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Bei meiner ersten first-hand Ole-experience fand ich es vor allem erhellend, wie sehr sowohl seine Argumente als auch seine Rolle in der Diskussion davon leben, dass er das Selbstverständnis des Bürgers als Untertan für alternativlos hält und es sich affirmativ zu eigen macht. 1/ Image
Aus der Perspektive des Untertanen nivellieren sich Unterschiede zwischen Staatsformen ("Klar Putin ist böse, aber ich mache mir halt auch Sorgen um D unter Merz") und staatliches Handeln wird letztlich immer nur daraufhin bewertet, was für einen selber dabei rumkommt ("Gegen 2/
den IS würde ich schon kämpfen, mit denen wäre ein Leben zu freudlos", "Haben Sie denn selbst gedient?"). Als Untertan kann man zudem jeden, der (wie Kopetzky) ein affirmatives Staatsverständnis hat und Meinungen dazu vertritt, was der Staat jetzt tun sollte, lächerlich finden.3/
Wenn alle eigentlich Untertanen sind, beruht die Idee, sich als Citoyen mit seinem Staat zu identifizieren und sich am öffentlichen Diskurs über dessen Agieren zu beteiligen, auf einer Illusion. N. setzt das konsequent performativ in seiner gewählten Rolle in der Diskussion um./4
Normative staatspolitische Fragen ("Soll es denn ihrer Meinung nach überhaupt Staaten geben?", "Dürfen Staaten sich denn nicht verteidigen?") missversteht er entweder absichtlich als deskriptive ("Klar dürfen sie das, das steht ja im GG, dazu muss ich mich gar nicht äußern"). 5/
Oder er lehnt es als illegitim ab, von ihm eine Antwort darauf zu verlangen ("Ich mache ja keine Politikberatung, ich spreche hier nicht für den Staat, sondern als einzelner Mensch, etc."). Wenn das Verhältnis zum Staat nur das des Untertanen sein kann, ist das konsequent: 6/
Man will einfach möglichst wenig belästigt werden und sich nicht auch noch Gedanken für denjenigen machen müssen, der einen ohnehin immer illegitim beherrscht. Für den Untertan gibt es kein affirmatives Verständnis von Staatlichkeit und Staatsbürgertum, also schweigt er hier. 7/
Die zugleich fesselnde wie lähmenden Wirkung dieser Haltung auf einen Diskurs ist vermutlich der Grund, aus dem N. immer wieder eingeladen wird. Nach einer Weile sieht man darin immer deutlicher einfach eine weitere Variante des allgemeinen staatskritischen Zeitgeistes. 8/
Reichsbürger/AfD/Poschardt wollen nicht, dass der Staat ihnen Masken, Steuern oder ÖRR vorschreibt. Nymoen will nicht, dass man ihn zum Zivil- oder Wehrdienst einzieht, und in Ruhe weiter auf seinem Profilbild seine Katze streicheln. Das ist biedermeierlicher Milei von links. //

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