Mehr als 10 Millionen für eine App, die unsere Probleme nicht löst, sondern womöglich auch noch Schaden anrichtet. Wir haben recherchiert, wie das passieren konnte. Marketing, Druck und zweifelhafte Vergabeverfahren stehen hinter dem Erfolg der #LucaApp. zeit.de/digital/datens…
Nachdem der Artikel nun hinter der Paywall und damit für viele nicht mehr zugänglich ist, schreibe ich hier eine kurze Zusammenfassung einiger der wichtigsten Punkte zum zweifelhaften Erfolg der #LucaApp per Thread (jede Menge mehr Details und Quellen im Originaltext)
Uns erschien es seltsam, dass plötzlich jede Menge Bundesländer für jede Menge Geld Lizenzen für eine App kaufen, die unsere Probleme nicht löst und die von Fachleuten als gefährlich eingestuft wird – also haben wir uns das genauer angeschaut und Bedenkliches gefunden. 1/
Wieso löst #LucaApp unsere Probleme nicht? Weil der Flaschenhals bleibt: überlastete Gesundheitsämter, die Menschen anrufen. Es wurde vergessen zu fragen: welches Problem wollen wir lösen? Es wird ein Prozess digitalisiert, der nicht gut funktioniert. 2/
Inwiefern die Daten der #LucaApp überhaupt zur Entlastung der Gesundheitsämter beitragen können, steht in Frage.
Spannender Lesetipp: @bkastl hat das mit der „Schnittstellenlage“ hier mal genauer aufgedröselt: bkastl.de/notes/die-coro…
3/
Deshalb wäre es eine Überlegung wert, die Gesundheitsämter teilweise aus dem Prozess zu nehmen und das Kontaktieren der Betroffenen allein einer App zu übertragen wie der Corona-Warn-App, die nun eine ähnliche Funktion bekommt wie die #LucaApp – nur #privacy-freundlich. 4/
Die zentrale Architektur der #LucaApp stufen Expert:innen nämlich als gefährlich ein. Das betonen EPFL-Forscherinnen @thsStadler und @carmelatroncoso, die Datenschutzkonferenz - und sogar der Dienstleister ENRW (Screenshot), den #Luca selbst für den Pentest beauftragt hat. 5/
Wieso geben Bundesländer mehr als 10 Millionen Euro für die #LucaApp aus (10,5 Millionen sind nur die bekannten Kosten von 6 Ländern. Bundesweit dürfte mehr als das Doppelte anfallen, pro Jahr) – obwohl immer mehr Fachleute vor ihr warnen? Hier kommt das Marketing ins Spiel 6/
Und damit Smudo, der uns im Interview freimütig berichtet hat, wie er seine Kontakte nutzt, um seine Botschaft zu verbreiten: dass uns die #LucaApp aus dem Lockdown holt, die Kulturbranche rettet. Seine Auftritte und Versprechungen u.a. in drei Talkshows haben Druck aufgebaut…7/
...dem Politiker:innen gerne nachgeben. Das zeigen diverse interne Unterlagen, die uns in der Recherche um die #LucaApp vorlagen, unter anderem aus Thüringen. Dort hatte man seit November offenbar daran gearbeitet, Vergaberichtlinien zu umgehen. Der Höhepunkt: 8/
Eine E-Mail der Digitalagentur an Luca-CEO @patrick_hennig: es sei wichtig, "die Voraussetzungen für eine Nichtnotwendigkeit einer öffentlichen Ausschreibung sattelfest zu bekommen". Und Hennigs Bestätigung, dass es keine vergleichbare Lösung auf dem Markt gebe. 9/
Rechtliche Bedenken haben in Thüringen schließlich doch noch zum Umdenken geführt. Doch diese Dokumente zeigen, dass im Hintergrund bereits seit Herbst entsprechend verhandelt wird. Womöglich auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo wir ebenfalls Einblick in die Vergabe hatten: 10/
In einem internen Vergabe-Dokument des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung MV wird ein Vergleich zwischen der #LucaApp und acht anderen Check-In-Apps angestellt – mittels von deren Website kopierter Textblöcke. Gespräche fanden offenbar keine statt. 11/
Die Vergabe in Mecklenburg wird derzeit rechtlich geprüft – denn andere finden schon, dass es Vergleichbares auf dem Markt gibt: Etwa 50 weitere Startups haben Check-in-Apps entwickelt, von denen mindestens eines aktuell die Vergabe juristisch anficht. 12/
Das könnte spannend werden für 10 Bundesländer, die Lizenzen der #LucaApp auf Basis von Verhandlungen des IT-Dienstleisters Dataport kaufen – ohne Ausschreibung, wie mir Dataport bestätigte. Die Direktvergabe basiere zudem auf der „Markterkundung eines unserer Trägerländer“ 13/
Mecklenburg-Vorpommern ist meines Wissens nach das einzige der Dataport-Trägerländer, das eine eigene Markterkundung gemacht hat. Haben elf Bundesländer Lizenzen der #LucaApp gekauft ohne Ausschreibung und auf Basis von online zusammen kopierten Textblöcken? 14/
Dataport wollte mir nicht sagen, wessen Markterkundung die Basis war - aus gutem Grund, wie wir jetzt wissen: ein Behördenvertreter aus Niedersachsen hat es versehentlich verraten: Mecklenburg-Vorpommern. 15/
Diese "Markterkundung" aus MV, die nun Basis für die Entscheidung von elf Bundesländern für die #LucaApp ist, ist nicht nur aus dem Internet zusammenkopiert, sie enthält auch zahlreiche Fehler, wie mir Dominik Wörner von @darfichrein bestätigt hat. 16/
TLDR: Eine App, die Bewegungsdaten von Millionen Deutschen verarbeiten soll und die Expert:innen als unsicher einstufen, wird auf Basis zweifelhafter Marketingversprechen und guter Kontakte eines Popstars ohne öffentliche Debatte und Ausschreibung für zig Millionen gekauft. 17/17
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