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Jul 10, 2020, 6 tweets

Ich kann allen nur empfehlen, das vorzügliche Buch "Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft" von @ArminNassehi zu lesen. Ein Muss für alle, die nicht nur das Neben-, sondern auch das Hauptsätzliche der #Digitalisierung verstehen wollen. Eben blieb ich an dieser Stelle hängen:

"Die Digitalisierung des Menschen als Informationsträger in bestimmten sozialen Zusammenhängen ist durchaus eine zivilisatorische Errungenschaft, gerade weil sie es ermöglicht, den Menschen nicht zu sehr auf eine Gesamtgestalt festzulegen, was seine Freiheitsgrade stets

einschränkt. Deshalb bildet das moderne Recht etwa das Institut der subjektiven Rechte aus, das der Person unter Absehung der Person einklagbare Rechte verleiht." Mein Eindruck ist es, dass diese Errungenschaft in medienöffentlichen Zusammenhängen rückläufig ist, insofern

die Reduktion von Menschen "auf wenige Rollen innerhalb von Informationssystemen" dahingehend pervertiert wird, dass diese wenigen Rollen wiederum, gleichsam metonymisch, für die "ganzen Menschen" gesetzt werden. Äussert sich Person X zu Thema Y, so kann insinuiert werden, sie

täte dies (nur) in der Rolle Z, wobei alle anderen Rollen (A, B, C...), welche die Person ebenfalls spielt, taktisch ignoriert werden. Sprich, die zivilisatorisch positiven Aspekte der Digitalisierung des Menschen verkehren sich ins Gegenteil – der hochauflösende granulare Blick,

der doch eigentlich vor Ideologisierung schützen könnte, wird wiederum zur Ideologie, wenn aus spezifischen Interessen das Teil mit dem Ganzen identifiziert bzw. das Ganze durch den Teil, wie die vielen Dateien auf einer Festplatte durch eine einzelne Datei, überschrieben wird.

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