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Mar 20 18 tweets 3 min read Read on X
Was bei dieser ganzen, mal wieder typisch deutsch hyperventilierenden Diskussion ob eines möglichen Marineeinsatzes in der Straße von Hormuz völlig ausgeblendet wird, ist eine politische Analyse der US-amerikanischen Außenpolitik unter Trump seit 2024 (America First 2.0).
Die NSS von 2025 nennt Beendigung der Feindseligkeiten und Wiederherstellung der „strategischen Stabilität mit Russland“ als Prioritäten und stellte die Rolle der Vereinigten Staaten als die eines Vermittlers zwischen ihren europäischen Verbündeten und der Russischen Föderation
dar statt die USA als Führungsmacht des Westens in der der Konfrontation mit Russland und der Unterstützung der Ukraine zu positionieren. Dies stand im Einklang mit den diplomatischen Annäherungsversuchen der Trump-Regierung gegenüber Russland seit Januar 2025, darunter mehrere
Telefongespräche zwischen Trump und Putin sowie der Alaska-Gipfel im August, bei dem beide ihre enge persönliche Beziehung und die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen nach der Isolation Russlands während der Präsidentschaft Bidens hervorhoben.
Während Russland von den Vereinigten Staaten als Großmacht respektiert wird, wurde Europa in der NSS zugleich als von wirtschaftlicher Stagnation, militärischer Schwäche und kulturellem Niedergang geprägt dargestellt und als durch eine „zivilisatorische Auslöschung“ bedroht
beschrieben. Die Trump-Regierung identifiziert die Europäische Union (EU) im Wesentlichen als einen feindlichen Akteur, da die ihr zugrunde liegenden Prinzipien des multilateralen Institutionalismus und des liberalen Internationalismus als ideologischer Gegensatz zum
performativen Realismus von „America First“ gesehen werden. Der NSS zufolge untergräbt die EU „politische Freiheit und Souveränität“, indem sie den Kontinent durch unkontrollierte Einwanderungspolitiken verändert und „Konflikte schafft, die Meinungsfreiheit zensieret und die
politische Opposition unterdrückt, die Geburtenraten einbrechen lässt sowie zum Verlust nationaler Identitäten und des Selbstvertrauens beiträgt“. Die NSS verwies offen auf die „Förderung des Widerstands gegen den gegenwärtigen Kurs Europas innerhalb der europäischen Nationen“
und deutete damit auf eine Unterstützung der USA für nationalpopulistische Parteien hin, die sich gegen die EU-Integration richten. Die USA sind unter Trump kein Alliierter Europas mehr sondern bestenfalls haben sie noch moderat üperlappende Sicherheitsiteressen.
Zuletzt sein hier noch an die Grönlandkrise von vor zwei Monaten (!) erinnert, währed derer Trump einen NATO Verbündeten mit der Anexion seines Territoriums bedrohte. In den Worten Trumps: „Eigentum ist sehr wichtig, denn ich halte es aus psychologischer Sicht für eine
Voraussetzung für Erfolg.“Nachdem Dänemark und sieben weitere europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich, Schweden und das Vereinigte Königreich, ein kleines Kontingent von Soldaten nach Grönland entsandt hatten, um eine Aufklärungsmission zur Vorbereitung einer
größeren europäischen Stationierung im Rahmen der kollektiven Verteidigung in der Arktis durchzuführen, zeigte die öffentliche Reaktion von Präsident Trump, dass diese europäischeDemonstration von Bündnissolidarität stattdessen als feindlicher Akt externer Mächte gegen
Washingtons strategisches Ziel hemisphärischer Dominaz betrachtet wurde. Am 17. Januar 2026 kündigte Trump dementsprechend an, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen Zoll von 10 % auf Importe aus den betreffenden Ländern (Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande
, Norwegen, das Vereinigte Königreich und Schweden) zu erheben und diesen bis zum 1. Juni 2026 auf 25 % zu erhöhen, bis eine Vereinbarung über den „vollständigen und totalen Kauf Grönlands“ erzielt werde. Am bedeutsamsten war dabei, dass Trump andeutete, nur Besitz durch die USA
würde tatsächlich deren Verpflichtung zur kollektiven Verteidigung gemäß Artikel 5 der NATO garantieren:
"(…) alles, worum wir bitten, ist, Grönland zu bekommen, einschließlich aller Rechte, Titel und des Eigentums, denn man braucht Eigentum, um es zu verteidigen.
Man kann es nicht auf der Grundlage eines Pachtvertrags verteidigen. Erstens ist das rechtlich so nicht vollständig zu verteidigen. Und zweitens – psychologisch gesehen – wer zum Teufel will schon eine Lizenzvereinbarung oder einen Pachtvertrag verteidigen […]." Man kann Trump's
verzweifelten Ruf, dass NATO-Staaten die Straße von Hormuz zu öffnen hätten nur als das entlarven, was es ist: der opportunistischer Versuch eines anti-europäischen Präsidenten die eigenen Verbündeten zu erpressen und sie für einen plan- und ziellosen amerikannischen Krieg in
Haftung zu nehmen und sie militärischen Risiken auszusetzen, die man für seine Marine, immerhin die mächtigste der Welt, scheut. Es geht hier nicht um Bündnisfragen, sondern um die nackte Machtpolitik Amerikas, das versucht die eigene Strategielosigkeit mit Vasallen zu retten.

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