Jonas Schaible Profile picture
Hauptstadtbüro @DerSPIEGEL // Die Linke - BMEL - Soziale Bewegungen // gelernt @nannenschule // Politikwissenschaftler mit Herz // Stimmt das wirklich?
10 May 20
Ich sehe jetzt schon Anzeichen, dass sich zu #Corona wieder eine revisionistische Erzählung etablieren könnte, wie 2015 ("Medien und Politik haben alles nur beklatscht") und 2016 ("niemand hat Trump ernst genommen, 'wir' sind schuld an Trump"). Ich rechne jedenfalls damit. /1
Die ginge dann jetzt so: Hätte man früher auf die Kritiker_innen gehört, hätte sich Verschwörungsideologen nicht ausbreiten können. Es wäre das gleiche Muster: Radikalisierung als angebliche Folge davon, dass Anliegen nicht ernst genommen wurden. /2
Nur wäre es wieder nicht wahr. Es ist nicht so, als wären keine abweichenden Positionen vertreten worden - es wurden und werden nur nicht genau die Positionen vertreten, die jetzt maßgeblich auf den Anti-Corona-Demos vertreten werden (weil sie weitgehend Bogus sind). /3
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24 Apr 20
Ich verstehe den Antrieb für diesen Gastbeitrag, aber leider sind zentrale Prämissen unbelegt oder undurchdacht oder widersprüchlich. Kurzthread /1
Sie nehmen nicht exponentiell zu, jedenfalls nicht im Wortsinn, so wie sich das Virus exponentiell verbreitet hat, und das Wort als Metapher für „sehr“ in dem Kontext zu nutzen, ist ein rhetorischer Taschenspielertrick. /2
Es ist keine Tatsache, sondern eine Behauptung, denn niemand kennt verlässlich die #Corona-Todesrate, aber nach den Zahlen, die es gibt, ist das auch für jüngere Menschen einfach falsch. /3
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1 Mar 20
1. #Thüringen hat die Frage aufgeworfen, wo die CDU steht. Wie tief der Riss ist, der sie durchzieht. Wo er herkommt. Ob man ihn kitten kann. Ich glaube: Er ist sehr tief. Schwer zu kitten. Und ich kann zeigen, wo er herkommt. Ein Thread.
2. Zur Veranschaulichung hier der Einfluss bestimmter Haltungen auf die Einschätzung der sieben großen Parteien (Skalometer, 2017). Man sieht: CDU (schwarz) und CSU (grau) liegen in Kernfragen fast immer nah beieinander.
3. Das heißt: Man bewertet CDU und CSU ähnlich, wenn man sich auf der Rechts-Links-Achse ähnlich verortet, oder wenn man ähnliche Haltungen zu Einwanderung, dem Umgang mit Flüchtlingen 2015 oder Umverteilung hat.
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18 Feb 20
1. Friedrich Merz hat schon 2018 als zentrales Versprechen formuliert, er werde die AfD halbieren. Jetzt wiederholt er es stetig. In Ergänzung zu dem Text: Kann er das? Nein. Liegt das an ihm? Nein.
Wir haben schlicht keine Ahnung, wie „zurückgewonnen“ geht. Und ob überhaupt.
2. Es gibt erstens kaum Präzedenzfälle. Massenerfolge von radikal rechten Parteien häufen sich erst seit den Neunzigern. Dass solche Parteien relevant stark wurden und dann wieder klein, gab es bisher nicht oft.
3. Wenn es vorkam, dann durchaus unter sehr speziellen Bedingungen: Rumänien der Neunziger, zweimal FPÖ, aber zweimal nach riesigen Skandalen, Liste Pim Fortuyn, nach einem Mord an ihm. Sehr gut, um daraus etwas abzuleiten, waren diese Fälle nicht.
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25 Nov 19
Thread zu #GewaltgegenFrauen aus der Perspektive eines Mannes. Die größte Gefahr für Frauen ist der (Ex-)Partner. Aber es gibt auch Gewalt im öffentlichen Raum und die Angst davor. Höchste Zeit, da eine Asymmetrie zu beenden und darüber zu sprechen, was Männer tun können. (1)
(Vorweggenommen: Diesen Thread informieren eigene Beobachtungen, Lektüre, Gespräche. Ja, ich verallgemeinere, es gibt, wie (fast) immer bei Verallgemeinerungen, (fast) immer auch Gegenbeispiele. Klar. Ich rede hier über Strukturen und glaube, die Beschreibung stimmt.) (2)
Wer Frauen zuhört, erfährt: Sie lernen von klein auf Regeln, wie sie die Gefahren in der Öffentlichkeit minimieren. Geh nicht allein durch den Park. Fahr nachts nicht allein durch die dunklen Straßen. Telefoniere mit einer Freundin oder tue so, als würdest du telefonieren. (3)
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23 Oct 19
Weil das jetzt alles unter ~ Meinungsfreiheit an Unis ~ zusammengerührt zu werden droht, kurz sortiert:

1. De Maiziere

- Thomas de Maiziere ist kein Nazi
- sein Buch "Regieren" harmlos und sehr interessant
- jeder körperliche Angriff ist absolut nicht zu rechtfertigen (1)
- die Begründung der Aktion hat nichts mit Rede oder "PC" oder "Identitätspolitik" zu tun, sondern ist eine krude Vermengung der türkischen Invasion und Flüchtlingspolitik
- de Maiziere nahm vorher an einer anderen Veranstaltung der Uni teil (Institut für Demokratie) (2)
2. Lucke

- Lucke ist nach allem, was man weiß, kein Nazi
- er hat eine heute klar, damals wabernd radikal rechte Partei gegründet
- die Hochschule lässt ihn unterrichten
- er unterrichtete danach wieder
- Störungen kann man verurteilen, sie sind keine Gewalt
(3)
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13 Aug 19
Die #Klimakrise und die Widersprüche, die Paradoxien, die sie bringt, als theoretische Herausforderung. Ein Sammelthread. /1
1. Die #Klimakrise ist eine demokratietheoretische Herausforderung. Demokratie lässt sich damit fast letztbegründen, dass niemand wissen kann, was gut und richtig ist, dass das Richtige ausgehandelt wird. Gilt das noch unbedingt oder stellt die ungebremste Erderhitzung... /2
... die Möglichkeit von Aushandeln so infrage, dass sie wie Gleichheitsrechte deren Bedingung ist? Bisher behandeln wir Klimaschutz wie jede gewöhnliche Policy - wenn sie mehr ist, was folgt daraus für demokratische Prozesse? /3
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5 Aug 18
Ich glaube, diese Kolumne von #Buschkowsky ist vielleicht einer der instruktivsten Texte, der in jüngerer Zeit geschrieben worden. Ich bin überzeugt, dass die beschriebene Haltung die großen Konflikte unserer Zeit maßgeblich erklärt... Da steckt alles drin. Thread.
#Buschkowsky schreibt vom Normalmenschen, der einfach nur seinen Sommer, sein Steak und sein Normalsein genießen will. Er will unbehelligt bleiben von der Welt. Er fordert das Recht auf ein von der Geschichte unberührtes Leben.
Er will Fleisch essen, ohne darüber nachzudenken, was es bedeutet, Tiere zu töten, und was Massentierhaltung fürs Klima bedeutet. Er will Normalsein und zufrieden, wenn er frei hat.
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1 Jul 18
Ich möchte die Diskussion um den Titel von @DerSpiegel und diese Erklärung zum Anlass nehmen, etwas loszuwerden. Im Journalismus gibt es die Idee des „Zuspitzens“. Ich halte sie für schädlich. Ich will erklären wieso. Und ich will eine Alternative vorschlagen. THREAD... /1
In der Branche ist es ganz normal, davon zu sprechen, etwas sei „zugespitzt“ oder „angespitzt“. Wir sagen: Spitz das noch ein bisschen zu! Meistens bedeutet das: Mach die These knalliger, greller, lauter, brüllender. /2
Das geht dann mitunter auf Kosten der Präzision. Wenn etwas zugespitzt ist, muss es nicht hundertprozentig treffen, kann übers Ziel hinausschießen. Aber nur so, reden wir uns ein, errege man Aufmerksamkeit. Nur so stoße man Debatten an. /3
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