Franziska Schutzbach Profile picture
Autorin, Soziologin, Geschlechterforscherin, Feministin. Hier privat usw. https://t.co/CopBiP4hbt

Dec 13, 2020, 10 tweets

Gemäss Milieuforschung lehnen Männer in höheren Führungspositionen die #MeToo-Bewegung am meisten ab. Ferner haben sie im Vgl zu anderen die grösste Abwehr gegenüber der gesellschaftlichen Relevanz des Themas Sexismus.

Thread zur Studie „Sexismus im Alltag“ (2020): 1/

Die befragten Männer sind in Führungspositionen, haben 1 akademische Ausbildung in Betriebswirtschaft,Medizin,Jura, Chemie, Ingenieurswissenschaft usw. & verstehen sich als Leistungselite. Ausgeprägt sind Erfolgsethik, Machbarkeitsdenken, Exklusivitätsansprüche & Distinktion 2/

Männer aus diesem Milieu glauben, aufgrund ihrer hohen Bildung den eigentlichen Kern d Sexismusdebatte zu kennen & entlarvt zu haben. Die Befragten betonen, dass sie selbst progressiv, liberal und modern sind und gerade daher Sexismusdebatten ablehnen. 3/

Der Begriff Sexismus ist aus ihrer Sicht ein Propagandawerkzeug aus dem linksradikalen Lager des Feminismus, mit dem jeder Mann unter Generalverdacht gestellt werde. Natürlich gebe es gegen Frauen Übergriffe, aber meistens von Männern aus der Unterschicht und/oder Migranten. 4/

Im Prinzip seien aber vor allem Männer von Sexismus betroffen. Umgekehrt könnten sich Frauen heute fast alles erlauben. Gleichstellungspolitik ist aus Sicht „etablierter Männer“ ein Hype, eine Benachteiligung von Frauen, die gegen das Grundgesetz verstoße, gebe es nicht. 5/

Geschlechterunterschiede seien evolutionär. Rollenteilungen hätten sich als Best Practice entwickelt und dürfe man nicht wegen Gleichstellungsideologie aufgeben. "Sexismus gehört zum Leben wie Luft zum Atmen.“ Wer Sexismus abschaffen wolle, läute das Ende der Menschheit ein 6/

Das Narrativ dieser Männer ist eine Strategie der offensiven Abwehr. Die Analyse zeigt ein profundes Unbehagen gegenüber gerechter Machtverteilung. Sie sehen diese im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Gesellschaft. 7/

Im Gegensatz zu anderen Milieus verbinden etablierte Männer (& auch Frauen) Sexismus überhaupt nicht mit Macht. Während v.a Frauen aus den übrigen Mileus betonen, dass Sexismus an Macht geknüpft & Machtmissbrauch sei, blenden „Etablierte“ diese Dimension systematisch aus 8/

Etablierte sind i d Regel aufgrund sozialer Lage, finanz. Ressourcen & Positionen in der Situation von Machtfülle. Das gibt Grund zur Hypothese, dass die Leugnung von Sexismus die Funktion hat, ihre Situation von Machthaben zu legitimieren, zu immunisieren und zu imprägnieren 9/

Thread ist zusammengestellt aus deutscher Studie. Einige Ergebnisse treffen aber sicher auch auf CH zu. Es zeigt sich hier, warum es mit Gleichstellung so lange auf sich warten lässt, das beschriebene "etablierte Milieu" ist in d Schweiz tonangebend: bmfsfj.de/blob/141246/6e…

Share this Scrolly Tale with your friends.

A Scrolly Tale is a new way to read Twitter threads with a more visually immersive experience.
Discover more beautiful Scrolly Tales like this.

Keep scrolling