaltbar sind“
Oha, Konkretes.
Soweit wagen sich wenige vor.
Gehen wir es durch.
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Zunächst ist auffällig, dass Englische Begriffe evrwendet wurden. Geschenkt.
Zu dem „Mehl Massaker“ habe ich zwei Artikel veröffentlicht, inklusive einer Auswertung am 02.03.2025.
Ich kam vor allem aufgrund der Infrarot-Aufnahmen zu dem Schluss, dass die Angaben der Hamas, dass 104 Menschen getötet und etwa 760 verletzt worden wären, schlicht absurd sind.
Die LKW des Hilfskonvois wurden in unmittelbarer Nähe von israelischen Merkava Kampfpanzern, die den Konvoi wohl überwachen oder gar schützen sollten, überrannt und geplündert. Ein Palästinenser wurde überfahren, mindestens ein Fahrer aus der Fahrerkabine gezerrt.
Die naheliegendste Erklärung (Ockhams Rasiermesser) ist, dass Palästinenser sich den Panzern genähert haben und diese dann zum Selbstschutz Feuerstöße mit dem MG abgaben.
Ein völlig normaler Vorgang, auch in der Bundeswehr wird so etwas trainiert.
Die IDF sprach von 10 Verletzten und Verwundeten, was ich aufgrund der Quellen für wahrscheinlicher halte.
Bei dem angeblichen „Zelt-Massaker“ ist es etwas komplizierter zu finden. Zugegeben.
Ich wusste nicht einmal, dass man es so nennt.
Bereits in der Nacht hatte ich einen kurzen Bericht verfasst.
Die Tagesschau übernahm eine Meldung des Roten Halbmondes, nach der Zelte in einer humanitären Zone beschossen worden seien.
Durch die Medien ging auch, dass ein Lager der UNRWA bombardiert worden sei.
Im Oktober hatte ich bereits zwei Debriefings zum Schlagabtausch Iran-Israel veröffentlicht.
Das ist dieses Mal weit komplexer.
Daher erkläre ich ad hoc mal den Hintergrund, der meiner Meinung nach wichtig ist, zu verstehen. Dann versteht man sicher auch, wie absolut realitätsfremd es ist, wenn einig noch von der Zerstörung Israels phantasieren. Und was wir in den Handyvideos sehen.
Die Region wurde in der Antike oft „Pars“ genannt. Die bis heute größte Bevölkerungsgruppe sind die Parsen, die Perser. Die persische Sprache wird daher auch „Farsi“ genannt.
Die Region wurde von den dort Lebenden schon zur gleichen Zeit „Iran“ genannt. Das wurde 1935 offizielle Bezeichnung des Staates, um die anderen Ethnien zu inkludieren.
Der Iran gehört nicht zu den arabischen Ländern.
Vorher regierte der Schah. Wie der an die Macht gekommen ist, wird Stoff für einen anderen Beitrag sein. Das Land war sehr westlich orientiert, es gibt viele Fotos aus der Zeit von Iranerinnen mit den typischen 70er-Jahre Miniröcken.
Ab 1963 kam es zu islamischen Unruhen und Aufständen, angeführt von Ruhollah Chomeini, später bekannt als Ayatollah Khomeini. 1979 kam es dann zur islamischen Revolution. Der Schah wurde abgesetzt, viele Anhänger des „westlichen“ Systems flohen.
Daher sind sie hier nie groß aufgefallen und öffentlich thematisiert worden, weil sie „gut integriert“ sind. Sie waren ja „westlich“ orientiert. Zur Abgrenzung bezeichnen sie sich selber daher nicht als Iraner, sondern als Perser.
Ein Grund für die Gegenwehr waren u.a. die Frauenrechte und die Alphabetisierung, also dass jeder Lesen und Schreiben lernen sollte. Das sahen die Radikalen als Angriff auf den Islam.
Alle Konflikte in der Region haben diesen Hintergrund. Nicht, weil der Iran nicht arabisch ist oder weil es Schiiten und die anderen Sunniten sind. Sondern vor allem, weil der Iran eine Theokratie ist, Staatschef ist der religiöse Anführer (Ajatollah).
Die tatsächliche Macht ist aber die Keimzelle des Islam Saudi-Arabien, das aber weltlich vom Haus Saud regiert wird. Jemen, Hisbollah, Gaza, Syrien, IS…
Der Iran hatte vorher natürlich auch seine Waffen im Westen gekauft. Damit war bei dem neuen Regime Schluss.
Heute hat der Iran zwar etwas Geld. Aber niemand will ihm Waffen verkaufen, zumindest nicht im entsprechenden Umfang. Also muss er vieles selber produzieren und improvisieren.
Zunächst hat der Iran mehr als doppelt so viele Soldaten wie die Bundeswehr. Aber ein Militärbudget von bummelig 10 Milliarden. Was der Hälfte der Niederlande entspricht. Ein Land, das etwa 40-mal in den Iran passt. Was bedeutet, dass die Verteidigung viel weiter auseinandergezogen ist.
Masse statt Klasse. Soldaten sind – noch dazu in einem Regime – preiswerter als Flugzeuge.
Der heutige Iran hatte nie Geld für größere Anschaffungen. Weshalb er keine Möglichkeiten hat, seine vielen Soldaten irgendwohin zu bringen.
Zum Beispiel hat er ein altes Containerschiff gekauft und es zum Hubschrauberträger - vor allem für Drohnen - umgebaut: Die Shahid Bahman Bagheri.
Zwischen dem Iran und Israel liegen der Irak und vor allem Jordanien. Und das jordanische Königshaus, ebenfalls weltlich und eher westlich orientiert, beteiligt sich an den Abwehrmaßnahmen Israels.
Der Iran hat also gar keine Chance, irgendwie nach Israel zu kommen. Nicht einmal mit einer Kamel-Karawane durch die irakische Wüste.
Die Luftwaffe des Irans besteht daher immer noch aus altem, westlichem Zeug.
Gut, das Alter an sich spielt nicht die entscheidende Rolle, die USA haben noch Tanker aus den 1950ern. Aber die Technik wurde nie modernisiert. Ging ja nicht.
Die Kampfflugzeuge bestehen vor allem aus amerikanischen Phantom, die ursprünglich für den Koreakrieg gebaut wurden, chinesischen Chengdu Abfangjägern aus den 1960ern, französischen Mirage F1, immerhin aus den 1970ern und ein Geschwader russischer MiG 29, die Deutschland, von der DDR übernommen, schon vor 20 Jahren an Polen verschenkt hat, das diese jetzt modernisiert an die Ukraine verschenkt.
(Bild: Iranische F-5, Erstflug 1952, seit 1987 nicht mehr produziert, 2006)
Es war also naheliegend, dass der Iran in Raketen investiert. Diese sind immer noch preiswerter als eine neue Luftwaffe – Russland würde als Lieferant eh gerade ausfallen – und man kann damit schön auf dicke Hose machen.
Das Problem ist, dass diese auch überwiegend veraltet sind.
Darüber hilft der Iran (wie Russland) sich hinweg, indem er die israelische Flugabwehr mit billigen Shahed Drohnen versucht zu überlasten. Was aber auch nicht so ganz funktioniert.
Deshalb hat der Iran Geld in die Hand genommen und in ballistische Mittelstreckenraketen investiert, beispielsweise die Ghadr-110. Ballistisch bedeutet, die steigen steil sehr hoch, fliegen dort oben dann mit weniger Widerstand, und stoßen dann auf Israel runter.
2022 hat der Iran auch die Fattāh in Dienst gestellt, eine Hyperschall-Rakete. Da sie aber ballistisch ist, wird sie vermutlich eh Hyperschall erreichen. Etikettenschwindel. Und vermutlich sind das die Dinger, die wir in Social Media Videos in Israel einschlagen sehen.
Was immer noch sehr wenige sind. Wenige gefeuerte und noch weniger, die durchkommen. Was auch nahelegt, dass der Iran nicht sehr viele davon hat.
Und dadurch erklärt sich das Bild, das sich derzeit abzeichnet:
Der Iran feuert Raketen auf Wohngebiete. Weil er gar nicht anders kann.
Auf Wohngebiete zu feuern ist in weiten Teilen der Welt völlig legitim, auch durch Russland bereits in Syrien.
Er hat aber wohl gar nicht die Kapazitäten, um das israelische Militär anzugreifen. Weil Flugplätze wie Ramon oder Nevatim, im Süden in der Wüste, natürlich extra geschützt sind.
Das Regime kann ja gar nicht anders. Es muss Stärke zeigen, vor allem nach innen. Die Lösung ist Raketen auf Wohnhäuser zu schießen.
Umgekehrt hat Israel aber inzwischen die Lufthoheit über dem Iran. Es greift Basen und Stellungen an. Mehr, als ich in einem Jahr aufzählen und prüfen könnte.
Und weil der Iran in seiner Zwickmühle nun doch Zivilisten angegriffen hat, ist Israel auch dazu übergegangen, die Ölindustrie zu zerstören.
Manchmal werden mir hellseherische Fähigkeiten zugesprochen, die plötzlich einfach nur logisch erscheinen, wenn man den Hintergrund kennt.
Also schaue ich nochmal in meine Glaskugel:
Die Angriffe auf Israel werden schwächer und schwächer werden.
Wie hart das iranische Regime tatsächlich getroffen wurde, wird sich erst mit einiger Zeit sagen lassen. Denn die Raketen-Angriffe sind ja nur das Aushängeschild; das, was der Iran am besten und wohl auch als einziges kann.
Und jetzt soll mir bitte nochmal jemand erzählen, dass der Iran Uran waffenfähig anreichert, aber keine Vorbereitungen hatte, es für die schönen neuen Hyperschall-Fattāh zu verwenden. Ich ziehe mir derweil den Hut mit dem Hammer auf.
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▶️ Am vergangenen Freitag, 16.05.25 berichten viele Medien, dass Israel am 13.05.25 einen Luftangriff auf das europäische Krankenhaus in Chan Yunis durchgeführt hat.
Aufmacher der Nachricht war, dass die „letzte Krebsklinik“ im Gazastreifen schließen musste.
Was u.a. von WHO-Chef Tedros Ghebreyesus sofort kritisiert wurde.
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Bemerkenswert ist, dass es keine Bilder der Zerstörung des Krankenhauses zu geben scheint.
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Ich habe das zur Auswertung geprüft, um abgleichen zu können, wo welche Zerstörung zu erkennen ist. (Wirkungsbilder)
Auch für die Presse gibt es scheinbar keine Bilder, die so etwas zeigen würden. Ich habe viele Presseberichte, Luftbilder und Datenbanken für Stock Medien geprüft.
Kurzauswertung: Israel bombardiert Flüchtlingscamp
Auf Social Media wird ein Video verteilt, das zeigen soll, dass Israel das Flüchtlingslager al-Mawasi bei Chan Yunis bombardiert hat.
Was ein Soldat dort sieht, ist etwas anderes, als ein Laie sieht.
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Zunächst ist bemerkenswert, dass sich darüber weder eine Pressemeldung noch entsprechendes Bildmaterial finden lassen. Nur dieses Video, das am oder kurz vor dem 14.04.25 entstanden sein soll.
Eine Meldung arabischer Medien vom 11.04. besagt, dass bei einem Drohnenangriff auf al-Mawasi zwei Zivilisten getötet worden seien.
Bei diesem Video handelt es sich jedoch nicht um einen Drohnenangriff.
Al-Mawasi ist die humanitäre Schutzzone, die Israel zugeordnet hat. Immer wieder verstecken sich dort auch hochrangige Mitglieder der Hamas. Häufig in Tunneln und Bunkern.
Dadurch verliert die Schutzzone ihre Immunität.
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So auch die Nummer 2 der Hamas im Gazastreifen und Befehlshaber der Qasam Brigaden, Mohammed Masri „Deif“.
Wer es noch nicht gemerkt hat: Ich bin nicht nur ehemaliger Soldat. Sondern auch ein krankhafter Logik-Fanatiker.
Ich habe über Jahre mein Geld u.a. damit verdient, als Fachjournalist Studien zu prüfen und daraus gezogene Schlussfolgerungen und Schlagzeilen zu widerlegen.
Vermutlich bin ich eine Reinkarnation von Descartes oder Aristoteles oder so einem Freak.
Nicht „die“ Reinkarnation. Nur eine. So'n Bruchteil. Mehr so obenrum. Ein empfindsamer Nerd gefangen im Körper einer bulgarischen Gewichtheberin.
Gestern kam ich in eine Diskussion mit dem X-Account @MIGO_Offiziell, der meinte, die Ukraine verliert „jetzt gerade“ den Krieg. Da habe ich natürlich nett nachgefragt, wie er darauf kommt.
Die Antwort war vorhersagbar: Weil er diese oder jene selektiven Infos dazu hätte.
Wobei er im Profil angegeben hat „Data Analyst“ zu sein und eigentlich Confirmation Bias und solche Verzerrungen kennen müsste.
Andere Nutzer beschimpften ihn gleich als „Russen-Troll“. Was ich ablehne, wenn ich nicht sehr sicher bin.
▶️ Abends postete er dann in dieser Diskussion ein Diagramm. Das zeigt, wie viel Raumgewinn die Russen in der Ukraine seit Dezember 2022 gemacht haben. Das sieht wirklich dramatisch aus.
Also habe ich nach der Quelle gefragt. Er gab an, er habe sie selber erstellt.
Nur fürs Protokoll: Eine Privatperson, die sich die Daten eines besetzten Gebetes zieht und daraus ein Diagramm erstellt… Also selbst ich habe in meiner Freizeit besseres zu tun. Am Ende von Rolltreppen stehenbleiben oder sowas.
Dürft Ihr mit mir nicht machen, sowas. Ich war getriggert.
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Ich Depp habe mich also nachts hingesetzt, und einen eigenen Graphen mit den gleichen Daten erstellt.
Da habe ich Spaß dran. Und wollte eh noch etwas arbeiten.
Ich habe die Daten nur grob übernommen. Da es nur um die Relation geht und um die Verzerrung.
Als Beweis einmal die gleichen Daten – vereinfacht – in meinem Diagramm.
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Das Problem ist jetzt, dass die Daten nur von Dezember 2022 bis Oktober 2024 gehen.
Russland hat die Ukraine aber im Februar 2022 überfallen.
Man muss die Waagerechte also verlängern, um eine zuverlässige Relation zu bekommen. Denn Russland hatte ja auch ganz viel erobert und dann wieder verloren.
Hinzu kommt, dass die Krim und Teile des Donbass ja schon seit 2014 besetzt waren. Macht man die Achse aber so lang, kann man kaum noch etwas erkennen.
Von 2014 bis 2022 hat sich aber nicht viel geändert. Also kann man sie ruhig im November 2022 abschneiden.
Was dadurch passiert, ist recht einfach:
Zum einen ist zu sehen, wie viel Gebiet Russland schon erobert und verloren hatte. (Quelle: Statista)
Und zum anderen wird die Linie gestreckt. Und plötzlich sieht das alles gar nicht mehr so dramatisch aus.
Es sind aber die gleichen Daten, versprochen!
Fast genau um fünf Uhr hat es mich wieder an die Tastatur getrieben.
Früh war ich eingenickt und konnte nicht wieder einschlafen. Gelangweilt scrollte ich durch die Accounts. Und dabei fiel mir ein Posting ins Auge, dass mich stutzig gemacht hat.
Und es wurde immer schlimmer. Aber gehen wir es durch.
Der Account „Dr. Yousef Gaza“ @Yousef_Gazaa postete vor vier Tagen das Bild einer von Leichen umringten „Pressekonferenz“. (Bild 1)
Das Motiv ist mir gut bekannt.
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Am Abend des 17. Oktober detonierte ein Flugkörper am al-Ahli Krankenhaus in Gaza.
Das von der islamistischen Terrororganisation Hamas geleitete Gesundheitsministerium veröffentlichte sehr schnell, bei diesem angeblich israelischen Angriff „auf“ ein Krankenhaus seien 471 Menschen getötet worden.
Die Medien weltweit übernahmen diese Meldung unkritisch. Weltweit kam es zu Protesten und Demonstrationen.
Schon früh am nächsten Morgen waren Pressefotos zu kaufen. Anhand derer ich das noch vor den großen Medien ausgewertet habe. Und nachweisen konnte, dass diese Geschichte – bei aller üblichen Vorsicht – schlicht gelogen ist.
Ein kleiner Flugkörper war auf einem Angestelltenparkplatz hinter dem Krankenhaus detoniert. Zwei Nebengebäude waren dabei leicht beschädigt, aber kaum oder gar nicht zerstört worden.
Während ich das schrieb (und später leider nur auf der Facebook Fanpage veröffentlichte, Bild 2), veröffentlichten die IDF Luftbilder (Nachtsicht) kurz vor und nach der Detonation. Sie zeigten nicht nur, dass der Parkplatz menschenleer war. Sondern stützten auch die sehr geringe Zerstörung.
Durch auf Social Media veröffentlichte Videos, die Anflug und Einschlag zeigten, kam kurz danach heraus, dass es sich um eine fehlgeleitete Rakete der Palästinenser handelte. Die Richtung des Beschusses konnten mit dem Luftalarm der vorherigen Nacht abgeglichen werden und legten nahe, dass es sich um eine selbstgebaute Rakete des Islamischen Dschihad gehandelt hatte.
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Das von dem Account veröffentlichte Bild zeigt die „Pressekonferenz“, die von den Ärzten noch in der Nacht gegeben wurde.
Dazu hatte man Leichen positioniert und Kinderleichen offen präsentiert.
Das Motiv ist mir deshalb als Sinnbild verhaften geblieben, weil es die erste Demonstration der Hemmungslosigkeit der Hamas-Propaganda des Krieges repräsentierte.
Dreht man den Winkel der Szenerie nur ein wenig, sieht man außerhalb des Motivs einen Offizier der Hamas stehen. (Bild 3)
Erwähnenswert ist hierbei, dass alle Ärzte vom Gesundheitsministerium der Hamas bezahlt wurden.
Inzwischen wurde beispielsweise auch nachgewiesen, dass einige der im Juni befreiten Geiseln von dem Journalisten Abdullah Aljamal im Haus seines Vaters Dr. Achmed Aljamal gefangen gehalten wurden, der selber Arzt war.
Chronologie und Auswertung dazu :
Der Leiter des Krankenhauses Mohamed Abu Salmiya, der kurz zuvor noch/auch im al-Shifa Krankenhaus (siehe unten) tätig war, wurde im Dezember festgenommen, als er mit Familienangehörigen versuchte, den Gazastreifen in einem UNRWA-Konvoi zu verlassen. Inzwischen wurde er wieder freigelassen.
Im Juli 2006 wurden neun Familienmitglieder des Abu Salmiya Clans bei einem Luftschlag getötet. Mindestens zwei der Getöteten waren hochrangige Mitglieder der Hamas (Nabil und Salwah). Das Gebäude wurde angegriffen, weil sich der inzwischen ebenfalls getötete Mohammed Deif dort aufgehalten haben soll.