False Friends. Oder warum es im Gymnasium eventuell nach nassen Sportsocken riecht.

Ein Thread.

#twlz #MamaMammutsFalscheFreunde
Als ich mit 16 Jahren für ein Jahr nach Kalifornien ging, um dort die Junior High School zu besuchen, fragten mich meine KlassenkameradInnen dort, auf welche Schule ich in Deutschland gehe. "I go to the gymnasium" sorgte für ziemlich schräge Blicke, denn dass dort die Sporthalle
so heißt, wusste ich nicht. Lernte es allerdings schnell 😄.
Ein Gymnasium wäre am ehesten als "college preparatory high school" übersetzbar, da es die Schulform dort so nicht gibt.
Ach ja, durch meinen Amerika-Aufenthalt ist dieser Thread stark amerikanisch gefärbt. BE gerne
als Kommentare hinzufügen!
Für Verwirrung sorgte auch mein als Kompliment gemeintes "You have my sympathy" an meine Gastschwester, die ich echt sympathisch fand. Sie wunderte sich allerdings, weswegen ich ihr mein Beileid bekundete. Anfang der 90er hatte ich leider kein Internet
zum Nachschlagen, sondern nur mein Langenscheidt-Wörterbuch.
In der Junior High machte ich mich nochmal komplett zum Horst, als ich am "Tie-Dye"-Day mit einer Krawatte antanzte. Klar, "Tie" ist eine Krawatte, aber zusammen mit Dye wird daraus nichts anderes als Batik. Ich sah aus
wie ein Nerd unter Hippies.
Seltsam beäugt wurde ich auch im Musikunterricht, genauer gesagt in der Marching Band. Dort spielte ich Flöte und musste natürlich die Nationalhymne auswendig lernen. Machen wir es kurz: Wenn man nicht weiß, dass der Ton "h" im Englischen "b" heißt,
klingt die Hymne nicht sehr besinnlich. Das, was wir als "b" kennen, ist dort ein "b flat".
Die Marching Band marschierte natürlich fleißig, ich mittendrin. Uniformiert, streng in Formation, jeder Schritt gleich lang. Ich scherte wohl unbewusst aus, so dass Kristy hinter mir
energisch "back up!" flüsterte. Das bedeutete allerdings nicht, dass ich aufrücken sollte, wie ich fälschlicherweise annahm. Ich hätte zurücksetzen sollen, verhunzte stattdessen verwirrt unsere Choreographie.
"You'll learn eventually", meinte Kristy später und wollte mir damit
Mut machen. Was ich verstand: "Vielleicht lernst du's noch". Was sie tatsächlich sagte: "Du kriegst das auch noch hin." Eventually heißt nämlich soviel wie "schlussendlich" oder "schließlich".
#MamaMammutsFalscheFreunde hätten mich auch fast mal ins Tierheim gebracht.
Denn auch die Aussprache kann tricky sein, wie ich bei einer Taxifahrt lernte. Ich wollte in die "Canal Street" und sprach es aus wie "Kennel" – bei "Canal" liegt die Betonung auf der zweiten Silbe.
Ein "kennel" ist ein Hundezwinger.
😬
Zum Glück ließ sich der Taxifahrer die Adresse aufschreiben und klatschte sich AHA!-mäßig an die Stirn.
Habt Ihr auch so Worte, die Ihr nur vom Lesen kanntet und dann konsequent falsch ausgesprochen habt?
"Mature" reimt sich überraschender-
weise NICHT auf "Nature". Tipp: Bei leo.org gibt es für die allermeisten Begriffe helfende Audiodateien.
Zurück zu meinen falschen Freunden.
Es gibt eine grammatikalische Besonderheit, die zu verdammt vielen Missverständnissen führt. Beispiel: "He loved his
cigarettes. When he met a friend on his way home, he stopped to smoke."
Einmal im Geiste übersetzen, bitte ...
Ja, der Typ liebte seine Zigaretten. Aber er hat nicht aufgehört zu rauchen, als er einen Freund traf, im Gegenteil: Er hielt an, um zu rauchen!
Hätte er aufgehört zu
rauchen, wäre "he stopped smoking" richtig gewesen. "To stop to do something" heißt soviel wie anhalten (oder auch innehalten), um etwas zu tun. Mit etwas aufzuhören erfordert allerdings "to stop" plus "Gerund", also die Verbform mit -ing. Did you stop to read carefully? 😉
Zurück zur High School. Im Sekretariat blamierte ich mich, als ich meinen Schülerausweis beanstandete. Dort stand, ich sei "Caucasian". Ich komme doch nicht aus dem Kaukasus, sondern aus Deutschland! "Honey, Caucasian means that you're white", wurde ich aufgeklärt. Oh. Oops.
Meine Gastmutter dachte wohl des öfteren, dass das deutsche Mädel spinnt. Ob im Küchenschrank Platz für meine Klamotten wäre, fragte ich sie zu Beginn meines Aufenthaltes.
😳
Aus dem Schul-Englisch kannte ich nur "cupboard" für Schrank. Dass die Amis für ihre Kleiderschränke
den Begriff "closet" verwenden, konnte ich nicht ahnen. Immerhin habe ich es nicht mit "Klosett" verwechselt und gefragt, ob ich in den Schrank pinkeln kann.
Die Klo-Frage führte trotzdem zu schrägen Szenen. Als Teenie brauchte ich irgendwann neue Binden, wusste aber keine der
nötigen Vokabeln. Im kleinen Wörterbuch stand "bandage", und danach fragte ich meine Gastschwester. Sie kam mit einem Pflaster, weil ich ja sagte, dass ich blute. Nach meinem Versuch, meine Periode zu umschreiben, sagte sie "Oh, you need a sanitary napkin!". Eine Serviette?! Ich
kam mir verarscht vor, bis sie tatsächlich eine Binde aus der Schublade hervorzauberte.
Die Menstruation. Eine Geschichte voller Missverständnisse 🤪.
A propos Periode. Was mir zu Beginn meiner High School-Zeit nicht klar war: "Period" heißt auch "Schulstunde". "What's your next period?" verstand ich jedenfalls gründlich falsch und antwortete mit "uh, in two weeks, maybe?"... 🤭
Bevor es zu intim wird, höre ich für heute auf 🤪

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8 Dec 20
Einer meiner Lieblingswitze (nicht nur) für @herrpandabaer und @Chris_Zwitscher:
Ein junger Mann zieht in die Stadt und geht zu einem großen Kaufhaus, um sich dort nach einem Job umzuschauen. Manager: "Haben Sie irgendwelche Erfahrungen als Verkäufer?" Junger Mann: "Klar,
da wo ich herkomme, war ich Verkäufer!" Der Manager findet den jungen Mann sympathisch und stellt ihn ein.

Sein erster Arbeitstag war hart, aber er meisterte ihn. Nach Ladenschluss kam der Manager zu ihm. "Wie viele Verkäufe haben Sie heute geschafft?" Junger Mann: "Einen."
Manager: "Nur einen? Unsere Verkäufer machen im Schnitt 20 bis 30 Verkäufe pro Tag! Wie hoch war denn Ihre Verkaufssumme?" Junger Mann: "101.237 Dollar und 64 Cent." Manager: "101.237 Dollar und 64 Cent?!! Was haben Sie denn verkauft?"

Junger Mann: "Zuerst habe ich dem Mann
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11 Mar 20
Ich habe diesen verbalen Dünnpfiff mal transkribiert, siehe Thread. Gerne teilen.
"Ihr seid verloren,
macht nichtmal den Mund für euch auf.
So nehmen Tragödien ihren Lauf.
Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden,
sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden.
Und ihr steht seelenruhig neben dran,
schaut euch das Schauspiel an,
das euch alle beenden kann.
Weit und breit kein Mann, der dieses Land noch retten kann.
Hauptsache, es ist politisch korrekt,
auch wenn ihr daran verreckt, nochmal:
ich hab fast alle Menschen lieb,
aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht,
bei dem der Gast dem Gastgeber sein Leben stiehlt*,
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