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Dec 20 16 tweets 4 min read Read on X
Sowas hasse ich. Wenn Leute einfach mal so Zahlen droppen, die grob verdreht sind. Ihr müsst euch schon die Mühe machen zu eurer Meinung auch die PASSENDEN Fakten rauszusuchen. 1/15🧵
Fakt ist lt. Kassenergebnis des öffentlichen Gesamthaushalts, dass die Personalausgaben 2023 bei knapp 373 Mrd. lagen. In Prozent der Einnahmen sind das unter 21 % (Sozialversicherunsbeiträge wurden in dem Tweet unterschlagen). 2/15
Und es sind natürlich nicht nur die Beamten, sondern der gesamte öffentliche Dienst. Viel wichtiger aber: Es sind alle staatlichen Ebenen. Der Bund hat davon nur knapp 66 Mrd. und im Bundeshaushalt noch weniger und unter 10% der Ausgaben. 3/15 Image
Das ist ja auch logisch. Die ausführende Verwaltung (Polizei, Schulen, Finanzverwaltung etc.) ist in Deutschland größtenteils Länderverwaltung. Die Länder haben daher einen Personalanteil von 35% an ihren Ausgaben. Daran kann aber die nächste Bundesregierung wenig ändern. 4/15
Zum Aufwuchs. Die öffentliche Personalstatistik sagt von Mitte 2021 (vor Ampel) zu Mitte 2023 (neuer gibt es noch nicht) einen Aufwuchs von 174.000 Stellen. Schon recht viel. Beim Bund waren es aber nur 3.300. So doll hat die Ampel es also nicht getrieben. 5/15
Und längerfristig sieht das Ganze so aus. Nach einem Rückgang in den Nullerjahren gab es in den 2010ern einen deutlichen Aufwuchs. Der Bund alleine hatte aber auch 2023 noch 73.000 Stellen weniger als im Jahr 2000. 6/15 Image
Aber das woran man sich im Regelfall stört sind ja nicht Polizistinnen, Lehrer und Soldatinnen, sondern die sogenannte politische Führung. Nimmt man nur die Beamten in den Ministerien ist die Zahl vom Haushalt 2020 bis 2025 von 23.000 auf 26.000 gestiegen. 7/15
13% ist tatsächlich eine Steigerung die man kritisch hinterfragen kann und sollte. Von 2016 bis 2020 (GroKo) lag das Wachstum aber noch bei 23%. Das die Ampel jetzt besonders schlimm war kann ich nicht erkennen. 8/15
Aber auch ich würde sagen, dass man da sparen kann. Da stimme ich Christian #Lindner zu, der glaube von 10% Stelleneinsparung bei obersten Bundesbehörden sprach. Es ist aber auch komisch, wenn man solche Ideen erst hat, wenn man selbst keiner solchen Behörde mehr vorsteht. 9/15 Image
Und nicht falsch verstehen. Das geht natürlich nicht gegen die dort Beschäftigten, zu denen ich ja selbst gehöre. Die arbeiten gut. Aber mit Aufgabenkritik, Bürokratieabbau, flacherer Hierarchie, Digitalisierung etc. kann man natürlich schon einiges an Arbeit einsparen. 10/15
Aber es ging ja eigentlich darum wie man die immensen Steuersenkungen finanzieren könnte, die besonders #CDUCSU und #FDP wollen. Und da ist das natürlich kein nennenswerter Beitrag. 11/15
Es geht natürlich auch nicht einfach und schnell weil #Beamte nicht kündbar sind (und Pensionsausgaben sind auch dabei). Aber tun wir mal für einen Moment mal so als ließen sich diese Ausgaben von einem Jahr zum Nächsten einfach um 10% senken. 12/15
Der gesamte Etat aller Bundesministerien (also der Ministerien selbst nicht vom nachgeordneten Bereich) liegt im Entwurf des #Haushalt 2025 bei ca. 5,3 Mrd. Davon entfällt knapp die Hälfte auf Personalkosten. Sparen wir davon 10% haben wir etwa 260 Millionen Euro gespart. 13/15
Setzen wir das ins Verhältnis zu den Steuersenkungsversprechen der Parteien fällt einem schnell auf, dass das nichtmal im Ansatz geeignet ist die Lücke zu schließen. Es würde z.B. 0,2% der Steuersenkungen der #FDP finanzieren. 14/15 Image
Kann man trotdem machen und gut finden. Man sollte eben nur nicht den Eindruck erwecken, dass man mit solchen Vorschlägen irgendwie finanziell seriös sei. Das Gegenteil ist der Fall. Die Rechten konnten einfach noch nie mit Geld umgehen. 😉 15/15
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Nov 3
Ich bleibe dabei, dass das #Lindner-Papier nur das Ende der Koalition vorbereiten soll. Aber ihr habt ja Recht, dass man sich trotzdem auch inhaltlich damit auseinandersetzen kann. Also: The Good, the Bad and the Ugly of #Lindner 1/🧵1/
Bei Teilen der Analyse würde ich noch mitgehen. Ja, die große Koalition hat gute Zeiten nicht ausreichend für Investitionen genutzt. Und auch ich finde, dass man in Deutschland zu industriefokussiert ist. Siehe hier den Industrieanteil an der Wertschöpfung. 2/ Image
Und international ist das auch völlig normal, dass entwickelte Volkswirtschaften einen tendenziell geringeren Industrieanteil haben. Deutschland war da bisher sogar eher ein Ausreißer. Wachstumsmotor ist die Industrie aber auch bei uns schon lange vor der Ampel nicht mehr. 3/ Image
Read 51 tweets
Sep 24
Meine Befürchtung war ja, dass eine #Abwrackprämie für Verbrenner dann kommt, wenn es klar ist, dass wir zu spät umgesteuert haben und deswegen noch zu viele Verbrenner auf den Straßen sind um die Klimaziele zu erreichen. 1/11
Das wir sie jetzt als Maßnahme der #Industriepolitik fordern hätte auch ich mir nicht träumen lassen. Aber hilft es, wenn das eigentliche Problem ist, dass deutsche Hersteller zu spät auf E-Mobilität gesetzt haben? 2/11
Da habe ich erhebliche Zweifel. Man muss nur mal in die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamts vom letzten Jahr schauen. Im Gesamtjahr wurden etwas über 2,84 Millionen PKW in Deutschland neu zugelassen. Davon mehr als 1,5 Millionen von deutschen Herstellern (53%) 3/11
Read 12 tweets
Jul 30
Lasst euch nicht ver.....en. Die #Nullrunde kommt beim #Buergergeld durch das im Gesetz festgelegte Berechnungsverfahren. Mit @c_lindner hat das rein gar nichts zu tun. 1/13 bild.de/politik/inland…
§ 28a SGB XII regelt wie das Bürgergeld angepasst wird solange keine neue Einkommens- und Verbrauchsstichprobe vorliegt (was erst nächstes Jahr der Fall sein dürfte). Es gibt zwei Faktoren. Der erste fasst Inflationsentwicklung und Löhne in der Vergangenheit zusammen. 2/13
Er besteht aus 70% Preisentwicklung und 30% Lohnentwicklung. Für die Forschreibung zum 1.1.2025 sind es die Veränderungen von Preisen und Löhnen zwischen Juli 2023 bis Juni 2024 gegenüber dem Zwölfmopatszeitraum davor. 3/13
Read 14 tweets
Jul 24
Was von #Linnemann zum #Bürgergeld immer wieder kommt ist falsch, populistisch und verfassungswidrig. Die #CDU sollte sich sehr gut überlegen, ob sie beim Thema weiterhin Ressentiments schüren und Unwahrheiten verbreiten will. Ein 🧵 1/37
Es fängt an bei der Rhetorik. Da hört man oft: „Die Fleißigen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen.“ Was will man damit ansprechen? Den Sozialneid Derjenigen, die ihre schlecht bezahlten Jobs oder schlechten Arbeitsbedingungen hassen? 2/37
Dann sollte man vielleicht eher daran was ändern, anstatt mit einer Bürgergeldreform, die die Verhandlungsposition der Arbeitslosen schwächt, die Arbeitsbedingungen eher noch weiter zu verschlechtern. Dazu aber Ablehnung wie bei der Erhöhung des #Mindestlohn. 3/37
Read 40 tweets
Jul 6
Wenn das jetzt Alle machen auch von mir eine erste vorläufige und grobe Einschätzung zum #Bundeshaushalt 25. Ich habe den Vorteil Hintergründe zu kennen und den Nachteil sie nicht nennen zu dürfen. Aber einiges ist ja jetzt bekannt. 1/20
Die Ausgaben sinken gegenüber dem Vorjahr, aber deutlich weniger als ursprünglich geplant. Einsparungen im Sinne von Kürzungen konnten verhindert werden. Viele überrascht das. Mich nicht! Ihr müsst bei der #FDP einfach die Propaganda von der Realität unterscheiden. 2/20
Da wird immer wieder von Priorisierungen und einem ausufernden Sozialstaat geredet. Aber konkrete Kürzungsvorschläge? weitgehend Fehlanzeige. Mir ist jedenfalls nur Kleinkram untergekommen, der in keinem Verhältnis zur Lücke stand. Euch was Konkretetes? 3/20
Read 22 tweets
Jun 18
Noch keine Einigung zum #Haushalt. Das ist angesichts der Probleme wenig überraschend und tut aktuell auch Niemandem weh. Umso mehr erstaunt mich die Kommentierung in der Öffentlichkeit. Muss mir dazu mal etwas Luft machen. 1/nbild.de/politik/inland…
Ausgangslage: Drei völlig verschiedene Parteien sind 2021 eine Koalition eingegangen. SPD und Grüne aus dem linken Lager und die FDP aus dem rechten Lager. Gemeinsamkeiten gibt es durchaus aber in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik dominieren die Gegensätze. 2/n
Warum gab es dann diese Regierung? Weil Wahlergebnisse die Regel werden, die Mehrheiten eines politischen Lagers nicht mehr ermöglichen. Das starke Abschneiden von populistischen bis extremen Parteien verhindert solche Mehrheiten. 3/n
Read 21 tweets

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