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Jan 31 13 tweets 3 min read Read on X
Der Sachverständigenrat hat meines Erachtens einen lesenswerten Kompromissvorschlag zur #Schuldenbremse vorgelegt, der das Potential hat den politischen Dauerstreit zu beenden. 1/11 sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/fileadmin/date…
1. Übergangsphase nach einer Notlage zur schrittweisen Reduktion des Defizits. Das ist aus meiner Sicht aus zwei Gründen sinnvoll. Erstens, verhindert es eine fiskalische Vollbremsung die einen Wirtschaftsaufschwung gefährdet. 2/11
Zweitens, erlaubt es während einer Krise auch Investitionen vorzunehmen, deren Realisierung und Kosten teils später anfallen. Mit dem gegenwärtigen 0-1-Prinzip kann man nur im Notlagenjahr mehr ausgeben. Dann bleiben aber eigentlich nur konsumtive Maßnahmen. 3/
2. Strukturelles Defizit von 0,5% bzw 1% statt heute 0,35% erlauben. Ich hatte ja vor einer Weile schon dargestellt wie sich die Schuldenquote bei Einhaltung Schuldenbremse entwickeln würde, und wurde dafür von Konservativen kritisiert. 4/11 threadreaderapp.com/thread/1730246…
Nun hat der Sachverständigenrat praktisch die gleiche Simulation gemacht und kommt zum gleichen Ergebnis. Volleinhaltung Schuldenbremse bedeutet stark fallende Schuldenquote. 5/11 Image
Übrigens war das auch ungefähr der Vorschlag der #Gruenen zur letzten Bundestagswahl: max. 1% strukturell aber nur für Investitionen. Der SVR verzichtet auf die Beschränkung auf Investitionen, was ich wegen der praktischen Schwierigkeiten gut nachvollziehen kann. 6/11
Eigentlich wäre für ein stabile Schuldenstandsquote auch 1,5% ausreichend, aber angesichts von immer mal wieder auftretenden Notlagen halte ich 1% für einen guten Kompromiss um den politischen Streit beizulegen. 7/11
In der Vergangenheit wurde die Schuldenbremse außerhalb der Notlagenjahre immer übererfüllt. So ist allein seit 2016 ein Überschuss des Kontrollkontos von 47 Milliarden entstanden. Das man diesen Überschuss nicht nutzen darf aber Notlagenkredite tilgen muss ist unlogisch. 8/11
Deswegen hat der Rat und die Bundesbank vorgeschlagen das Guthaben mit Tilgungsverpflichtungen verrechnen zu können. IOch finde man könnte alternativ auch erlauben es in der Haushaltsplanung der Folgejahre einzusetzen. 9/11
Über die Konjunkturbereinigung und ihre tendenziell immer noch prozyklische Wirkung wird sicher noch weiter debattiert werden. Aber alles in allem ein guter und pragmatischer Vorschlag. Er sichert einerseits Schuldentragfähigkeit ab, 10/11
schafft einen größeren finanziellen Spielraum des Bundes, der für die Transformation unerlässlich ist. Er löst aber auch nicht alle Finanzprobleme (siehe unten). Die Parteien können also weiterhin über die richtigen Prioritäten streiten. 😉11/11 politischeoekonomie.com/nicht-ob-sonde…
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Dec 17, 2023
Bin etwas erstaunt über einige Kommentare zum #Haushalt2024. Es war ja nun klar, dass weniger Kreditaufnahme bedeutet, dass Ausgaben sinken und Steuern steigen müssen. Wer die #Schuldenbremse gut findet kann sich darüber nicht grundsätzlich beklagen. 1/25
Natürlich wird die Einhaltung der Schuldenbremse das #Wachstum senken. Auch das sollte Niemanden erstaunen, da das BIP die Summe aller Ausgaben ist und außerdem auch Multiplikatoreffekte entstehen. Beim konkreten Beschluss sollte sich das aber in Grenzen halten. 2/25
Die #FDP und Christian #Lindner klammern sich wie Ertrinkende an die Schuldenbremse. Mit Blick auf die Umfragen auch nicht erstaunlich. Aber bitter, denn natürlich weiß Lindner, dass die Union, würde sie regieren, die Schuldenbremse jetzt ändern würde. 3/25
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Nov 30, 2023
Mir ist nach meinem letzten Thread aufgefallen, dass viele nicht wissen wie restriktiv die #Schuldenbremse tatsächlich ist, und wie stark die #Schuldenquote in Zukunft sinken würde, wenn sie eingehalten würde. Eine kleine mathematisch Simulation ganz ohne Theorie: 1/13
Ich gehe für 2023 von den Projektionen der EU Kommission für #Schulden und BIP aus. Daraus resultiert eine wahrscheinlich etwas zu hohe Schuldenquote von 67,6% für 2023. Der genaue Ausgangswert ist aber auch nicht entscheidend für die lange Frist. 2/13
Ich nehme an, dass wir jährlich ein Wachstum von 0,5% und eine Inflationsrate von 2% haben. Im Durchschnitt erscheint mir das eher konservativ. Außerdem unterstelle ich, dass der Bund die erlaubte strukturelle Neuverschuldung immer voll ausnutzt. 3/13
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Nov 24, 2023
Bevor ich einen Blick auf die Zukunft der #Schuldenbremse werfe, lohnt es sich die Geschichte der noch ziemlich jungen Regel im #Grundgesetz anzuschauen. Wie kam es dazu? Wie hat sich die Schuldenbremse bisher gehalten? 1/34
Ein Zweck von Fiskalregeln (neben der makroökonomischen Steuerung) ist es die Staatsverschuldung zu begrenzen. Dem liegt vereinfacht gesagt, die Annahme zugrunde, dass Politiker zu starker Verschuldung neigen, um sich damit – besonders vor Wahlen – Wählerstimmen zu kaufen. 2/34
Die Entwicklung der Schuldenquote der Bundesrepublik lässt daran zumindest Zweifel aufkommen. Zwar ist ein Anstieg der Schuldenquote unzweifelhaft aber er erfolgte immer dann, wenn sich Krisen oder unvorhergesehene Ereignisse eintraten. 3/34 Image
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Nov 23, 2023
#Merz und die #CDUCSU haben das #Buergergeld als Kürzungsmöglichkeit entdeckt. In der Tat wirkt eine Steigerung von 502 auf 563 bzw. um über 12% sehr üppig. Ich habe mir angeschaut wie diese Steigerung zustande kommt. 🧵1/16
Bei den Regelsätzen hat man sich entschieden künftig nicht nur die vergangene Inflation zu berücksichtigten, sondern auch die für das jeweilige Jahr zu erwartende. Dadurch kommt es quasi auf den ersten Blick zu einer doppelten Berücksichtigung der Inflation. 2/16
Aber nur auf den ersten Blick. Im folgenden Jahr wird dann als Ausgangspunkt nicht das Bürgergeld des letzten Jahres genommen, sondern das was zustande gekommen wäre hätte man die tatsächlich eingetretene Inflation verwendet. Fehler werden also nach einem Jahr korrigiert. 3/16
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Nov 17, 2023
Eine erste vorläufige Einschätzung des #Urteil des #Bundesverfassungsgericht. Einige erwecken den Eindruck, dass vorher klar gewesen sei, wie das Verfassungsgericht urteilen werde. Ein Volk von 80 Millionen Verfassungsrichtern also. 1/25
Natürlich war es nicht klar, sonst hätte das @BMF_Bund und der damalige Finanzminister #Scholz den Vorschlag nicht gemacht und sein Nachfolger #Lindner es nicht umgesetzt und den Vorgang dann beim Doppelwumms gleich nochmal mit höherer Summe wiederholt. 2/25
In seinem Ausmaß und z.B. in seiner sehr strikten Auslegung der Jährigkeit hat das Urteil sogar die Kläger der Opposition überrascht. Niemand konnte das vorher wissen. Zumal es zur #Schuldenbremse noch gar keine Rechtsprechung des #BVerfG gab. 3/25
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Sep 22, 2023
Es wird mal wieder über die #Mehrwertsteuer diskutiert. Und egal ob #Gastronomie oder #Gas eine Verlängerung der Ermäßigung ist nicht sinnvoll. Beginnen wir mal bei der Gastronomie. 🧵 1/22
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