In der neuen Folge unseres Podcasts #Systemrelevant widme ich mich mit @mh120480 der #Abwrackprämie und in welcher Ausgestaltung sie Sinn machen kann. Highlights im #Thread: boeckler.de/de/podcasts-22… 1/
1. Konjunkturell war die Abwrackprämie 2009 sehr wirksam. Es wurden deutlich mehr Autos verkauft als dies ohne die Prämie der Fall gewesen wäre, insgesamt legte der deutsche Konsum zu, und auch wenn Autoimporte stiegen, profitierten Hersteller in Deutschland. 2/
Ein Teil der Käufe waren dabei vorgezogene Käufe späterer Jahre, aber auch dies hat damals geholfen, Unternehmen und Arbeitsplätze zu sichern. Die Nachfrage nach Autos war vor allem im Ausland und von Autovermietern eingebrochen, 3/
und die vorgezogenen Käufe haben diese Lücken gefüllt. Die ökonomische Literatur errechnet hier recht einhellig sehr deutliche Multiplikatoren. 4/
2. Die Verteilungswirkung der Abwrackprämie muss differenziert betrachtet werden. Einerseits profitieren natürlich die ganz armen Haushalte nicht von der Prämie, weil diese sich ohnehin keinen Neuwagen leisten können. 5/
Andererseits geht es bei der Abwrackprämie nicht nur um die Haushalte, die die Prämie erhalten, sondern um die erhaltenen Arbeitsplätze. Und das sind (über die ganze Wertschöpfungskette eines Autos) definitiv nicht nur die Reichen. 6/
3. Ökologischer Nutzen der Abwrackprämie 2009 war bescheiden. Damals wurden alle Autos gefördert, unabhängig von der Motorengröße. /7
Angesichts der Notwendigkeit der Klimawende macht es keinen Sinn, heute pauschal wie damals alle Autos zu fördern, ohne Rücksicht auf die Umweltbilanz. Das wäre auch gesellschaftlich und politisch nicht zu vermitteln. 8/
4. Was heute gefragt ist, wäre eine modifizierte Prämie, eingebettet in andere Maßnahmen zur Verkehrswende: Also: Förderung alternativer Antriebe + Investitionen in Ladeinfrastruktur + Investitionen in ÖPNV (E-Busse). 9/
Es muss darum gehen, die deutsche Automobilindustrie stärker und schneller in Richtung Transformation zu bewegen. Dafür können zielgenaue Prämien sinnvoll sein. 10/
5. Denkbar könnte etwa sein, die Prämie auch für Bundle-Lösungen zu bezahlen – etwa eine Lieferung eines E-Autos in 24 Monaten und bis dahin die Bereitstellung eines gebrauchten Leasingfahrzeugs. 11/
Wichtig wäre, dass die Prämie tatsächlich eine Beschleunigung der Umstellung auf alternative Antriebe für den deutschen Automobilbau bringt. /12
6. Die grundsätzliche Stützung der Automobilindustrie macht Sinn, denn die Branche bringt Deutschland hohe Wertschöpfung, gute Jobs, und hat viele Verknüpfungen zu Zulieferern, die den technologischen Fortschritt befördern. 13/
Natürlich brauchen wir bei einer Verkehrswende in Deutschland langfristig weniger Autos, es ist aber global nichts für das Klima gewonnen, wenn künftig die Autos für den Rest der Welt (und es wird weiter Bedarf nach Autos geben) im Ausland statt bei uns produziert werden. 14/
6. Die Debatte um eine Prämie, die eventuell im Juni beschlossen wird, dürfte derzeit zu zusätzlicher Kaufzurückhaltung führen. Wer jetzt ein Auto kauft, riskiert schließlich, die Prämie nicht zu bekommen. Das hätte man geschickter machen können. 15/
Zusammengefasst: Ich halte eine Prämie für Auto-Modernisierung grundsätzlich für bedenkenswert, sie muss aber richtig ausgestaltet und durchdacht sein und in ein breiteres Programm eingebettet sein. 16/
(Aus der Berichterstattung über das von @michael_huether @tom_krebs_ @BaraPraetorius Katharina Spieß und mir veröffentlichte Investitionspapier entstand zum Teil der Anschein, ich lehne solche Prämien grundsätzlich ab. handelsblatt.com/politik/deutsc… 17/
Das stand nicht in dem Papier. Dort stand, dass wir Investitionen priorisieren, aber eventuell andere Maßnahmen notwendig werden würden. Solch eine Maßnahme kann aus meiner Sicht eine klug ausgestaltete Umweltprämie sein.)/END
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