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May 9 27 tweets 8 min read Read on X
Zuerst die Flamingos und jetzt kommen die Laser. Die Unabhängigkeit Europas ist noch nicht vorbei, aber sie schreitet voran.

15 Menschen. Ein Startup. Kein Staatsauftrag. Keine 120 Millionen Pfund wie das britische Äquivalent DragonFire. Selbstfinanziert. Mitten im Krieg. Und sie haben ein Lasersystem gebaut das Shaheds aus 5 Kilometern Entfernung vom Himmel holt. Das ist die Geschichte von Tryzub 🧵
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Celebra Tech. Kyjiw. 15 Mitarbeiter. Gegründet um ein Problem zu lösen das kein westliches Rüstungsunternehmen schnell genug lösen konnte: Russland schickt täglich Hunderte von Shaheds. Jede Abfangrakete kostet zwischen 430.000 und 4 Millionen Dollar. Zu teuer. Russland produziert Shaheds für etwa 20.000 Dollar das Stück. Die Mathematik gewinnt der Angreifer. Celebra Tech wollte die Gleichung umkehren. (Quellen: Militarnyi, Euromaidan Press)
2/25
Das Ergebnis heißt Tryzub – ukrainisch für Dreizack, das Nationalsymbol der Ukraine.

Ein KI-gesteuertes Lasersystem auf einem mobilen Trailer.

Es brennt sich in Sekunden durch Drohnen und kostet pro Schuss einige Dollar Strom. Keine Munition. Keine Magazingrenze. Solange Strom fließt – schießt es. Ein Patriot-Abfangrakete kostet 4 Millionen Dollar. Ein Tryzub-Schuss kostet weniger als ein Mittagessen.
3/25 Die Geschichte beginnt 2021. Nicht als Lasersystem – sondern als leichtes Lasergewehr namens Tryzub-120.

Celebra Tech testete es im Krieg gegen Ka-52 Hubschrauber, russische Orlan-Aufklärungsdrohnen und Beobachtungsstationen.

Das Ziel damals war den Gegner zu blenden. Die Kamera einer Drohne in Sekunden ausschalten. Der Pilot verliert das Bild. Die Drohne wird unkontrollierbar. Aus einem Lasergewehr ist fünf Jahre später ein Waffensystem geworden das Shaheds vom Himmel holt. (Quellen: Defender Media, Militarnyi)
4/25
Dezember 2024. Vadym Sukharevsky, erster Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme, erwähnt Tryzub erstmals öffentlich auf einer Verteidigungskonferenz in Kyjiw.
„Wir können damit bereits Flugzeuge in über zwei Kilometern Höhe abschießen."
Kein Foto. Keine Spezifikationen. Nur ein Satz. Westliche Analysten notierten es. Russland schwieg. Celebra Tech arbeitete weiter.
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April 2025. Erste öffentliche Demonstration. Die ukrainischen Streitkräfte zeigen Tryzub in Aktion – gegen ein Bodenziel und gegen eine faseroptische FPV-Drohne. Der Laser trifft die Kamera der Drohne in Sekunden. Das Bild bricht weg.
Die Drohne ist blind. Unkontrollierbar. Sie fällt. Noch manuell gesteuert per Joystick. Noch kein KI-Targeting. Noch kein Radar. Aber es funktioniert. Der Proof of Concept ist erbracht.
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Mai 2026. Abschlusstests. Was sich verändert hat seit April 2025: KI-gestütztes Targeting – das System findet und verfolgt Ziele automatisch ohne Operateur. Radar-Integration – Tryzub sieht die Drohne bevor das Auge sie sieht. Automatische Zielverfolgung – der Operator entscheidet ob geschossen wird, die Maschine erledigt den Rest. Reichweite gegen Shaheds: 5 Kilometer. Ein Jahr Entwicklung. 15 Menschen. Selbstfinanziert.
7/25
Was Tryzub konkret kann FPV-Drohnen: effektive Reichweite 800 bis 900 Meter. Aufklärungsdrohnen: bis 1.500 Meter. Shaheds: bis 5 Kilometer. Optik blenden – Kameras, Sensoren, Zielerfassung von Drohnen, Raketen, Hubschraubern: bis 10 Kilometer.
Es kann auch Minen räumen: per Laser aus sicherer Distanz. Infrastruktur schützen: mobil verlegbar in 30 Minuten. Alles mit Strom. Kein einziges Geschoss. (Quellen: Celebra Tech via Militarnyi, RBC Ukraine)
8/25
Was Tryzub nicht kann. (Dafür findet sich eine andere Lösung)
Schlechtes Wetter ist der größte Feind. Regen, Nebel, Wolken streuen den Laserstrahl – die Reichweite bricht ein. Eine Rakete fliegt durch alles. Ein Laser nicht. Ein einzelnes System kann keinen Massenangriff von 100 Shaheds gleichzeitig stoppen – es schießt sequenziell, ein Ziel nach dem anderen. Und es braucht Strom – viel Strom. Ohne mobile Stromversorgung ist die taktische Flexibilität begrenzt. Tryzub ist kein Ersatz für Patriot. Es wird aber womöglich eine Antwort, gemeinsam mit was die Zukunft auch bringt. Tryzub ist eine kostengünstige, mobile, unerschöpfliche Ergänzung.
9/25
Zum Vergleich. Großbritannien hat DragonFire entwickelt – ein ähnliches Lasersystem für Luftabwehr. Entwicklungskosten: 120 Millionen Pfund. Entwicklungszeit: über zehn Jahre. Beteiligte Unternehmen: MBDA, Leonardo, QinetiQ – drei der größten Rüstungskonzerne Europas.
Celebra Tech: 15 Menschen. Selbstfinanziert. Einige Millionen Dollar. Fünf Jahre. Im laufenden Krieg entwickelt und getestet. Der Krieg hat die Entwicklungszeit von Jahrzehnten auf Jahre komprimiert.
10/25
Die USA betreiben das HELIOS-System von Lockheed Martin – ein Laser für Kriegsschiffe der Shahed-ähnliche Drohnen abschießen kann. Entwicklungsvertrag 2018: 150 Millionen Dollar.
Tryzub wurde für einige Millionen Dollar gebaut. Von 15 Menschen. In einem Land das gleichzeitig jeden Tag unter Beschuss steht. Der US Army Chief of Staff sagte es selbst: „Die Ukraine hat die moderne Kriegsführung verändert. Wir lernen von den Ukrainern." (Quellen: Kyiv Post, US Army)
11/25
Russland schickte im April 2026 mindestens 6.583 Drohnen gegen die Ukraine – der höchste Monatswert seit Kriegsbeginn.
Fast 88 Prozent wurden abgefangen. Aber jede abgefangene Drohne kostet Ukraine eine teure Rakete.
Das Verhältnis stimmt nicht.
Eine Shahed kostet Russland rund 20.000 Dollar. Eine NASAMS-Abfangrakete kostet die Ukraine bis zu 1,5 Millionen Dollar. Pro Abschuss. Russland muss nur lange genug durchhalten bis die Magazine leer sind. Tryzub ändert diese Gleichung fundamental. (Quelle Ukrainian Air Force)
12/25
Selenskyj hat das Problem selbst benannt. Patriot-Rampen stehen ohne Raketen da. NASAMS-Magazine leeren sich. Europa liefert verzögert. Washington priorisiert den Nahen Osten. Die Ukraine kämpft mit einem System bei dem der Angreifer billiger produziert als der Verteidiger abschießen kann. Das ist strukturell nicht zu gewinnen. Es sei denn – die Kosten pro Abschuss kollabieren. Ein Laser tut genau das. Einmal kaufen. Ewig schießen. Solange Strom fließt.
13/25 Die Ukraine entwickelt gerade eine ganze Laser-Familie.
Fasst unbemerkt.

Parallel zu Tryzub entwickelte die Ukraine das Sunray-System – ein portabler Laser der in den Kofferraum eines Autos passt. Montierbar auf einem Pickup. Kosten laut The Atlantic: einige hunderttausend Dollar pro Einheit. Im Februar 2026 berichtete The Atlantic über einen Feldtest – der Laser brannte in Sekunden durch eine Drohne. Sunray ist der kleine Bruder. Tryzub ist das ausgewachsene Kampfsystem. Beide existieren. Beide funktionieren. Die Ukraine muss funktionieren und sie tut es. Wir lernen auch von deren Geschwindigkeit.
14/25
Russland hat seine Strategie auf Masse gebaut. Hunderte Shaheds pro Nacht und wartet darauf dass irgendwann die Magazine leer sind.
Irgendwann kapituliert die Verteidigung unter dem schieren Volumen. Der Westen zu langsam.
Aber Laser haben kein Magazin. Wenn die Ukraine zehn Tryzub-Systeme um Kyjiw stationiert – schlägt Russlands Massenangriff ins Leere. Jede Drohne kostet einige Dollar Strom. Russland zahlt 20.000 Dollar pro Shahed. Die Kostenlogik des Krieges dreht sich um.
15/25
Aber es gibt eine Einschränkung.
Tryzub ist noch in den Abschlusstests. Noch keine bestätigte Stückzahl in Produktion. Celebra Tech ist selbstfinanziert. Der nächste Schritt ist nicht die Technologie – der nächste Schritt ist die Skalierung. Und die braucht Geld. Europäisches Geld wäre hier gut investiert.
16/25
Und genau hier könnte Europa eine Rolle spielen die über Waffenlieferungen hinausgeht. Nicht Patriot-Raketen kaufen und schicken. Sondern in ukrainische Technologie investieren die den Krieg strukturell verändert. Tryzub kostet einen Bruchteil westlicher Äquivalente. Ist kampferprobt. Entwickelt von Menschen die täglich unter Beschuss arbeiten.
Das ist Kriegstechnologie die im Krieg entstand. Europa könnte Celebra Tech morgen skalieren. Die Frage ist ob es will. Dumm wenn nicht. 🇪🇺🇺🇦
17/25
Ukraine ist laut Selenskyj wahrscheinlich das fünfte Land der Welt das ein operatives militärisches Lasersystem eingesetzt hat. Nach den USA, Israel, Großbritannien und China. Aber als einziges dieser Länder hat es sein System im aktiven Hochintensitätskrieg entwickelt und getestet. Nicht auf einem Testgelände in der Wüste. Nicht auf einem Kriegsschiff im Pazifik. Sondern unter russischen Drohnen. Unter echtem Beschuss. Mit echten Zielen. Das macht die Daten aus diesen Tests einzigartig wertvoll.
18/25
Was Russland hat. Moskau arbeitet ebenfalls an Lasersystemen – das Peresvet-System soll ballistische Raketen und Satelliten blenden können. Aber Peresvet ist stationär, massiv und für strategische Ziele gebaut – nicht für den taktischen Drohnenkrieg. Russland hat kein mobiles Lasersystem das mit Tryzub vergleichbar ist. Während die Ukraine Drohnenproblem mit Lasern löst, schickt Russland mehr Drohnen. Beides gleichzeitig geht nicht ewig.
19/25
Und dann ist da noch die Demining-Funktion. Tryzub kann per Laser Minen aus sicherer Distanz zünden oder unschädlich machen. Die Ukraine ist eines der am stärksten verminten Länder der Welt – schätzungsweise 174.000 Quadratkilometer verseucht.
Jahrzehnte werden gebraucht um das Land zu räumen. Jede Technologie die das beschleunigt rettet Leben – nach dem Krieg. Tryzub ist also nicht nur eine Waffe. Es ist auch ein Wiederaufbau-Werkzeug.
Europa würde also in den Wiederaufbau investieren.
20/25
Celebra Tech entwickelt parallel zu Tryzub noch mehr:
Das Laurus-13F – eine faseroptische FPV-Drohne.

Den Svidok – eine mittelschwere Angriffsdrohne.

Bodenroboter.

Elektronische Kampfführungssysteme.

Software.

15 Menschen. Ein Startup.

Das ist kein Zufall – das ist das ukrainische Modell des Krieges 2026. Klein, schnell, kampferprobt, exportierbar. Während westliche Rüstungskonzerne Jahre für Beschaffungsverfahren brauchen, liefert Celebra Tech in Monaten. (Quellen: Defender Media, Militarnyi)
21/25
Was passiert wenn Tryzub skaliert wird. Stell dir zehn Einheiten um Kyjiw vor. Zwanzig entlang der Frontlinie. Jede schießt für einige Dollar pro Shahed. Russland schickt 200 Drohnen pro Nacht – und jede kostet 20.000 Dollar. Die Ukraine schießt sie ab für insgesamt ein paar hundert Dollar Strom.

Russlands Drohnenstrategie wird wirtschaftlich unhaltbar.
Das ist kein Science-Fiction. Das ist Physik und Mathematik. Tryzub muss nur schnell genug skaliert werden.
22/25
Der Krieg hat die Rüstungsindustrie weltweit verändert. Nicht die großen Konzerne haben die entscheidenden Innovationen geliefert. Sondern kleine Teams unter extremem Druck. Die Flamingo-Rakete – gebaut von einem kleinen ukrainischen Team, viral gegangen 2025. Tryzub – 15 Menschen, selbstfinanziert, kampferprobt. Drohnen die Perm treffen – entwickelt in Garagen und kleinen Werkstätten. Der Krieg hat bewiesen: Geschwindigkeit schlägt Größe. Innovation schlägt Budget. Und Notwendigkeit ist die stärkste Triebkraft der Erfindung.
23/25
Was das für Europa bedeutet. Die Ukraine hat in fünf Jahren Krieg eine Verteidigungsindustrie aufgebaut die mit westlichen Milliardenprogrammen konkurriert – für einen Bruchteil des Budgets.
Das ist kein Argument gegen europäische Rüstungsinvestitionen.
Es ist ein Argument dafür sie anders zu denken. Weniger große Konzerne. Mehr kleine agile Teams. Weniger zehnjährige Beschaffungsverfahren. Mehr Kriegs-Feedback-Schleifen. Europa kann von der Ukraine lernen wie man Verteidigung im 21. Jahrhundert organisiert.
24/25
Russland hat diesen Krieg begonnen weil es glaubte die Ukraine sei militärisch schwach.
Zu abhängig vom Westen. Zu klein. Zu langsam. Fünf Jahre später entwickelt die Ukraine Lasersysteme die Russland nicht hat. Raketen die 3.000 Kilometer weit fliegen. Drohnen die Perm treffen.
Morgen wird es gemeinsam mit Europa die Welt beliefern mit Abwehrwaffen, die woanders zu teuer sind und zu langsam in der Produktion.

Alles mit einem Bruchteil des russischen Rüstungsbudgets. Putin hat die Ukraine unterschätzt. Und die Ukraine hat jeden Tag bewiesen dass er falsch lag. Tryzub ist nur das neueste Kapitel dieser Geschichte.
Europa sollte sie nicht unterschätzen.
25/25
15 Menschen. Ein Trailer. Strom statt Munition. Sekunden statt Millionen Dollar. Tryzub ist noch nicht in Serienproduktion. Noch nicht an jeder Front. Noch nicht skaliert. Aber es existiert. Es funktioniert. Und es wurde von Menschen gebaut die jeden Tag hören wie Drohnen über ihre Stadt fliegen. Das ist der Unterschied zwischen einem Rüstungsprogramm und einer Notwendigkeit. Die Ukraine baut keine Waffen weil sie es will. Sie baut sie weil sie muss. Und genau deshalb sind sie so gut. 🇺🇦🇪🇺
Wir werden es erleben.
Die Ukraine wird Europas Lösung für Frieden durch Augenhöhe am Verhandlungstisch.

Dieser Thread ist unabhängig recherchiert – keine Redaktion, kein Auftraggeber. Wer diese Arbeit unterstützen möchte: paypal.me/gourmenade oder buymeacoffee.com/gourmenade. Danke fürs Lesen und Dabeisein. 🇺🇦🇪🇺
Quellen-Tweet:
Quellen für diesen Thread: Militarnyi / Euromaidan Press / Defence Blog / Defender Media / Kyiv Post / RBC Ukraine / The Atlantic / Interesting Engineering / Defence Industry Europe / CSIS / HALO Trust / US Army / Celebra Tech 🇺🇦🇪🇺

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