Nikolaus Wildner Profile picture
correspondent @ORF (Austrian Broadcasting Corporation) in Israel/Palestinian Territories; also linguist and teacher @polisjerusalem
May 7 24 tweets 18 min read
Arabischer Zionismus - und der Nahostkonflikt als Projektionsfläche 🧵(Lesedauer: Nehmen Sie sich Zeit - 24/24)

Ich erfahre in meiner Arbeit täglich von neuem, wie komplex und facettenreich nicht nur der *Konflikt*, sondern auch die Alltagsrealität im Nahen Osten, und speziell in Israel/Palästina ist.

Jede Recherche, jede Begegnung, jedes Gespräch, auf Hebräisch oder Arabisch, liefert Erkenntnisse und bisher unbekannte Perspektiven - und wirft meistens mehr neue Fragen auf, als es alte beantworten konnte.Image Bei vielen außenstehenden Beobachtern löst der israelisch-palästinensische Konflikt starke, teils extreme, Emotionen aus, wobei sich viele dieser Beobachter anscheinend vor allem die Frage stellen, „auf welcher Seite“ sie stehen wollen.

Israel und Palästina werden dabei in der Wahrnehmung schnell zu monolithischen Kategorien, durch die eine komplexe Realität auf eine überschaubare Anzahl schematischer Konzepte und Rollenbilder reduziert wird, um dann als Baustein in den eigenen Identitätskomplex eingesetzt zu werden.Image
Image
Apr 19 8 tweets 7 min read
Seit mehr als 25 Jahren hat die libanesische Hisbollah ein Problem: Sie ist eine Guerilla-Organisation, die ihre ursprüngliche Funktion und ihren ursprünglichen Feind verloren hat, sich von diesem seither aber trotzdem nicht losreißen kann - Israel.

Im Mai 2000 hat Israel, nach 18 Jahren, alle seine Truppen aus dem Libanon abgezogen, auch als Folge des militärischen Drucks der Hisbollah auf die israelischen Truppen im Südlibanon. Die Hisbollah und ihre Anhänger hatten ihr Ziel erreicht. Oder doch nicht? 🧵Image
Image
In der Brust der Hisbollah schlagen seit jeher zwei Herzen - ein libanesisches und ein iranisches. Solange Israel Truppen im Libanon hatte, haben diese Herzen synchron geschlagen.

Ein übergeordnetes Ziel hat alle Fäden und Stränge zusammengeführt: Die Befreiung libanesischen Territoriums von der israelischen Besatzung und die Verteidigung der libanesischen Souveränität. Alle anderen Pläne sollten warten bis dieses eine Ziel erreicht ist.Image
Image
Jan 9 9 tweets 2 min read
Tamar Eilam Gindin ist israelische Iran-Expertin an der Universität Haifa, spricht fließend Persisch und ist über die Lage im Iran für gewöhnlich ausgezeichnet informiert.

Zentrale Aussagen ihres Gesprächs mit der Nachrichten-Nachtausgabe des israelischen Rundfunks (KAN): .) Die Proteste werden von Tag zu Tag größer. Heute Nacht haben sich auch Angehörige der Azerischen Volksgruppe im Nordwesten des Landes (Tabriz) den Protesten angeschlossen, nachdem dort bisher nur gestreikt worden ist.
Oct 26, 2025 13 tweets 6 min read
Verlässlich kursieren in diesen Tagen in unseren westlichen Medien Meldungen über die „Zustimmung der Hamas“, die Verwaltung in Gaza an ein Expertenkomitee „zu übergeben“.

2 Gründe, warum solche Meldungen, in dieser Form, irreführend sind,
und 1 Versuch zu erklären, warum es den meisten Menschen im Westen nicht möglich zu sein scheint, solche Meldungen in ihrem Kontext zu erfassen bzw. wiederzugeben: 🧵Image
Image
Image
Image
Grund 1:

Solche Meldungen berichten angeblich davon, dass die Hamas einem Machtverzicht in Gaza zustimmt, womit sie ja grundsätzlich dem US-Friedensplan entspreche und in „gutem Willen“ handle, möchte man jedenfalls meinen.

Warum die Hamas die Kontrolle mit diesem Schritt aber anscheinend nicht abgibt, hat der israelische Journalist Elior Levy recherchiert:

Ungefähr die Hälfte der Mitglieder dieses Expertenkomitees habe die Hamas, laut Levys Recherche, selbst nominiert. Außerdem sollen die arabischen Vermittler der Hamas die gesamte Expertenliste zur Bestätigung vorgelegt haben. 👇
Oct 3, 2025 14 tweets 5 min read
Daniel Gerlach, Melody Sucharewicz, Benjamin Netanjahu, Markus Lanz und eine missglückte Richtigstellung. 🧵

Für die Eiligen: Der deutsche Nahost-Publizist Daniel Gerlach hat in einer Sendung von Markus Lanz eine Aussage des israelischen Premiers Netanjahu falsch dargestellt. Das ZDF hat nach der Sendung in einer „Richtigstellung“ Gerlach Recht gegeben, obwohl seine Darstellung falsch war.

Inwiefern? Für die Geduldigen folgt eine Erklärung:Image In diesem Ausschnitt behauptet Gerlach, Netanjahu habe in einer hebräischen Videobotschaft seinen Anhängern versichert, dass die IDF (israelische Armee) im Großteil des Gazastreifens verbleiben werde. Das sei Gerlach aufgrund seiner Hebräischkenntnisse nicht entgangen, weshalb er jetzt in der Position sei, einem deutschsprachigen Publikum mitteilen zu können, dass Netanjahu bereits offen (also jedenfalls auf Hebräisch) gegen Trumps 20-Punkte-Friedensplan agiere: