Martin Kriegel Profile picture
Leiter Hermann-Rietschel-Institut, TU Berlin. Fachgebiet Energie, Komfort & Gesundheit in Gebäuden; Vorstandsvorsitzender Gesundheitstechnische Gesellschaft eV

Nov 6, 2021, 12 tweets

(1/x) Vor einem Jahr haben wir bereits mitgeteilt, dass man ohne weitere Präventionsmaßnahmen die Anzahl von #SARSCoV2 in der Raumluft nur mit sehr viel virenfreier Luftzufuhr und damit Abfuhr von virenhaltiger Luft benötigt, um einen Ausbruch über Aerosol zu verhindern.

(2/x) Mit Delta dürften es jetzt im Mittel etwa 140 m3/h pro Person und pro Stunde Aufenthalt sein, abhängig u.a. von Virenlast der infizierten Person. Das bedeutet bei 20 P. für 6 Stunden im Raum 16.800 m3/h!!! Typische Werte liegen bei 400 - 800, große Luftreiniger haben 1000.

(3/x) Das zeigt eindeutig, dass lüftungstechnische Maßnahmen alleine nicht reichen, um Ausbrüche (>1 Ansteckung) über Aerosol zu verhindern. Mit Tragen von med. Masken kann inhalierte Dosis im Mittel halbiert werden, womit ein Luftbedarf von 8.400 verbleibt. Immer noch sehr hoch

(4/x) FFP2 haben großes Potential, wenn sie enganliegend von allen getragen werden. Damit kommt man in die Region von typischen Lüftungswerten. Aber wer trägt FFP2 derart über den gesamten Zeitraum?

(5/x) Testen hat einen entscheidenden Vorteil: Man kann infektöse Personen isolieren, bevor sie sich länger im Raum aufhalten. Bei hohen Viruslasten haben Ag-Tests eine sehr hohe Trefferquote. Bei niedrigen Viruslasten kann jemand unerkannt bleiben.

(6/x) Beim verbleibenden Restrisiko sind dann lüftungstechnischen (gute Raumlufthygiene) und organisatorischen Maßnahmen (Maske & Aufenthaltszeiten) wichtig und bei niedrigen Viruslasten der infizierten Person sind diese auch effektiv.

(7/x) Die notwendige Testfrequenz hängt von der Dynamik des Anstiegs der Viruslast ab. Bei Delta geht das sehr schnell: Innerhalb von 12 Stunden mit dem Faktor etwa 100. Und es hängt von der Art des Tests ab: Ag oder PCR. Bei Ag müsste tgl., bei PCR alle 2-3 Tage getestet werden

(8/x) Zur Quarantäne: Es ist eindeutig, dass sich Aerosolpartikel im gesamten Raum in ein paar Minuten überall verteilen. Aber es ist ebenfalls eindeutig, dass die Anzahl im Umkreis der Person deutlich erhöht ist. Der Radius beträgt 3-5m, nicht 1,5m.

(9/x) Wenn die Aufenthaltszeit länger wird, steigt die inhalierte Dosis. Damit steigt das Risiko im Fernfeld. Im Nahfeld (3-5m) ist es stets im Mittel 5mal höher. In normalen Settings bedeutet das Quarantäne für alle Personen im gesamten Raum.

(10/x) Anstelle von Quarantäne kann man auch tgl. testen. Dann sollten aber AHA+L (FFP2) konsequent eingehalten werden. Sicherer ist bei Delta jedoch eindeutig Quarantäne.

(11/x) Bei niedrigen Inzidenzen/Hospitalisierungsraten kann man abmildern. Gerade jetzt ist aber wohl angebracht #ALLIN. Was ansonsten übrig bleibt, kennen wir.
Also:
- Testen mit hoher Frequenz
- AHA+L (FFP2+gute Raumlufthygiene)
- schnelle Isolation
- umfassende Quarantäne

(12/x) Zur Erinnerung: stern.de/gesundheit/bue…
Vergleich von inhalierter Dosis verschiedener Situationen. Es geht nicht um das absolute, sondern relative Risiko. Dazu gibt es jetzt ein umfassendes Paper. (gerade im Review-Prozess)

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