Die sprachlich starken & scharfsichtigen, heute tls. aber toxisch wirkenden Reportagen v. #HeinrichHauser (1901-1955) sind wie ein Strudel: Man wird i. d. 1920/30er Jahren eingesaugt & endet in d. Gegenwart. Längerer Thread zu Hauser, #Fleisch & den #Schlachthöfen v. #Chicago. /1
Wie andere Autoren d. #Avantgarde feiert Hauser die Möglichkeiten d. fossilen Zeitalters noch vor d. "great acceleration" nach 1945 (Steffen/Crutzen/McNeill 2007). Es geht nicht bloß um Großstädte, Automobile o. Flugzeuge: 1931 besucht er d. Schlachthöfe v. #Armour & Company /2
in #Chicago. Aus seiner Sicht ist es ein Routinetermin, dessen Notwendigkeit wohl auf Upton #Sinclairs #TheJungle (1906) zurückgeht. Interessant ist, wie bei Hauser d. Zusammenhang v. Industrialisierung, Mechanisierung, steigendem Wohlstand, Fleischkonsum & Rassismus sichtbar /3
wird, ohne dass er selbst dies notwendig merkt.
Der massive Konsum v. #Rindfleisch etwa ist 1931 kein natürlicher Vorgang, sondern war durch historische Entwicklungen, massiven Kapitaleinsatz & Regierungsunterstützung im späteren 19. Jahrhundert erst erzeugt worden. Die /4
Fleischerzeugung stieß u. a. auf europäische Immigranten, für d. #Fleisch zum Symbol d. eigenen Wohlstands wurde. Kapital- & Regierungsinteressen sowie Ernährungswünsche verflochten sich dabei mit nationalen Mythen & Geschichtsschreibung etwa im Bild der angeblich "offenen" & /5
"ungenutzten" Weidegründe d. mittleren Westens, deren Bisonherden systematisch & absichtsvoll vernichtet und deren ursprüngliche indigene Bewohner verdrängt & i. d. "#IndianWars" ermordet wurden. @joshspecht erklärt d. Prozesse in #TheRedMeatRepublic hsozkult.de/publicationrev… /6
oder erläutert sie im Podcast podcasts.apple.com/gy/podcast/157…. Zum zentralen Akteur d. Fleischversorgung wurde um 1900 die "meat packaging industry", zu deren zentralen Firmen #Armour gehörte. Interessant ist e. US-Karte der Firma von 1922 m. d. Titel "Food Source Map" & der /7
Überschrift "The Greatness of the United States is Founded on Agriculture". en.wikipedia.org/wiki/Armour_an…. Hier geht es (1.) offenbar darum, zum Fleischkonsum zu erziehen. (2.) wird die Aufzucht & Verarbeitung v. "Livestock" unter d. Aspekt v. "Agriculture" naturalisiert; /8
(3.) zeigt d. Karte einen von Zuchttieren überladenen Kontinent, was (vermutlich unfreiwillig) insb. Probleme der Rinder- u. Schafhaltung & d. Beef- & Mutton-Produktion andeutet, bes. ihren Flächenverbrauch. Von diesen Hintergründen findet sich nichts bei #Hauser, was /9
anderen Passagen d. Reportage #FeldwegeNachChicago (1931) entspricht. Z. B. beschreibt Hauser durchaus brutal d. Folgen der "#Segregation" i. d. Südstaaten, aber nur als Einzelphänomene ohne Hintergrundinformationen.
Bei #Armour bewundert er in der Schlachtung von Schafen & /10
Rindern die ausgefeilten Abläufe und technischen Einrichtungen. Die Schlachtung der Rinder wird von Hand vorgenommen, und zwar von Black Americans. Dabei werden d. Tiere, wie Hauser genau beschreibt, mit ca. einem Meter langen Hämmern erschlagen. Er kommt zu dem Ergebnis, /11
dies wirke "nicht schlimm", weil es einen solch eingespielten Ablauf darstelle. Die toten Körper würden zu schlichtem "Fleisch", das nicht mehr an d. Tier erinnere. Was #Hauser weiter beobachtet sind die athletischen Körper d. Männer an den Hämmern - typisch für Hauser & d. /12
#Avantgarde gilt der Blick ihrer Sportlichkeit & ihrer Fähigkeit, in hochverdichteten Arbeitsabläufen zu operieren. Was Hauser dagegen nicht sieht o. erwähnt, ist, weshalb die Männer da sind. Offenbar wurden sie v. Armour, wie wenigsten Wikipedia berichtet, als Streikbrecher /13
genutzt en.wikipedia.org/wiki/Armour_an…. Da die weißen Unions nur Weiße aufnahmen, konnte die Firma noch in den 1930er Jahren Arbeiter nach angeblicher "Rasse" gg.einander ausspielen & so billig Fleisch produzieren und distribuieren. //
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