Was wir gerade in den #USA erleben ist nichts weniger als die Anwendung von #Friedmans Schock-Doktrin auf das eigene Land. Was heißt das?
Ein Thread 👇/1
Ökonomen wie Friedman, Hayek und die daraus hervorgegangen Thinktanks haben vertreten bzw. vertreten eine radikale Ideologie, wonach der Wohlfahrtsstaat ein systemischer Fehler ist und streben danach, ihn komplett zu zerstören, d.h. zu privatisieren. /2
Sie glauben nicht daran, dass das durch inkrementelle, demokratische Reformen gelingen kann. Stattdessen sehnen sie große Krisen herbei, während denen die Bevölkerung regressiert und empfänglich für eine 'Neuprogrammierung' ist. /3
Die USA haben das über Jahrzehnte rund um den Globus ausgetestet, in Chile, im Irak & in anderen Ländern. Shock & Awe ist wohl die bekannteste Ausprägung der Doktrin. Sie besagt schlicht, dass sich radikale Änderungen durchsetzen lassen, wenn die Menschen unter Schock stehen. /4
Anhänger dieser Ideologie schwadronieren deshalb gerne vom Bevölkerungsaustausch, Kollaps der Weltwirtschaft und und und... kommt bekannt vor? Jepp. Diese Doktrin treibt auch die MAGA-Bros an. Musks Bemerkung, die Bevölkerung solle sich auf 'Temporary Hardship' einstellen... /5
...kündigt nicht weniger als einem Ausnahmezustand an, während dem es einen 'System-Reboot' geben soll. Namentlich nicht weniger als die komplette Auflösung des öffentlichen Sektors. Dafür reichen aber vermutlich die bestehenden Krisen nicht aus... /6
Die Inflation ist rückläufig, die Beschäftigung gut. Wir können daher damit rechnen, dass die Trump-Administration es auf eine noch größere Krise anlegt, um den Sozialstaat zu beseitigen: Und zwar nicht weniger als den Staatsbankrott, der eintritt, wenn die Schuldendecke... /7
... Anfang nächsten Jahres nicht erhöht wird. Das hatte katastrophale Folgen, nicht nur für das Land, sondern für die gesamte Weltwirtschaft. Die Radikalen um Musk glauben aber, dass es dieses kataklysmische Event benötigt, um einen Neuaufbau zu beginnen. /8
@davetroy hat dieses Szenario beängstigend in folgendem Artikel beschrieben. Die Auswirkungen wären absolut dramatisch und angesichts der Lage könnte die Administration in Grund und Boden privatisieren. #Milei lässt grüßen. /f
1/ Gestern habe ich über die Hintergründe von Jens Winter geschrieben, über seinen Szenenwechsel, frühere antideutsche Sozialisation und seine heutigen identitären Deutungen. Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf einen weiteren Text, weil er eine wiederkehrende Methode zeigt
2/ Der Artikel setzt zunächst eine belegbare Tatsache als Anker. Stefan Wisniewski, verurteilter RAF-Täter, wohnt im selben Haus wie eine weitere Person. Dieser harte Fakt ist überprüfbar. Er schafft Vertrauen und bildet den Boden, auf dem die Deutung aufbaut.
3/ Dann passiert der entscheidende Schritt. Der zweite Bewohner wird als "Vordenker der Vulkangruppe" bezeichnet. Genau hier wird der harte Fakt semantisch geöffnet. Vordenker ist kein definierter Status, keine Mitgliedschaft, keine Funktion, sondern ein Deutungslabel.
Zur Causa "Jens Winter", früher antideutsche Szene, jetzt mit völkischem Vokabular bei Nius.
Ein Thread, der auch die Dichotomie Links-Rechts etwas relativiert und aufzeigt, warum die Grenzen mitunter fließend sind.
(Anlass war sein gestriger Tweet)
👇
1/ Der interessante Punkt an Jens Winter ist eben nicht der einzelne Tweet, sondern der Weg dorthin.
Jemand, der lange aus einem antideutschen Milieu kam, schreibt plötzlich bei Nius - und benutzt prompt Vokabular, das eindeutig ethnisch aufgeladen ist.
2/ "Bevölkerungsgruppen", "Weiße", "Fortpflanzung", "die Deutschen":
Das sind keine zufälligen Begriffe. Das ist ein Denken in Kollektiven, Biologie, Demografie. Unabhängig davon, wie der Autor sich selbst politisch verortet
1/8 Wer Vius/NIUS verstehen will, sollte aufhören, es wie ein normales Medienunternehmen zu betrachten. Die zentrale Kategorie ist nicht Wirtschaftlichkeit, sondern politischer Zweck: Einfluss, Agenda-Setting und die Stärkung rechtspopulistischer Kräfte im deutschsprachigen Raum.
2/8 Unter dieser Prämisse sind die massiven Verluste (Bilanz 2023) kein Betriebsunfall. Sie sind der kalkulierte Preis für politische Kommunikation. Vergleichbar mit Wahlkampfbudgets, Vorfeldorganisationen oder strategischer PR - nicht mit Startups, die auf Profitabilität zielen.
3/8 Die oft gestellte Frage "Warum verbrennt man so viel Geld?" greift deshalb zu kurz. Die relevante Frage lautet: Wie viel Diskursverschiebung, Reaktionszwang und Normalisierung bestimmter Narrative lässt sich pro investiertem Euro erzeugen?
Der #ÖRRBlog gibt sich als kritischer Beobachter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Reichweitenstark, meinungsstark, scheinbar journalistisch. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn bei Struktur, Agenda und Netzwerken häufen sich Widersprüche. 👇
1/ Der #ÖRRBlog inszeniert sich als Watchblog. Faktisch betreibt er aber dauerhafte politische Kampagnen gegen den ÖRR. Das beinhaltet selektive Skandalisierung, klare Narrative und kaum symmetrische Medienkritik. Mit Journalismus hat das nichts zu tun.
2/ Zentraler Punkt, den man beleuchten muss: die Kooperation mit der Denkfabrik #R21.
R21 ist politisch klar positioniert, als gemeinnützig anerkannt und staatlich gefördert. Gleichzeitig dient der ÖRRBlog als reichweitenstarker Verstärker exakt dieser politischen Linien.
Wir stehen vor einem systemischen Paradox: Presse- und Meinungsfreiheit sind unverzichtbar. Gleichzeitig untergraben soziale Medien durch Hass, Desinformation und Propaganda genau die Demokratie, die diese Freiheiten schützt. Das Problem ist strukturell, nicht moralisch. 👇 1/8
Meinungsfreiheit schützt das Sagen, nicht die algorithm. Verstärkung. Das Grundproblem ist Reichweite: Ein Post erreicht heute Millionen, ohne journalistische Verantwortung, redaktionelle Kontrolle oder Kontext. Freiheitsrechte wurden nie für diese Machtverhältnisse gebaut. 2/8
Die falsche Debatte lautet deshalb: Zensur oder Nichts-tun. Das ist eine Sackgasse. Die richtige Frage ist: Wie regulieren wir Wirkung, ohne Inhalte zu verbieten? Demokratie scheitert nicht an Meinungen, sondern an einer ungebremsten Massenwirkung. 3/8
Das aktuelle US-Auftreten ist kein Ausrutscher, sondern knüpft radikal und ideologisch an alte Denkmuster an. Hier mal ein kurzer historischer Abriss darüber, wie aus "The Americas" eine US-Einflusssphäre wurde - und warum das Trump/Vance-Regime daran anknüpft. 👇🧵
Um das heutige Verhalten der USA zu verstehen, muss man zurückgehen. Seit dem 19. Jahrhundert existiert die Vorstellung, dass der amerikanische Doppelkontinent einen besonderen politischen Raum bildet, getrennt von Europa, aber nicht gleichberechtigt organisiert. 1/7
Diese Idee wurde unter dem Begriff "The Americas" gefasst. Gemeint war nie ein gemeinsames Projekt, sondern eine Einflusssphäre: Europa sollte draußen bleiben, die USA die ordnende Macht sein. 2/7