Unbestritten hat die deutsche #Industrie gerade Probleme, aber ein Vergleich mit dem Weltindex des CPB ist wenig aussagekräftig. Man würde natürlich erwarten, dass die Industrie in Ländern die schon entwickelt sind nicht mehr so stark wächst (Tertiarisierung). 1/10
Daher ist es nur logisch, dass das Wachstum des Weltindex sehr stark von Ländern getrieben wird, die sich gerade erst industriealisieren. Das ist auch der Fall. Das Centraal Planbureau veröffentlicht den Index auch nach Ländergruppen. Dann sieht das Bild so aus. 2/10
Man sieht, dass die Schwellenländer das starke Wachstum aufweisen. In China hat sich der Indexwert seit dem Jahr 2000 verzehnfacht. In allen entwickelten Ländern nur +17% und zuletzt Stagnation. Einige Länder (Großbritannien, Japan) auch schon längere Schrumpfung. 3/10
Deutschland hat gerade auch das besondere Problem, dass es einen größeren Industrieanteil hat als andere entwickelte Staaten. In Westeuropa entwickelt sich die Industrie generell schwach, aber kaum ein so reiches Land hat einen so großen Anteil der Industrie wie Deutschland. 4/10
Hier BIP pro Kopf und Industrieanteil mit Daten der Weltbank für 2023. Man würde vermuten, dass der Industrieanteil im Entwicklungsprozess erst wächst und später zurückgeht. Cross Section Daten zeigen das nur schwach (und insignifikant). D aber eher ein Ausreißer! 5/10
Die Wertschöpfung der Industrie entwickelt sich übrigens nicht so schlecht wie die Produktion. Ein Grund ist, dass eher die wertschöpfungsschwachen Bereiche verlagert werden. Wer mehr erfahren möchte: 6/10ifo.de/publikationen/…
Dazu auch eine Diskussion im Podcast von @thinkBTO vor einigen Wochen. Also meine Schlussfolgerung wäre, dass man sich schon etwas ernsthafter mit dem Thema Situation der Industrie beschäftigten sollte, auch wenn gerade Wahlkampf ist. 7/10
Und das ist gar nicht so einfach. Ich habe zum Beispiel auch meine Zweifel bei dem starken Fokus auf das Thema Energie. Immerhin entwickeln sich gerade auch die industriellen Großbereiche Auto und Maschinenbau schwach und die sind beide nicht energieintensiv. 8/10
Vermutlich sind es viele Faktoren auf einmal: Andere Länder haben ihre "Deindustralisierung" schon hinter sich (Großbritannien ist der Index seit 2000 um 26% gefallen). Deutsche Produkte sind nicht mehr so gut im Vergleich zu China und anderen Schwellenländern. 9/10
Und zuletzt kommt definitiv ein Nachfrageproblem im Inland hinzu. Es ist spätestens jetzt auch eine konjunkturelle Krise. Oder was denkt ihr? Suche noch nach Erklärungen und quantitativen Analysen dazu. 10/10
@threadreaderapp unroll
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Sowas hasse ich. Wenn Leute einfach mal so Zahlen droppen, die grob verdreht sind. Ihr müsst euch schon die Mühe machen zu eurer Meinung auch die PASSENDEN Fakten rauszusuchen. 1/15🧵
Fakt ist lt. Kassenergebnis des öffentlichen Gesamthaushalts, dass die Personalausgaben 2023 bei knapp 373 Mrd. lagen. In Prozent der Einnahmen sind das unter 21 % (Sozialversicherunsbeiträge wurden in dem Tweet unterschlagen). 2/15
Und es sind natürlich nicht nur die Beamten, sondern der gesamte öffentliche Dienst. Viel wichtiger aber: Es sind alle staatlichen Ebenen. Der Bund hat davon nur knapp 66 Mrd. und im Bundeshaushalt noch weniger und unter 10% der Ausgaben. 3/15
Ich bleibe dabei, dass das #Lindner-Papier nur das Ende der Koalition vorbereiten soll. Aber ihr habt ja Recht, dass man sich trotzdem auch inhaltlich damit auseinandersetzen kann. Also: The Good, the Bad and the Ugly of #Lindner 1/🧵1/
Bei Teilen der Analyse würde ich noch mitgehen. Ja, die große Koalition hat gute Zeiten nicht ausreichend für Investitionen genutzt. Und auch ich finde, dass man in Deutschland zu industriefokussiert ist. Siehe hier den Industrieanteil an der Wertschöpfung. 2/
Und international ist das auch völlig normal, dass entwickelte Volkswirtschaften einen tendenziell geringeren Industrieanteil haben. Deutschland war da bisher sogar eher ein Ausreißer. Wachstumsmotor ist die Industrie aber auch bei uns schon lange vor der Ampel nicht mehr. 3/
Meine Befürchtung war ja, dass eine #Abwrackprämie für Verbrenner dann kommt, wenn es klar ist, dass wir zu spät umgesteuert haben und deswegen noch zu viele Verbrenner auf den Straßen sind um die Klimaziele zu erreichen. 1/11
Das wir sie jetzt als Maßnahme der #Industriepolitik fordern hätte auch ich mir nicht träumen lassen. Aber hilft es, wenn das eigentliche Problem ist, dass deutsche Hersteller zu spät auf E-Mobilität gesetzt haben? 2/11
Da habe ich erhebliche Zweifel. Man muss nur mal in die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrbundesamts vom letzten Jahr schauen. Im Gesamtjahr wurden etwas über 2,84 Millionen PKW in Deutschland neu zugelassen. Davon mehr als 1,5 Millionen von deutschen Herstellern (53%) 3/11
Lasst euch nicht ver.....en. Die #Nullrunde kommt beim #Buergergeld durch das im Gesetz festgelegte Berechnungsverfahren. Mit @c_lindner hat das rein gar nichts zu tun. 1/13 bild.de/politik/inland…
§ 28a SGB XII regelt wie das Bürgergeld angepasst wird solange keine neue Einkommens- und Verbrauchsstichprobe vorliegt (was erst nächstes Jahr der Fall sein dürfte). Es gibt zwei Faktoren. Der erste fasst Inflationsentwicklung und Löhne in der Vergangenheit zusammen. 2/13
Er besteht aus 70% Preisentwicklung und 30% Lohnentwicklung. Für die Forschreibung zum 1.1.2025 sind es die Veränderungen von Preisen und Löhnen zwischen Juli 2023 bis Juni 2024 gegenüber dem Zwölfmopatszeitraum davor. 3/13
Was von #Linnemann zum #Bürgergeld immer wieder kommt ist falsch, populistisch und verfassungswidrig. Die #CDU sollte sich sehr gut überlegen, ob sie beim Thema weiterhin Ressentiments schüren und Unwahrheiten verbreiten will. Ein 🧵 1/37
Es fängt an bei der Rhetorik. Da hört man oft: „Die Fleißigen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen.“ Was will man damit ansprechen? Den Sozialneid Derjenigen, die ihre schlecht bezahlten Jobs oder schlechten Arbeitsbedingungen hassen? 2/37
Dann sollte man vielleicht eher daran was ändern, anstatt mit einer Bürgergeldreform, die die Verhandlungsposition der Arbeitslosen schwächt, die Arbeitsbedingungen eher noch weiter zu verschlechtern. Dazu aber Ablehnung wie bei der Erhöhung des #Mindestlohn. 3/37
Wenn das jetzt Alle machen auch von mir eine erste vorläufige und grobe Einschätzung zum #Bundeshaushalt 25. Ich habe den Vorteil Hintergründe zu kennen und den Nachteil sie nicht nennen zu dürfen. Aber einiges ist ja jetzt bekannt. 1/20
Die Ausgaben sinken gegenüber dem Vorjahr, aber deutlich weniger als ursprünglich geplant. Einsparungen im Sinne von Kürzungen konnten verhindert werden. Viele überrascht das. Mich nicht! Ihr müsst bei der #FDP einfach die Propaganda von der Realität unterscheiden. 2/20
Da wird immer wieder von Priorisierungen und einem ausufernden Sozialstaat geredet. Aber konkrete Kürzungsvorschläge? weitgehend Fehlanzeige. Mir ist jedenfalls nur Kleinkram untergekommen, der in keinem Verhältnis zur Lücke stand. Euch was Konkretetes? 3/20