Diejenigen, die in einem deregulierten Markt ohne staatliche Vorgaben und Beschränkungen die meisten Profite machen, haben natürlich ein Interesse, diese Vorgaben loszuwerden.
Dieselben Vorgaben und Beschränkungen schützen zugleich diejenigen, die auf einem solchen … /1
… Markt, auf dem das Recht des Stärkeren regiert, die Schwächeren und Schwächsten sind.
Das historische Beispiel zeigt, was passiert, wenn sich die ökonomisch Stärksten mit ihren Interessen durchsetzen. Die wenigen, die am meisten haben, haben dann den meisten politischen …/2
… Einfluss, während die Schwächsten auch am schwächsten repräsentiert sind.
Diejenigen Institutionen, über die der Souverän – das gesamte Volk eines Staates, nicht nur ein selbstdefinierter ‚Mittelstand‘ von ‚Bürgern‘ – die Ambitionen seiner wohlhabendsten Mitglieder … /3
… kontrollieren und dem Gemeinwohl zuführen kann, sind die funktionalen Aufgabenbereiche des Staates: Ministerien, die über die Einhaltung bestimmter Grenzbedingungen wachen und der Verwaltungsapparat, der die prinzipielle rechtliche Dokumentation besorgt. /4
Entsprechend haben diejenigen, die von einer Deregulierung profitieren, ein Interesse daran, diese staatliche Kontrolle aller – die über das parlamentarische System bestimmt wird – einzudämmen.
Bisher gab man sich damit zufrieden, Lobbyisten einzusetzen und Politiker:innen …/5
… zu unterstützen, die sich für Lobbyismus – d. h. Interessenvertretung – beeinflussbar zeigen. Wem es nur um den eigenen Profit und Vermögenserhalt geht, der nutzt jede sich ihm bietende Möglichkeit – von Politikerbeeinflussung bis Steuerschlupflöchern. /6
Natürlich ist ein so umfangreiches und komplexes System wie eine republikanische Demokratie vom Zuschnitt der BRD auf unzählige Weisen unzulänglich, suchen alle möglichen Akteure nach Möglichkeiten, vom Staat selbst zu profitieren. Ein moderner Staat ist alles andere als … /7
… perfekt.
Es ist nicht neu, dass die vermögenden Wenigen versuchen, sich den Staat zur Beute zu machen – diese Versuche gibt es, seitdem es moderne ökonomische Systeme gibt.
Es ist aber aktuell, dass sich diese Vermögenden nicht mehr mit Lobbyismus zufrieden geben. /8
Gestützt durch die Rhetorik, die in Krisen immer floriert, setzen einflussreiche, mächtige, reiche Individuen – oder deren Aushängeschilder – nun um, was in der Fantasie der libertären politischen Utopie seit den 1950ern vor sich hin gekocht hat oder stehen unmittelbar davor: /9
Den Einfluss aller auf das Mittel der eigenen Profitmaximierung – den deregulierten Markt – staatlicherseits zu beschneiden. Und dabei geht es nicht um das, was sich der Normalbürger unter ‚Markt‘ vorstellt, wo Güter gehandelt werden: /10
Es geht um eine soziale Revolution. Bildung, Gesundheit, Umwelt – all die Bereiche, in denen der Staat auf der Bremse steht, um die Effekte eines unkontrollierten Marktes auf die Schwächsten zu verhindern oder zumindest abzumildern, stehen nun zur Diskussion. /11
Die libertäre Rhetorik stellt die staatliche Kontrolle aller, weil sie mittelbar ist, über den parlamentarischen Umweg funktioniert, als bloße unnötige Bürokratie dar. Hinter dieser Bürokratie stecken beliebige Feindbilder – und man kann natürlich auch an der real … /12
In Deutschland war einer der größten Coups der Marktliberalen die Durchsetzung der ‚Schuldenbremse‘. Deswegen war einer der zentralen Spins der Liberalen der ‚Schuldenberg‘ des Staates …/13
… und ist aktuell diese ‚Schuldenbremse‘ das, worauf sich Liberale vor allem beziehen.
Diese ‚Schuldenbremse‘ hat den Staat als Investitionskonkurrenten wenn nicht in manchen Fällen ausgeschaltet, so doch erheblich behindert.
Das führt zu einem Double-Bind: /14
Investiert der Staat in die Bereiche, die brach liegen, verschwendet er das Geld der zukünftigen Generationen. Tut er es nicht, behindert seine Bürokratie offenbar die effiziente Umsetzung seiner Aufgaben.
Mit diesem Argument wird der Staat zur Geisel der libertären … /15
… Aktivisten. Er liefert egal was er tut immer mehr Evidenz dafür, dass ein grundlegender Systemwechsel Not tut.
Die Parteien haben dabei von der AfD gelernt, dass es im Zeitalter des Internets nicht mehr auf Sachverhalte ankommt, um Mehrheiten zu gewinnen. /16
Es kommt auf Ressentiments an. Mit Ressentiment machen auch die politisch ausgerichteten Zeitungen und Zeitschriften Auflage und Klickzahlen, um ihren Konzernvorgaben zu genügen.
Kultiviert wird deswegen der Gegensatz von ‚rechts‘ und ‚links‘, die jeweils als bedrohliche … /17
… Buhmänner an die Wand gemalt werden. Denn: Es geht um die Stimmen der meisten. Auch die Vermögenden und ihre Parteien wissen, dass sie eine zumindest demokratische Legitimation benötigen.
In all dem Chaos, das diese Rhetorik anrichtet, muss man sich aber klar vor Augen …/18
… halten: Trotz aller negativen Aspekte schützen die staatlichen Institutionen die vielen Machtlosen vor den wenigen mit Macht. Und sie sollen dazu überredet werden, diesen Schutz aufzugeben – und sich selbst polizeilich zu disziplinieren. /19
Genau das bedeutet das Plädoyer für einen ‚schlanken Staat‘, in dem nur ‚Militär, Justiz und Polizei‘ sowie das – angepasste – Rechtssystem regiert:
Ein deregulierter Spielplatz für einen Markt, auf dem das Recht des Stärkeren regiert – und der von einem Staat … /20
… – also einem Gemeinwesen! – geschützt wird, der nach Gutdünken nach den Interessen dieser Stärkeren eingestellt werden kann – und in dem die Schwächeren und Schwächsten der Willkür dieser Stärksten ausgeliefert sind. /21 fin
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@D_Langenmayr @OrdoliberalBG @BachmannRudi Sie müssen da nichts „herauslesen“, nur lesen, was da steht. Das ist kein Jargon.
@D_Langenmayr @OrdoliberalBG @BachmannRudi @D_Langenmayr: Wenn Sie einmal nicht voraussetzen, dass die drei genannten Begriffe Fachsprache sind, bei denen man irgendwelche Unterschiede „herauslesen“ muss, ist‘s eigentlich ganz einfach:
@D_Langenmayr @OrdoliberalBG @BachmannRudi In der Philosophie verwendet man zwar Begriffe. Aber die haben nicht von vornherein eine theoretische Bedeutung in einem festgelegten Rahmen. Sie zeigen Probleme an, sind Problembegriffe; sie benennen etwas versuchsweise, um damit umzugehen.
@OrtmairAlias1 @BachmannRudi @OliverBWeber An all-encompassing general anthropology of self-interest, originally coined at the court of King Louis XIV.; a massive system of civic ressource control with centuries of hardships and deaths in the name of policies of liberation and efficiency; a world-wide system of …
@OrtmairAlias1 @BachmannRudi @OliverBWeber … colonialism, with massive land grabs, literally exploitation of unimaginable riches, completely devastating plagues, and military raids, all in the name of a liberal understanding of property and ownership; a legal system that‘s fundamentally based on property; …
@OrtmairAlias1 @BachmannRudi @OliverBWeber … centuries of anti-democratic propaganda that only ended recently, only under the massive pressure of a systemic alternative that could not be controlled; a quite bumpy way of introducing democracy which was met with massive resistance (dictatorships, oligarchies) …
@Drakarys_now @SimonPR_3 Ich bin nicht hier, um auf „Gesprächspartner einzugehen“ – schon gar nicht dann, wenn diese mir auf sachliche Widerrede nur polemisch antworten. Das ist schon wieder Ihr Maßstab, der halt nicht meiner ist. Mein Maßstab ist sachliche Diskussion. Ein „Philosophie-Seminar“ wird …
@Drakarys_now @SimonPR_3 … daraus genau dann, wenn man als 08/15-Twitter-Troll oder ideologiebewehrter Kulturkämpfer exakt jene fehlschlüssigen Mittel verwendet, um mich unsachlich öffentlich rhetorisch zu überwältigen, die ich qua Beruf untersuche. Wer das nicht tut, hat kein Problem mit mir. …
@Drakarys_now @SimonPR_3 Zu Ihrer Position; @Drakarys_now:
Die Idee, „dass es eine materielle Realität gibt, die unseren Begriffsschöpfungen vorhergeht“, ist weniger unproblematisch als die meisten annehmen.
Meint man damit einfach empirisch beschreibbare (!) Gegebenheit, die dann erfasst ist, …
Nein, Charlie Kirk ging es nicht um das „Ringen um das bessere Argument“. Er argumentiert aus logischer Sicht durchgehend rhetorisch, meistens sophistisch und nur selten sachlich.
Seine Argumentationstechniken entsprechen den typischen von biblischen Fundamentalisten – Evangelikale, Zeugen Jehovas usw. – und folgen der einfachen Regel ‚Provokation schafft Aufmerksamkeit – das Gegenüber macht den halben Weg selbst‘.
Mit ein bisschen Analyse bekommt man seine Taktiken kartiert und kann argumentative Gegenmaßnahmen ergreifen – eine Tatsache, der Sophisten aller Coleur mit der praktischen Weisheit ‚Pick your fights‘ begegnen. Oder sie ignorieren, weil sie sie überschätzen.
@mitodoc 1) Marx behauptet nicht, dass Arbeitsstunden eine „verlässliche Wertnorm liefern“. Es geht in Marx‘ Arbeitswertlehre nicht um eine einseitige ‚Objektivität‘ von Arbeitswert, sondern um den Ausdruck einer Differenz, die zugleich (!) subjektiv und objektiv sich ausdrückt:
@mitodoc Subjektiv darin, dass vom Arbeitenden die geleistete Arbeit auf eine Weise (!) bewertet wird, die nicht der Bewertung derselben Arbeit durch den Unternehmer entspricht, der ihn beschäftigt – objektiv darin, dass diese verschiedenen subjektiven Werte ständig manifestiert werden.
@mitodoc 2) Die Verschiebung dieser faktischen, sozial gegebenen Manifestation von Wert in das Extrem einer rein subjektiven Werttheorie ermöglicht es dem Unternehmer, so zu tun als wären a priori alle Marktteilnehmer mit der gleichen Freiheit ausgestattet. Die subjektive …
… Wissenschaft, *gegen* die eher ideologisch geprägte vorherige Tradition. Von Foucault bis Lyotard waren die positiven Wissenschaften ein *Vorbild*.
3. Es geht entsprechend in den Problemen ausschließlich um die Sache – das „Gefühl“ spielt als Kriterium keine Rolle. …
4. Statt einer „grundlegenden Skepsis gegenüber objektivem Wissen“ legten die Denker der später ‚Postmoderne‘ genannten Tradition ein geradezu überschwängliches Vertrauen in das objektive Wissen an den Tag. Das kann man in ihren Texten überall nachvollziehen.