Dustin Hoffmann Profile picture
Jurist - Büroleiter bei @MartinSonneborn

Sep 16, 2020, 22 tweets

#Assange-Hearing, Woche 2 Tag 3

Wir hören jetzt John Goetz, Investigativjournalist beim NDR (früher beim Spiegel). Er ist von der Verteidigung bestellt.

de.wikipedia.org/wiki/John_Goetz

John Goetz ist per Video zugeschaltet.

In eigener Sache: Das Video zu den letzten zwei Tagen ist im Export, aber mein Computer lässt sich etwas Zeit. 🤗

Goetz hat damals zum Afghanistan-Krieg gearbeitet und war Teil der Partnerschaft unterschiedlicher Medien (Spiegel, Guardian, New York Times, El Pais and WikiLeaks), die die Veröffentlichung der geleakten Dokumente koordiniert hat. Er berichtet über die Afghan War Logs.

Goetz berichtet, wie überrascht er darüber war, wie sehr Assange zur Verwendung verschlüsselter Kommunikation gedrängt hat. Heute sei das journalistischer Standard, aber Assange war der Zeit voraus.

Weiterhin habe Assange mit viel Aufwand versucht, technische Lösungen zu finden, um Namen zum Schwärzen in den Dokumenten zu finden.

Es wurde sich darauf geeinigt, dass die New York Times die Schwärzung mit dem Weißen Haus koordiniert. Daraufhin wurden 15000 Dokumente entsprechend bearbeitet.

Goetz sagt, dass ihm kein Fall bekannt sei, in dem ein sensibler Name bei diesem Prozess durchgerutscht sei.

Bei den Irak-Kriegstagebüchern gab es einen ähnlichen Prozess. Im Endeffekt hat WikiLeaks einige Dokumente stärker geschwärzt als das US-Verteidigungsministerium bei Informationsfreiheits-Veröffentlichungen.

Hintergrund: de.wikipedia.org/wiki/Veröffent…

Goetz berichtet über einzelne Fälle, die durch die Unterlagen bekannt wurden:
- Ein deutscher Staatsbürger hat behauptet, er sei in Mazedonien von US-Kräften entführt worden. Das hat sich durch die Unterlagen als wahr herausgestellt.

Goetz konnte die Namen der beteiligten CIA-Agenten herausfinden, woraufhin 13 Haftbefehle erlassen wurden.

Als WikiLeaks später diplomatische Unterlagen veröffentlicht hat, hat er herausgefunden, dass die US-Regierung Druck auf die deutsche Regierung ausgeübt hat, die Haftbefehle nicht zu vollziehen.

Es gab auch Kontakt zum US-Außenministerium. Dieses hat besonders sensible Dokumente gemeldet, die dann gesondert geschwärzt wurden.

Dem Außenministerium ging es dabei aber nicht um schützenswerte Namen, es ging um politisch sensible Sachverhalte.

Die Vertretung der US-Anklage (James Lewis QC) übernimmt die Befragung.

Es geht nun um den Zeitpunkt der Erstveröffentlichung der ungeschwärzten Dokumente durch WikiLeaks. Goetz geht davon aus, dass die US-Plattform Cryptome die Dokumente vor WikiLeaks veröffentlicht hat. Die Anklage behauptet das Gegenteil.

Goetz gibt zu, dass er teilweise frustriert darüber war, dass der Prozess zur Absicherung der Dokumente durch WikiLeaks so intensiv war, dass sich die Veröffentlichung stark verzögert hat.

Anklage: Wurden die 15000 besonders schützenswerte Dokumente durch WikiLeaks jemals ungeschwärzt veröffentlicht?
Götz: Seiner Kenntnis nach nicht.

Der Anklageanwalt zitiert Zitate von Assanges Mutter über seine Charaktereigenschaften (Assange sei witzig und humorvoll) und fragt Goetz, ob er den Einschätzungen zustimme: Er bejaht es.

Die Verteidigung befragt Goetz nach kurzer Unterbrechung erneut.

Goetz bestätigt, dass ihm kein Fall bekannt sei, in dem eine Person durch die Veröffentlichung der Dokumente in Gefahr gebracht wurde. Er bestätigt auch, dass Cryptome die Unterlagen vor WikiLeaks veröffentlicht hat und Assange das verhindern wollte.

Die Befragung von John Goetz ist beendet.

Share this Scrolly Tale with your friends.

A Scrolly Tale is a new way to read Twitter threads with a more visually immersive experience.
Discover more beautiful Scrolly Tales like this.

Keep scrolling