Um einen Krieg zu gewinnen, braucht man eine gewisse Redundanz an Waffen, Fahrzeugen, Truppen und Munition. Die heutige Parade hätte zeigen können: Wir sind noch lange nicht am Ende.
Nun verfestigt sich der Gedanke: Das Gegenteil könnte der Fall sein.
Ich hatte immer die Sorge, dass es der Ukraine an der nötigen Redundanz fehlen könnte. Schließlich laufen die auf Kriegsrecht mit voller Mobilisierung seit Februar 2022. Die Männer fehlen in den Betrieben, viele werden nie an den Arbeitsplatz zurückkehren.
Die Vorräte an Sowjetmaterial und russischen Waffen waren klar begrenzt, aber auch wenn die Erfolge beeindruckend waren: Sie konnten oft nur geräumte Gebiete einnehmen, bei Frontdurchbrüchen wie bei Lyman war die Fähigkeit raumgreifend vorzustoßen begrenzt.
Es war sehr fraglich ob der unfassbare Verschleiß von Menschen, Material und Munition ausgeglichen werden kann, westliche Lieferungen hatten oft überschaubare Stückzahlen, Freiwilligenverbände stellten nur ein Bruchteil der kämpfenden Truppe.
Dagegen schien Russland weit im Vorteil: Eigene Rüstungs- und Munitionsproduktion, viel größere Reserven in der Bevölkerung, Wagner und Kadyrov mit eigenen oft kampferfahrenen Truppen, riesige Mengen an Altmaterial. Wie soll die Ukraine da dauerhaft gegenhalten?
Nun erweckt die Parade in Moskau doch stark den Eindruck, dass Russland blank ist. Es hat zwar noch eine Menge Menschen und Material an der Front, aber nichts mehr zuzusetzen. Der Nachziehstapel ist offenbar leer.
Das bedeutet, dass tatsächlich das passieren kann, was ich zumindest kaum für möglich gehalten habe: Dass die Front in der Ukraine kollabiert. Dass ein einziger Ukrainischer Durchbruch an sensibler Stelle genügt, dass die Lage nicht mehr stabilisiert werden kann.
Vielleicht zu optimistisch, und ob die Ukraine genug Redundanz hat, nach einem Durchbruch das Momentum auch zu nutzen, selbst wenn den Verteidigern noch mal Entlastungsangriffe oder Treffer auf den Nachschub gelingen ist ein Geheimnis.
Hier kommt auch die Psychologie ins Spiel. Die erbärmliche Show zum Tag des Sieges, der nicht endende Beef zwischen Prigozhin und Shoigu/Gerasimov, die bereits erlittenen Verluste und vollzogenen Rückzüge, das Fehlen jeglichen Erfolges: Das sind Zutaten für den Zusammenbruch.
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Ich habe mich überzeugen lassen: Die Formulierung, dass große Teile der "Anti-Trans" Bewegung in den USA "im Kern genozidal" sind, ist leider richtig und angemessen.
Es geht dort in der Bewegung und leider zunehmend auch in der Gesetzgebung von einzelnen Bundesstaaten längst um mehr als um Toilettenschildchen. Tatsächlich gibt es auf rechtskonservativen Kongressen wie CPAC offene Vernichtungsrhetorik. lemkininstitute.com/red-flag-alert…
Gouverneure wie unter anderem Ted Cruz, die sich von dieser Bewegung feiern lassen und um deren Stimmen buhlen, initiieren Gesetze, die es transidenten Menschen praktisch unmöglich machen, ihre Identität zu leben.
Also, ich habe gestern ziemlich eng die Berichte über den #Drohnenangriff auf den #Kreml verfolgt, und will euch heute morgen eine kleine Zusammenfassung auf deutsch bieten, was wir wissen und was nicht, und wer möglicherweise dahintersteckt (das ist dann Spekulation!).
Was wir wissen: Es sind zwei Drohnen innerhalb relativ kürzester Zeit auf dem Dach des Senatsgebäudes eingeschlagen. Eine direkt, die andere ist offenbar am Fahnenmast hängengeblieben. Beide richteten vergleichsweise geringen Sachschaden an.
Ein paar übertriebene Vermutungen können wir damit (trotz Rest-Unsicherheit) verwerfen: Es war kein Attentat auf das Leben von Vladimir Putin. Er wohnt nicht im Senatsgebäude, die Sprengladung der Drohnen war nicht geeignet das Dach zu durchschlagen und einen Menschen zu töten.
Deckt sich leider mit der Erfahrung meiner Frau als Grundschullehrerin. Nein, nicht "die Kinder" werden "immer schlimmer". Aber Einzelne werfen schon ab 1. Klasse inflationär mit Unflätigkeiten um sich. Betroffen sind Mitschüler*innen aber auch Lehrer*innen und Eltern.
Es fällt schwer, darauf angemessen zu reagieren. Weder hyperventilierten (dann hat die Provokation ja ihren Zweck erfüllt) noch ignorieren (dann wird sie womöglich gesteigert wiederholt). Sondern erwachsen, oder (altmodisches Wort) weise.
Denn auch wenn es nicht den Anschein hat: Kinder sind ansprechbar. Man muss ihnen erklären, was das für den anderen bedeutet, wie sich fühlen würden, würde das jemand ihnen antun. Und klar, es muss auch Konsequenzen haben.
Resolutionen derUN-Vollversammlung sind nicht bindend. Und die diplomatische Wortwahl wichtig. Also es ist eigentlich nix Großes passiert: weder wurde Russland formal verurteilt, noch gibt es ein robustes Mandat für Europarat und USA. Es ist mehr ein globales Stimmungsbild.
Trotzdem ist es eine verheerende diplomatische Niederlage für Lawrow und Co. Die Isolation könnte schlimmer kaum sein und äußert sich vor allem im Verlust von gelben Kästchen, sprich: Enthaltungen.
Manchmal habe ich das Gefühl in zwei Realitäten zu leben. In der Ukraine kämpft man gegen den Imperialismus der ganz alten Schule, der mit Waffengewalt Grenzen verschieben und Völker unterjochen will. /thread
Im Iran und Afghanistan kämpft man darum, dass anerkannt wird, dass Frauen grundlegende Menschenrechte genauso haben wie Männer. Es wird geprügelt, gefoltert, geschossen und gesteinigt.
In weiten Teilen Afrikas ist Homosexualität eine Straftat, in manchen Staaten droht Todesstrafe. Wir haben eine globale Herausforderung, den Klimawandel einzudämmen und seine Folgen abzumildern.
Es kann noch alles Fake sein, aber falls #Prigozhin bei Putin in Ungnade gefallen ist, könnte das erhebliche Auswirkungen haben. Und die Frage nach der Ursache für das Zerwürfnis wäre schon interessant. Viele sagen Putin sah im Wagner-Chef einen Konkurrenten um die Macht. /2
Das wäre er auch gewesen, wenn er super-erfolgreich gewesen wäre, insofern möglich, dass Putin ihm deshalb den Nachschub abdreht. Aber auch eine andere Erklärung ist möglich: Nämlich, dass Prigozhin in Ungnade fällt, gerade weil er NICHT erfolgreich ist. /3
Wir kennen das vom GröFaZ, dass er für die Misserfolge nicht seine eigenen taktischen und strategischen Fehler, sondern gerne seine Generäle verantwortlich machte. (Jeder kennt die Szene aus Der Untergang). Prigozhin sollte Bachmut im Sturm erobern und hat versagt.